Bei Bauarbeiten im Süsterfeld: Stadtarchäologie entdeckt Reste der alten Römerstraße Aachen – Heerlen – Xanten

 

Bei archäologischen Untersuchungen im Nordwesten der Aachener Innenstadt sind spannende Entdeckungen gemacht worden. Dort, im Süsterfeld, errichtet die Aachener Firma DERICHS u KONERTZ gemeinsam mit Famos Immobilien aus Korchenbroich derzeit das Bürogebäude „Office West“, welches die RWTH Aachen University langfristig angemietet hat. Schon bevor die ersten Bagger für die Kanalbaumaßnahme anrückten, vermuteten die Experten um Stadtarchäologe Andreas Schaub, dass in dem Bereich Interessantes über Aachens Geschichte im Erdreich schlummern könnte. „Grund dafür ist eine römische Siedlung, die beim Bau von Pariser bzw. Toledoring Anfang der 1980er Jahre entdeckt und deren Fortsetzung im Baufeld vermutet wurde“, erklärte Schaub bei einem Pressetermin am Freitag (13. Mai) vor Ort.

 

Gute Zusammenarbeit, spannende Entdeckungen: Stadtarchäologe Andreas Schaub (r.) erläuterte (v.l.) Patrick Düntzer (archeo consult), RWTH-Dezernentin Geva Aschhoff, Stadtbaurätin Frauke Burgdorff, Claus Steufmehl und Max Posé (Famos Immobilien) den Fund der Römerstraße.

 

 

Gute Abstimmung zwischen allen Beteiligten

Die römische Siedlung lag unmittelbar an der römischen Straße Aachen – Heerlen – Xanten. Um deren exakten Verlauf im Plangebiet zu ermitteln, wurden seitens der Stadtarchäologie zwei Sondierungsgräben angelegt. Dieses Vorgehen war schon in einem frühen Planungsstadium des Projektes mit den Verantwortlichen der beiden Investoren und gemeinsam mit dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland abgestimmt worden. „Die frühzeitige, transparente Einbindung aller Beteiligten sorgte dafür, dass wir einerseits einen hoch spannenden Einblick in die Historie unseres Grundstücks erlangen konnten und andererseits unplanmäßigen Verzögerungen im späteren Hochbau vorgebeugt werden kann“, so Dr. Achim Buschmeyer, Geschäftsführer bei DERICHS u KONERTZ. „Die Römerstraße wurde tatsächlich in der östlichen der beiden Sondierungsflächen in rund zwei Metern Tiefe angetroffen. Sie bestand aus einer kompakten Schicht aus Feuersteinkies“, erläuterte Schaub. Durch die intensive Nutzung der Straße hatten sich tiefe Karrenspuren in die Trasse eingegraben. Dort fand sich unter anderem ein zerbrochenes Hufeisen.

 

 

 

Andreas Schaub: „Dieser Fund stammt sicher aus nachrömischer Zeit und zeigt an, dass die Straße auch noch lange nach den Römern bestanden hatte. In Flurkarten des 18. und 19. Jahrhunderts lebte sie als ‚Süstergasse‘ fort. Diese führte weiter nach Nordwesten, an der Ölmühle vorbei über den Wildbach. Knapp neben dem Wildbachübergang lag auch das seit der Karolingerzeit bestehende Hofgut Schurzelt.“ Die erneut spannende Entdeckung des Aachener Archäologieteams freut auch Stadtbaurätin Frauke Burgdorff, die sich vor Ort gemeinsam mit Geva Aschhoff, Leiterin des RWTH-Dezernats Facility Management, ein Bild machte. Burgdorff sagte: „Neben dieser fachlichen Entdeckung ist wirklich zu betonen, dass hier die Zusammenarbeit zwischen Bauherren und Stadt vorbildlich, Hand in Hand und in wechselseitiger Unterstützung gelaufen ist. So gut abgestimmt muss man vor den Römern keine Angst haben.“

 

Sogar Hinweise auf vorrömische Siedlung gefunden

 

Die Grabungen zeigen, dass die Straßentrasse nach der Römerzeit mindestens zweimal grundlegend erneuert wurde. Mindestens in einem Fall geschah dies, nachdem sich anstelle der Straßentrasse eine Art Teich gebildet hatte. Es wird derzeit an der RWTH (Lehr- und Forschungsgebiet Neotektonik und Georisiken) untersucht, ob es sich dabei um die Folge einer seismisch beeinflussten Bodenverschiebung handelte, die einen natürlichen Abfluss anfallenden Hangwassers vom Hörnhügel verhinderte. Im zweiten Sondierungsschnitt fanden sich überraschenderweise Spuren einer bis dato völlig unbekannten mittelalterlichen Siedlung. Nach den Funden zu schließen, bestand sie etwa zwischen dem 12. und 15./16. Jahrhundert.

 

 

 

Einzelne Keramik- und Feuersteinfunde deuten zudem auf eine vorrömische Besiedlung im näheren Umfeld hin, von der sich in den Sondagen aber keine weiteren Spuren nachweisen ließen. War für die Sondagen die Stadtarchäologie verantwortlich, so erfolgt die weitere archäologische Begleitung des Bauvorhabens durch die archäologische Fachfirma sk ArcheoConsult aus Aachen. Diese konnte bereits bei ersten Kanalbauarbeiten ebenfalls die Römerstraße untersuchen. Völlig überraschend wurde dabei auch eine römische Holzwasserleitung gefunden, die möglicherweise eine unweit des Plangebiets liegende Badeanlage speiste.

 

Archäologie: Centre zeigt in Aachen gefundene keltische Münzen

 

Die Geschichten hinter der Geschichte: Die sind es, die Stadtarchäologe Andreas Schaub und seine Mitstreiter*innen immer wieder faszinieren. Oft genug werden die spannenden Geschichten aus der Vergangenheit Aachens sprichwörtlich ausgegraben. Manchmal kommen sie aber auch auf ganz anderen ungewöhnlichen Wegen ans Tageslicht. So geschehen vor kurzem mit zwei keltischen Goldmünzen, die einst auf Aachener Gebiet von einem Privatmann gefunden worden sind und nun den Weg ins Stadtmuseum Centre Charlemagne gefunden haben.

 

Stadt Aachen ist über einen privaten Nachlass in den Besitz von seltenen keltischen Goldmünzen gekommen. Präsentation im Centre Charlemagne

 

Münzen im Stadtmuseum besichtigen

 

Gemeinsam mit Bürgermeisterin Hilde Scheidt, Stadtbaurätin Frauke Burgdorff, dem Leiter des Centre Charlemagne, Prof. Dr. Frank Pohle, und den RWTH-Professoren Dr. Klaus Reicherter (Lehr- und Forschungsgebiet Neotektonik und Georisiken) und Dr. Klaus Scherberich (Institut für Alte Geschichte) präsentierte Stadtarchäologe Schaub am Freitag (21. Januar) im Rahmen eines Pressetermins die spannenden historischen Funde. Besucherinnen und Besucher des Centre Charlemagne können die Münzen ab sofort im Stadtmuseum bestaunen.

 

„Die keltischen Münzen sind Zeugen eines bislang wenig erforschten Kapitels Aachener Geschichte“, berichtete Andreas Schaub. Sie stammen aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. – etwa aus der Zeit kurz bevor Julius Caesar Gallien eroberte. Doch nicht nur die Geschichte zu den Münzen ist spannend, sondern auch die Geschichte, wie sie in den Besitz der Stadt Aachen und nun ins Museum gelangen konnten. Über einen privaten Nachlass erhielt die Verwaltung nämlich die Chance, die seltenen Funde zu sichern.

 

Stadtbaurätin Frauke Burgdorff sagte: „Aachen schaut auf eine lange Siedlungsgeschichte zurück, die weit in die Römerzeit und darüber hinaus reicht. Nun hat unser Team der Stadtarchäologie wieder ein neues Teil in unser großes Stadtgeschichte-Puzzle eingefügt, das uns die Stadt noch besser verstehen lässt. Schade, dass wir nicht heute schon sehen können, welche Spuren von uns dereinst gefunden werden!“

 

Stadt Aachen ist über einen privaten Nachlass in den Besitz von seltenen keltischen Goldmünzen gekommen. Präsentation im Centre Charlemagne
v.l.: Andreas Schaub, Prof. Dr. Frank Pohle,Prof. Dr. Klaus Reicherter–RWTH, Frauke Burgdorff–Stadtbaurätin,Prof. Dr. Klaus Scherberich–RWTH, Hilde Scheidt

 

Auch Bürgermeisterin Hilde Scheidt zeigte sich erfreut: „Es handelt sich um eine wahrhaft spannende Geschichte, wie die Münzen in unseren Besitz gekommen sind.  Es ist ein gutes Beispiel dafür, dass Bürger*innen die Stadtgeschichte reicher machen können.“

 

Es handelt sich um zwei jeweils rund sechs Gramm schwere Goldmünzen, deren Prägung sie als so genannte „Ambianerstatere“ ausweisen. Die Ambiani waren ein keltischer Volksstamm in der Gegend des heutigen Amiens (Frankreich). Münzen dieses Typs wurden in verschiedenen Varianten ausgeprägt und sind in unseren Breiten äußerst selten. Vor allem eine Variante wurde in der münzkundlichen Forschung bisher mit dem Stamm der Eburonen in Verbindung gebracht, die in unserer Region verortet werden. Für eine genaue Zuweisung sind exakte Angaben zu Größe, Gewicht, Legierung und Details der Prägung ausschlaggebend.

 

Doch wie finden Fachleute eigentlich heraus, wie alt so eine Münze tatsächlich ist? Bei dieser Frage kamen die beiden Experten und RWTH-Professoren Dr. Klaus Reicherter und Dr. Klaus Scherberich ins Spiel. Scherberich lehrt und forscht am RWTH-Institut für Alte Geschichte. Er hat, nach ersten Hinweisen des hinzugezogenen LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland, die weitere numismatische Bestimmung durchgeführt. Die Numismatik, auch Münzkunde genannt, ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit Geld und seiner Geschichte. Da der vorherige Besitzer kein Sammler und auch kein Geschichtsliebhaber war, war die Herkunft zum Beispiel aus einer Auktion eigentlich auszuschließen. Außerdem haftete den Münzen noch Sediment-Stücke – also kleine Erdreste – an. Auch das sprach dagegen, dass die Münzen bereits über den kommerziellen Kunsthandel unterwegs waren.

 

Der „Öcher Dreck“ schafft Klarheit

 

Nach dieser ersten Analyse überlegte Stadtarchäologe Schaub gemeinsam mit  Geologie-Professor Klaus Reicherter, welche Möglichkeiten es gebe, die winzigen Sedimentreste auf den Münzen zu analysieren. „So wollten wir herauszufinden, ob es sich dabei tatsächlich um ‚Öcher Dreck‘ handeln kann“, so Schaub. Diese Untersuchungen – es wurde dafür eigens eine Studienarbeit erstellt – waren so erfolgreich, dass die Herkunft aus Aachens Erde mit großer Wahrscheinlichkeit bestimmt werden konnte. Schaub. „Daraus war dann zu schließen, dass der verstorbene Besitzer die Münzen möglicherweise beim Spazierengehen irgendwo gefunden haben könnte. Seine Nachkommen haben für mich in eine Karte eingetragen, wo er sich vorzugsweise zu Fuß bewegt hat.“ Es handelte sich um das Gebiet zwischen Haaren und Verlautenheide. Genau dort befindet sich die einzige Region auf Aachener Stadtgebiet – von ein paar kleinen Scherben in der Innenstadt abgesehen – von der keltische Siedlungsreste sowie eine weitere Goldmünze bekannt sind.

 

Daraufhin wurde Schaub gemeinsam mit Centre-Charlemagne-Leiter Prof. Dr. Frank Pohle aktiv, um die Stücke für Aachen sichern. „Die Besitzer waren dankenswerter Weise bereit, uns die beiden Münzen für einen sehr fairen Preis zu überlassen“, freuen sich die beiden städtischen Geschichtsexperten. Für Pohle ist es schön zu sehen, wie die Sammlung des Stadtmuseums durch solche Stücke immer wieder bereichert wird: „Geschichte stellt keine Erkenntnis für die Ewigkeit bereit. Immer wieder bringen neue Sichtweisen auch neue Wertungen der Vergangenheit hervor, immer wieder sind wir gezwungen, Geschichte neu zu schreiben – hier einmal mehr durch den Beitrag der Archäologie und ihre Funde. Über die Geschichte Aachens vor der Römerzeit wissen wir nicht viel – nun aber durch das Zeugnis dieser beiden Münzen wieder ein bisschen mehr.“

 

Weitere Infos über Stadtarchäologie Aachen: www.zeitreise.ac

 

Das Stadtmuseum im Internet: www.centre-charlemagne.eu.

Unterirdische Schatzsuche: Denkmalpflege und Feuerwehr erforschen gemeinsam einen alten, 42 Meter tiefen Brunnen

 

 

„Glück auf!“, rufen die Kolleginnen und Kollegen in ihren roten Einsatzanzügen Markus Hirtz zu. Dieser blickt ein letztes Mal auf, reckt den Daumen hoch, bevor er gut gesichert mit Helm, Gurten, Karabinern und Seilen sowie ausgestattet mit einem Sauerstoffgerät im tiefen dunklen Loch verschwindet. Hirtz ist an diesem regnerisch-windigen Morgen der Mann, auf den alle Blicke gerichtet sind. Denn das speziell ausgebildete Mitglied der Spezialrettungsgruppe (SRG) der Feuerwehr Aachen tritt um Punkt 11.15 Uhr eine ungewöhnliche Mission an. Eine Mission, die ihn 42 Meter tief in die Erde führt. Eine Mission, die nicht nur eine besondere Übung für ihn und sein Team darstellt, sondern die auch im Dienst der Wissenschaft steht.

 

Gutshof im Aachener Westen

 

Denn gleich neben der 15-köpfigen SRG-Truppe, die auch als Höhenretter der Feuerwehr bekannt sind, stehen am Mittwoch (1. Dezember) Stadtarchäologe Andreas Schaub und Andreas Priesters von der städtischen Denkmalpflege. Sie waren – gemeinsam mit den Eigentümern Marc und Philipp Eller – Auslöser für die ungewöhnliche Schatzsuche in der denkmalgeschützten Hofanlage „Gut Muffet“ im Aachener Westen. Vor einem guten Jahr ist im Rahmen von Sanierungsarbeiten auf dem Grundstück nahe des Westfriedhofs ein historischer Brunnenschacht entdeckt worden. „Er weist mit 42 Metern eine für unsere Region außergewöhnliche Tiefe auf“, sagt Andreas Priesters und berichtet weiter: „Das Gut Muffet ist ein erstmalig im 16. Jahrhundert erwähnter ehemaliger landwirtschaftlicher Hof und Sommersitz vor den Toren Aachens. Der Name ‚Muffet‘ rührt übrigens in der Aachener Mundart vermutlich von der Lage des Hofes nahe der ehemaligen Richtstätte der Stadt mit Galgen und dem wohl wahrnehmbaren Verwesungsgeruch.” Noch Mitte des 20. Jahrhunderts gab es in der Aachener Mundart daher den mahnenden Hinweis mit erhobenem Zeigefinger “Deä jehüet op Muffet” (Der gehört nach Muffet).

 

Der Sauerstoffgehalt in der Luft sinkt

 

Als die Höhenretter – die selbstverständlich auch Menschen aus tiefgelegenen Notlagen befreien können – von dem außergewöhnlichen Übungsterrain erfuhren, waren sie direkt Feuer und Flamme. So beobachtet SRG-Leiter André Duisberg an diesem Tag persönlich den Einsatzablauf im Dauerregen. Über Funk ist er stets mit dem Kollegen in der Tiefe in Kontakt. „Sieht die Wand tragfähig aus?“, fragt er durchs Mikro. Sicherheit geht bei der Übung selbstverständlich vor. Die Signale von Markus Hirtz sind positiv. Also lassen die absichernden Kameradinnen und Kameraden weiter Seil ab. Noch 20, dann nur noch zehn Meter. Der bisherige Sauerstoffverbrauch, um auch wieder ungefährdet hochkommen zu können, stimmt, heißt es aus dem Hintergrund. Der Sauerstoffgehalt im tiefen Brunnenschacht allerdings nicht mehr. Er liegt laut Messgeräten bei nur noch 16 statt der an der Oberfläche üblichen 21 Prozent. Ohne entsprechendes Schutzgerät wäre es also für Menschen auf Dauer gefährlich geworden. Ein Punkt, der die spannende Frage aufwirft, unter welch widrigen Umständen der Brunnenbau vor Jahrhunderten stattgefunden haben muss.

 

 

Nach 15 Minuten hat der Feuerwehrmann den Brunnenboden erreicht. Es sei schlammig, berichtet er, aber es stehe aktuell kein Wasser am Grund. Dafür entdeckt er einige alte Hölzer, dazu Kettenglieder. Auch nicht allzu alte Ziegelstücke und eine Glasflasche – vermutlich aus dem 20. Jahrhundert – sammelt Hirtz auf. Ebenso entnimmt er eine Bodenprobe, die Stadtarchäologe Schaub später weitere Details über Alter und Geschichte der Anlage verraten kann. Die Schatzsuche im viele hundert Jahre alten Brunnen endet letztlich ohne die Entdeckung spektakulärer Reichtümer – aber dennoch mit vielen hilfreichen Erkenntnissen.

 

Weitere Untersuchungen sollen folgen

 

„Offenbar kein Goldbarren in Sicht“, sagen oben Archäologe Schaub und Denkmalpfleger Priesters denn auch mit einem Schmunzeln. Das mindert die Neugier der Geschichtsexperten kein bisschen. Es dauert weitere 30 Minuten, bis Höhenretter Hirtz samt dem Sack voller Fundstücke wieder das gar nicht so helle Tageslicht an diesem schmuddeligen Dezembervormittag erblickt.

 

 

Stadtarchäologe Schaub erklärt: „Die Hölzer, die hochgeholt werden konnten, sehen alt aus. Mit naturwissenschaftlichen Messverfahren wollen wir in einem nächsten Schritt eine Zeiterfassung vornehmen, um das Alter der Hölzer – und somit die Entstehungszeit des Brunnens – möglichst genau datieren zu können.“ So könne man womöglich weitere Informationen über die Geschichte des Gut Muffets und über die Konstruktion des Brunnens erfahren. Auch ohne großen Goldfund am Brunnenboden, betonen die beiden Experten, habe sich die ungewöhnliche gemeinsame Schatzsuche mit der Feuerwehr in jedem Fall gelohnt.

 

Ein ebenso positives Fazit zieht SRG-Leiter Duisberg: „Solche authentischen Übungsszenarien sind für uns immens wichtig, um für den Notfall bestens gewappnet zu sein“, sagt er. Wenn zugleich auch noch unkompliziert Amtshilfe wie nun für Denkmalpflege und Stadtarchäologie geleistet werden kann, freut das die Feuerwehreinheit umso mehr.

 

Weitere Informationen zum Gut Muffet:

 

Die heute noch erhaltenen Gebäudeteile des Gutshofes entstammen aus der Zeit zwischen 1700 und 1800 und wurden ab 1966 durch den Architekten Prof. Fritz Eller (1927-2018) zu einem bemerkenswerten Ensemble umgestaltet und ergänzt. Eller und sein Büro EMW Eller-Moser-Walter schufen unter anderem bekannte Bauten wie den NRW-Landtag am Rheinufer in Düsseldorf, die Ruhruniversität Bochum oder das Dreischeibenhaus Düsseldorf.

 

Ein Film über die Gutsanlage ist im Rahmen des Denkmaltages 2020 entstanden: https://bit.ly/3G3Os7d.

 

Einen Film über eine weitere Übung der Spezialrettungsgruppe im Aachener Wald finden Sie hier: https://bit.ly/3rnUX0K.

Skelettfund an der Jakobskirche: Stadtarchäologe Andreas Schaub vermutet Gräberfund

Am vergangenen Donnerstag, 22. September, entdeckten Regionetz-Mitarbeitende bei Bodenarbeiten vor dem Kreuzigungsdenkmal zwischen Jakobsstraße und Vaalser Straße Skelettreste. Die hinzugezogene Kriminalpolizei schloss aufgrund der offensichtlich jahrhundertealten Knochen ein Gewaltverbrechen aus und informierte den Stadtarchäologen Andreas Schaub.

 

Nach einer ersten archäologischen Begutachtung kommt Andreas Schaub zu dem Schluss, dass es sich um ein Individuum in ordentlicher Bestattungslage, Teile von insgesamt drei nebeneinanderliegenden Gräbern und einen eisernen Nagel eines nicht mehr erhaltenen hölzernen Sargs handelt. Nach Abgleich des Fundortes mit dem Lageplan der alten St. Jakobskirche, steht jetzt fest, dass die Bestattungen innerhalb der mittelalterlichen Kirche stattgefunden haben müssen, unmittelbar vor dem Chor, am Übergang vom südlichen Seitenschiff zum Mittelschiff.
Historiker Frank Pohle, Leiter der Route Charlemagne, kommt zum gleichen Schluss. Er beruft sich auf den früheren Aachener Bau- und Geschichtsforscher Carl Rhoen, der im 19. Jahrhundert über Bestattungen in St. Jakob, sowohl im Inneren der Kirche als auch im umgebenden Kirchhof berichtete.

 

 

Stadtarchäologe Andreas Schaub freut sich über den Fund: „Dem umsichtigen Vorgehen der vor Ort tätigen Baufirma, der Regionetz sowie der Kriminalpolizei ist es zu verdanken, dass diese historisch bedeutenden Spuren für die Nachwelt gesichert werden konnten.“

 

Naturwissenschaftliche Datierungsmethoden sollen nun Auskunft darüber geben, aus welcher Zeit die entdeckten Bestattungen stammen.

Archäologie am Büchel: Experten lernen mit jedem Blick ins Erdreich dazu

Während in vielen Büros derzeit die Köpfe qualmen, um Büchel-Planungswerkstatt, Abrissvorbereitungen für das Parkhaus und vieles mehr voranzutreiben, nehmen Archäologie-Experten vor Ort erneut die Schaufel in die Hand. Der Blick richtet sich seit Mitte Dezember auch wieder in Richtung Erdreich: Was schlummert in der Tiefe?

 

 

Nach den ersten archäologischen Sondierungen am Büchel vor einem guten Jahr laufen aktuell zwei weitere Grabungen, die von der Firma Archaeonet im Auftrag der SEGA und unter Aufsicht des Aachener Stadtarchäologen Andreas Schaub ausgeführt werden. Diese beiden aktuellen Sondagen, die im Bereich hinter dem Parkhaus stattfinden, sind Teil einer größeren Vorerkundung des gesamten Büchelareals. Mindestens zwei weitere Sondagen sind mittelfristig noch geplant, so dass insgesamt fünf solcher Suchschnitte zur Beurteilung angelegt werden. Den aktuellen Stand stellten am Freitag (15. Januar) Grabungsleiter Felix Kunze und SEGA-Geschäftsführer Christoph Vogt als Auftraggeber der archäologischen Sondierungen vor.

 

 

Bei den bisherigen Arbeiten sowohl Ende 2019 als auch in diesen Tagen sind zwar keine erhaltenen römischen Siedlungsreste gefunden worden, doch einige kleine römerzeitliche Einzelfunde wie Keramikscherben konnten die Experten in jüngeren Schichten machen. Daneben haben Kunze und sein Team ganz aktuell unter anderem mittelalterliche Gruben und auch Mauerreste im Erdreich entdeckt, die auf die damalige Nutzung des Gebietes rund um den Büchel für handwerkliche Arbeiten schließen lassen. Der Hingucker der aktuellen Grabung ist ein rund 30 Zentimeter großer, sehr gut erhaltener Krug. Den mittelalterlichen Fund datiert Grabungsleiter Kunze auf das 13. Jahrhundert. „Vielleicht ist das ein Hinweis darauf, dass es hier in der Gegend auch einmal eine mittelalterliche Schankwirtschaft gegeben hat. Für fundierte Aussagen müssen nun aber zunächst weitere Untersuchungen vorgenommen werden“, erläuterte Kunze.

 

Auch gut erhaltene Reste eines frühneuzeitlich-neuzeitlichen Kellergewölbes sind bei den Grabungen zutage getreten.

 

Alle Erkenntnisse fließen in die Gesamtbetrachtung mit ein, wenn es um die Frage geht, in welchen Tiefenlagen mit historischen Funden gerechnet werden kann. Dies ist – vor allem mit Blick auf die künftige Entwicklung und potenzielle Bauvorhaben am Büchel – ein entscheidender Faktor, weiß SEGA-Geschäftsführer Vogt. „Der Blick, den wir heute in die Erde und somit in die Vergangenheit des Büchels und die lange Geschichte der Stadt Aachen werfen, erinnert uns an unsere Verantwortung bei der Gestaltung des neuen Stadtquartiers am Büchel“, so Vogt.

 

Das gesamte Sondierungsvorhaben ist über die Aachener Stadtarchäologie eng mit dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland abgestimmt.

 

Weitere Infos zu den Entwicklungen am Büchel: www.buechel-aachen.de.

Archäologische Funde an der Hartmannstraße

Der Stadtarchäologe Andreas Schaub hat mit seinem ehrenamtlichen Team an der Hartmannstraße mehrere Fundstücke bergen können, die die Geschichte Aachens vom 4. Jahrhundert bis in das 16. Jahrhundert verdichten.

 

Als Ende September 2020 Bauarbeiten an der Hartmannstraße begannen, die Polleranlage erhält eine Entwässerungsanlange, ahnte Stadtarchäologe Andreas Schaub noch nicht, dass er nur wenige Tage später genau dort Alltagsgegenstände und Baumaterialien aus mehreren Jahrhunderten Stadtgeschichte finden würde:  „Wir haben unglaublich wichtige Informationen über die Römerzeit bis in die frühe Neuzeit erfahren. Unsere Funde sind kein kleines Mosaiksteinchen, sondern ein großer Stein“, steht für den Stadtarchäologen fest.

 

Schriftliche Quelle deckt archäologische Funde

 

Schaub, der die Baumaßnahmen von Anfang an begleitete, konnte anhand verschiedener Erdschichten Funde aus der Antike und dem Mittelalter sichern und erste historische Schlüsse ziehen: „Spannend ist, dass jetzt wissen, dass erst im 12. Jahrhundert der Abbruch römischer Bausubstanz beginnt. Kaiser Karl herrschte in einer römischen Stadt.“

 

Dass entlang der Hartmannstraße im hohen Mittelalter gleich mehrere Häuser gestanden haben müssen, bestätigt eine schriftliche Quelle aus den Jahren 1136/1137: „Lothar III. hat damals dem Kloster Stablo-Malmedy den Besitz mehrerer Gebäude am heutigen Elisengarten bestätigt. Die Harduinstraße, die in der Quelle genannt wird, ist heute die Hartmannstraße. Schrift und Fund decken sich“, erklärt Schaub.

 

Stadtarchäologe Andreas Schaub freut sich, weiße Flecken in der Stadthistorie schließen zu können. Foto: Stadt Aachen / Alicia Stollberg

Neben der Erkenntnis, dass mittelalterliches Leben in römischen Bauten länger als bisher gedacht bestand, wurden auch Abfälle aus der Eisenproduktion, Tierknochen, Alltagsgegenstände wie ein Stück eines Kamms, Scherben von Töpfen, Tellern und Schüsseln sowie Münzen gefunden: „Unsere Funde passen zu Grabungen, die wir bereits in anderen Gebieten der Stadt durchgeführt haben. Hier an der Hartmannstraße können wir ganz klar und deutlich sehen, wie lange die Stadt römisch geprägt war“, fügt er an.

 

Dass Archäologie nicht nur Hinweise über antikes und mittelalterliches Leben geben kann, beweist eine schmale Mauer, die Schaub ebenfalls bergen konnte. Das Präsidialgebäude, das bis zum Anfang der 1950er Jahre nahe des Doms angesiedelt war, wurde damals nicht vollends neugebaut, sondern nachweislich auf Mauern des 16. Jahrhunderts errichtet.

 

Besonderer Münzfund

 

„Passend zur Ausstellung im Centre Charlemagne“ empfindet der Stadtarchäologe den Fund einer Kupfermünze, die vermutlich Karl V. zugeordnet werden kann: „Wenn man genau hinsieht, ist ‚Carol‘ lesbar und ein Mann mit Bart und Krone schaut den Betrachterinnen und Betrachter direkt in die Augen. Eine historische Bestimmung wird uns weitere Informationen bringen“.

Jakobstraße: Stadtarchäologie entdeckt alte Römerstraße

Jakobstraße: Stadtarchäologie entdeckt alte Römerstraße

  • Im Rahmen der Arbeiten zur Installation der automatisch versenkbaren Poller in der Jakobstraße machen Experten aufsehenerregenden Fund.
  • Aufwendig angelegte Straße stammt nach ersten Erkenntnissen aus dem 2. Jahrhundert und hat vermutlich die römischen Siedlungen in Aachen und Maastricht miteinander verbunden.
  • Stadtarchäologe Andreas Schaub: „Es handelt sich um eine für damalige Maßstäbe wirklich große Straße. Wir gehen derzeit von einer Breite von rund 6 Metern aus.“

 

Bei den Bauarbeiten in der Jakobstraße, wo noch bis zum Beginn des Weihnachtsmarktes Ende November automatisch versenkbare Poller, sogenannte Pilomaten, eingesetzt werden sollen, hat die Stadtarchäologie in der Grube nun Teile einer gut erhaltenen Römerstraße entdeckt. In gut einem Meter Tiefe liegt die Kunststraße, die auf einem Unterbau aus Sand und Feuersteinkies fußt. Darüber haben die Römer aus Kalk- und weiteren Steinarten eine Rollschicht angelegt, die als Straßenoberfläche diente. Stadtarchäologe Andreas Schaub: „Diese Römerstraße ist nach unseren ersten Erkenntnissen frühestens im 2. Jahrhundert entstanden. Eine genaue Auswertung der Befunde steht allerdings noch aus, denn die Entdeckung ist taufrisch.“

 

Erster sichtbarer Beweis

Fachleute sind seit langem davon ausgegangen, dass im Bereich der heutigen Jakobsstraße vor knapp 2000 Jahren bereits Römer auf befestigten Wegen unterwegs waren. Allein: Einen Beweis dafür in Form eines ausgegrabenen Teilstücks einer Straße gab es bisher nicht.

 

Die Experten können nun den altertümlichen Straßenkörper über die gesamten 9 Meter Länge der Baugrube in der Jakobstraße verfolgen und dadurch auch Rückschlüsse auf den Verlauf der Römerstraße ziehen. „Diese Straße verlief nicht exakt nach der Ausrichtung der heutigen Jakobstraße, sondern leicht verschwenkt. Das passt dann auch besser zu den römischen Gebäudeausrichtungen, die wir im Innenstadtbereich haben“, erklärt Schaub. „Es ist toll, dass wir das nun endlich einmal sehen können.“

 

Aachens Stadtarchäologe geht davon aus, dass es sich bei dem nun entdeckten Teil sogar um eine Überlandstraße der Römer gehandelt haben muss, die die Siedlungen in Aachen und Maastricht miteinander verbunden hat. „Es handelt sich um eine für damalige Maßstäbe wirklich große Straße. Wir gehen derzeit von rund 6 Metern Breite aus“, so Schaub.

 

Bauarbeiten sollen sich durch Funde nicht verzögern

Die Stadtarchäologie dokumentiert derzeit die Funde baubegleitend zu den weiteren Arbeiten, die in Vorbereitung der Installation der Pilomaten laufen. Zu einer Verzögerung der gesamten Baumaßnahme soll es aufgrund der archäologischen Funde nicht kommen. So werden Fundstücke aus den einzelnen Schichten nun zur weiteren Analyse entnommen, Zeichnungen angefertigt und Fotografien der Ausgrabung angefertigt. Anschließend werden die Funde in der Grube wieder verfüllt. Für die Stadtarchäologie endet damit die Arbeit jedoch nicht. „Interessant für uns ist es noch herauszufinden, wie lange die Straße benutzt worden ist“, sagt Schaub. Darüber, so hoffen die Experten, kann eine noch ausstehende Analyse von Proben der Erdschichten direkt über der Römerstraße Auskünfte geben. So sind zum Beispiel bei archäologischen Arbeiten am Katschhof auf einer Römerstraße Scherben aus dem 14. Jahrhundert gefunden worden. „Diese Straße ist also weit mehr als 1000 Jahre benutzt worden“, erklärt Schaub. Wie lange Menschen auch auf der „römischen Überlandstraße Aachen-Maastricht“ schon unterwegs waren, wird die Zukunft noch zeigen müssen.  

 

Hinweis:

Bei Bauarbeiten in der Jakobsstraße hat Stadtarchäologe Andreas Schaub ein Teil einer alten Römerstraße entdeckt, die vermutlich aus dem 2. Jahrhundert n.Chr. stammt und die römischen Siedlungen in Aachen und Maastricht miteinander verbunden hat. Foto: Stadt Aachen / Stefan Herrmann

Aachen: 10 Jahre neue Stadtarchäologie

Aachen: 10 Jahre neue Stadtarchäologie

Vor zehn Jahren wurde die Stadtarchäologie Aachen neu eingerichtet. Eine öffentliche Tagung zieht Bilanz.

 

In den letzten zehn Jahren sorgten archäologische Entdeckungen in Aachen für so manche Überraschung, und einige vertraute Geschichtsbilder erfuhren Ergänzungen oder Korrekturen.

 

So weiß man heute, dass das bereits um Christi Geburt gegründete römische Aachen kein reines „Heilbad für Legionäre“ war, sondern ein urbanes Mittelzentrum mit städtischer Infrastruktur. Erstmals gelang der Beweis, dass die Römer den Markthügel mit einer rund fünf Meter breiten und mit Türmen bewehrten Mauer umfriedeten. 

 

Spektakulär waren auch die Grabungenim Weltkulturerbe Aachener Dom zwischen 2007 und 2011.
Unter anderem konnte dabei die Datierung der Bauzeit auf die Jahre zwischen 793 und 803 präzisiert werden.

 

Und die „gläsernen“ Grabungen im Elisengarten zeigten nicht nur mehr als 5000 Jahre Aachener Siedlungsgeschichte, sondern prägten auch das Verständnis der Bürgerschaft für die Frühgeschichte Aachens nachhaltig.

 

Neue Stadtarchäologie Aachen:
Die öffentliche Tagung am 12. und 13. Mai 2017 im Centre Charlemagne lässt Entdeckungen der letzten zehn Jahr Revue passieren und vertieft sie.

Den Flyer zur Vernastaltung finden Sie hier.

Skelett-Funde im Hof

Skelett-Funde im Hof

Skelette sind im Hof gefunden worden, die zu mindestens drei – vermutlich erwachsenen – Menschen gehören und offenbar in karolingischer Zeit in Aachen gelebt haben. / 05.12.2014

 

Ein bisschen kriminologisches Gespür gehört wohl auch dazu, wenn man als Archäologe die jüngsten Entdeckungen in der Baumaßnahme im Hof einordnen muss: Skelette sind dort in dieser Woche gefunden worden, die zu mindestens drei – vermutlich erwachsenen – Menschen gehören und offenbar in karolingischer Zeit in Aachen gelebt haben. Ob männlich oder weiblich, ist noch unbekannt. Ebenso, ob sie aus Aachen kommen oder eingewandert sind. Stadtarchäologe Dr. Markus Pavlovic und Maya Stremke, Grabungsleiterin der Fa. Goldschmidt Archäologie und Denkmalpflege, können erst nach einer Strontiumisotopenanalyse feststellen, ob der Ur-Öcher möglicherweise einen Migrationshintergrund hatte. Relativ sicher sind sich die Archäologen jetzt schon, dass sie im 9. Jahrhundert gelebt haben, weil in der Schicht zwar einige römische, aber auch eine karolingische Scherbe gefunden wurde. „Der jüngste Fund bestimmt die Datierung der Schicht“, erläutert Pavlovic.

 

Bestimmung der Todesursache
Auch bei der Bestimmung der Todesursache bleibt es spannend: Einer der drei Leichname wurde offenbar bestattet. „Man hat extra ein Stück von einer Mauer, die römischen Ursprungs ist, abgetragen. Diese Mühe hätte man sich sonst nicht gemacht“, so Pavlovic. Dieses Skelett liegt aber nicht, wie in der christlichen Tradition üblich, mit dem Kopf im Westen mit Blick nach Osten, sondern etwas versetzt: Die Blickrichtung geht gegen Nordost. „Es war eine intentionale Bestattung, aber an einem ungewöhnlichen Ort“, so Pavlovic. Die beiden anderen Skelette wurden nach jetzigen Erkenntnissen offenbar nicht begraben, sondern könnten möglicherweise einem Überfall oder Unglück zum Opfer gefallen sein.

 

„Wir werden noch gut ein Jahr hier bauen“
Der Anlass der archäologischen Untersuchung ist eine Baumaßnahme der STAWAG, die derzeit die über 110 Jahre alten Versorgungskanäle am Hof in einem unterirdischen, bergmännischen Stollenbau-Verfahren erneuert. Die Bauarbeiten finden in einem Bereich statt, in dem mit rund sieben Metern die höchste Mächtigkeit an aufgeschüttetem Boden und somit eine Vielfalt von archäologischen Schichten vorhanden ist. „Wir arbeiten in einer Tiefe von etwa 3,40 bis 5 Metern“, erläutert Wolfgang Raabe, Leiter Netzplanung und Bauleitung der STAWAG. Durch das besondere bergmännische Verfahren werden die Beeinträchtigungen für Anwohner, Geschäftsleute und Gastronomen niedrig gehalten. „Die archäologische Begleituntersuchung gibt uns wertvolle Einblicke in unsere Geschichte“, so Raabe weiter. Die Kanäle sind aus dem Jahr 1895 und müssen dringend erneuert werden. „Im historischen Zentrum Aachens sind diese Einrichtungen häufig über 100 Jahre alt, der Erneuerungsbedarf ist also entsprechend hoch“, so Raabe. Dort sei aber auch die Wahrscheinlichkeit archäologischer Funde besonders hoch. Da die Innenstadt als Bodendenkmal eingetragen ist, müssen solche Maßnahmen grundsätzlich durch die Archäologie begleitet werden – und dauern häufig auch länger als vergleichbare Maßnahmen außerhalb der Innenstadt. „Wir werden noch gut ein Jahr hier bauen“, meint Raabe.

Der Anlass der archäologischen Untersuchung ist eine Baumaßnahme der STAWAG, die derzeit die über 110 Jahre alten Versorgungskanäle am Hof in einem unterirdischen, bergmännischen Stollenbau-Verfahren erneuert
Auch bei der Bestimmung der Todesursache bleibt es spannend: Einer der drei Leichname wurde offenbar bestattet
Am Büchel stand ein repräsentatives römisches Gebäude

Am Büchel stand ein repräsentatives römisches Gebäude

Archäologische Ausgrabungen fördern kostbaren Marmor-Boden zutage / 05.06.2012
 

Ein Fußboden aus Marmor, wahrscheinlich aus Italien importiert, das war auch im Aachen des 4. oder 5. Jahrhunderts ein Zeichen für besonderen Wohlstand und Reichtum. Reste eines Gebäudes aus dieser Zeit haben die Mitarbeiter von SK Archeo Consult, die die Baustelle am Büchel archäologisch begleiten, am Dienstag entdeckt. „Das ist eine große Besonderheit“, meint Stadtarchäologe Andreas Schaub, denn die Bauwerke dieser spätrömischen Epoche seien normalerweise eher aus dem Baumaterial und den Resten anderer Häuser entstanden. „Hier handelt es sich aber um einen Neubau“, so Schaub. Mit kostbarem Marmor aus Italien, Griechenland oder Belgien – woher genau, wird ein Geologe noch untersuchen. Schaub vermutet ein öffentliches, repräsentatives Gebäude, das zwischen Bahkauv und Körbergasse einmal gestanden hat. „Es war keine Badeanlage, denn das Gebäude stand deutlich höher als die Thermalquellen.“ Es liegt außerhalb der römischen Wehranlage, die aus einem Graben rund um den Markt angelegt und im 5. Jahrhundert zugeschüttet worden ist. „Das Gebäude ist abgebrannt“, so Schaub. Ob durch eine umgestürzte Öllampe, eine größere Brandkatastrophe oder durch Angriff von Feinden – das muss noch offen bleiben. Nach jetzigen Erkenntnissen besteht es aus drei oder vier Räumen, die insgesamt wohl eine Fläche von mindestens 10 mal 10 Meter umfasst haben.

 

Bereits in den sechziger Jahren wurden bei einer Grabung in unmittelbarer Nähe Marmorreste entdeckt, freilich ohne sie genau einordnen zu können. „Der jetzige Fund zeigt, dass Aachen sich in spätrömischer Zeit nicht reduziert, sondern vermutlich ausgedehnt hat“, so Schaub.

 

Vor einigen Wochen waren an der Krämerstraße Reste einer massiven, 4,63 Meter breiten römischen Steinmauer entdeckt worden, die wahrscheinlich zu einer Wehranlage gehört. Am Katschhof wurde zuvor ein dazu gehörender Spitzgraben gefunden, der etwa sechs Meter breit und zwei Meter tief gewesen ist und im Verlauf der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts verfüllt worden ist. Schaub vermutet, dass sich in römischer Zeit am Markt ein „burgus“ befunden hatte, der „ein militärisches Kontingent unbekannter Größe“ beherbergte und möglicherweise auch mit Türmen ausgestattet war. Die Karolinger haben offenbar im Bereich des heutigen Rathauses einen römischen Vorläuferbau vorgefunden und darauf die Königshalle Karls des Großen errichtet. „Aachen war am Ende der römischen Zeit noch von erheblicher Bedeutung“, konstatiert Monika Krücken, Leiterin der Abteilung Denkmalpflege und Archäologie der Stadt Aachen.

 

Bei den jüngsten Bauarbeiten am Markt haben die Archäologen zudem die Erkenntnis gewonnen, dass die heutige Jakobstraße nicht auf einer Wegeverbindung aus römischer Zeit verläuft. Der sogenannte Decumanus wird hingegen eher ein Stück in Richtung Rathaus vermutet.

 

Wann Aachen genau von den Römern bewohnt wurde, kann Andreas Schaub inzwischen auch recht zuverlässig bestimmen: Mindestens auf das Jahr 15 vor Christi datiert er den Zeitpunkt einer ersten Besiedlung – durch den Fund der Scherbe eines Aco-Bechers, der aus dieser Zeit stammt. „Aachen ist damit vielleicht älter als Köln“, meint Schaub.

 

„Die Archäologie ist zunächst ein Nebenprodukt der Bautätigkeit, aber zugleich eine große Chance, den historischen Wurzeln Aachens auf die Spur zu kommen. Das Bewusstsein dafür ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen“, erklärte Oberbürgermeister Marcel Philipp kürzlich auf einer Pressekonferenz. Auslöser seien die zum Teil über hundertjährigen Kanäle im Kernbereich der Innenstadt, die durch die STAWAG nach und nach saniert werden. Baumaßnahmen in der Innenstadt müssen grundsätzlich durch archäologische Untersuchungen begleitet werden – eine gesetzliche Vorschrift.