Centre Charlemagne: Schüler rekonstruieren Inschrift aus der Römerzeit

Über einen Meter breit und fast 50 Zentimeter hoch muss er gewesen sein: Eine Schüler*innengruppe vom Heilig-Geist-Gymnasium Würselen aus der Archäologie- und der 3D-Druck-AG hat sich mit ihrem Lehrer Olaf Grodde an eine Rekonstruktion eines Inschriftensteins aus der Römerzeit gemacht. Drei Schüler übergaben nun das fertige Stück leihweise dem Centre Charlemagne. Das Stadtmuseum stellt die Replik der seltenen Inschrift aus der Römerzeit als Exponat im Rahmen der kommenden Ausstellung „Wer schreibt, der bleibt – Als die Römer uns die Schrift brachten“ vom 25. Mai bis 1. September 2024 aus.

 

 

 

 

Ein besonderes Zeitzeugnis

„Normalerweise sind alte Inschriften spröde und in Teile zersprungen. Deshalb ist es für uns besonders wertvoll, dass wir diese hier im Rahmen der Bildungspartnerschaft, die die Stadtarchäologie mit der Schule pflegt, in Originalgröße herstellen lassen konnten“, freut sich Dr. Frank Pohle, Leiter des Centre Charlemagne, über das Exponat für die kommende Wechselausstellung.

Das Original wurde zu Zeiten Kaiser Trajans (98-117 n. Chr.), unter dessen Herrschaft das Römische Reich seine größte Ausdehnung erreichte, in Aachen aufgestellt. Dort stand geschrieben, dass der Herrscher auf seine eigenen Kosten hier etwas bauen ließ. „Das ist nicht irgendeine Inschrift für Aachen. Dass Trajan hier selbst als Bauherr genannt wird, zeigt deutlich: Aachen stand schon vor Karl dem Großen in kaiserlicher Gunst. Das ist sehr selten“, weiß Stadtarchäologe Andreas Schaub. Die Inschrift entstand wahrscheinlich in der frühen Herrschaftszeit des Kaisers, als er noch als Statthalter Niedergermaniens im heutigen Köln weilte. Das lässt der Beiname Germanicus, der auf der Inschrift zu lesen ist, vermuten. Dieser Titel war einer der ersten des römischen Kaisers. Spätere Beinamen Trajans, die er während seiner Herrscherzeit ansammelte, sind in der Aachener Inschrift nämlich noch nicht aufgeführt.

Durch die Rekonstruktion eines Bruchstücks können sich Besucher*innen des Centres bald ein Bild davon machen, wie das römische Original einmal ausgesehen hat.

 

 

 

Aufwändige Rekonstruktion

Die Rekonstruktion erfolgte in Zeichnungen, Modellen, digital – und schließlich als 3D-Druck. Sie entstand im Rahmen der Teilnahme des Würselener Gymnasiums an dem Schulprogramm „denkmal aktiv“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.
„Die Rekonstruktion des Textes hatten zuvor bereits die Experten übernommen. Ich habe dann eine zweidimensionale Skizze angefertigt. Wir mussten die Rekonstruktion dünner machen, weil der Druck sonst noch mehr Zeit benötigt hätte“, erzählt Johannes aus der Archäologie-AG des Gymnasiums. Wie lange es gedauert hat die Teile herzustellen, berichtet Avaneesh aus der 3D-Druck-AG: „Wir haben immer schon vor dem Unterricht einmal den Drucker laufen lassen, damit wir nach Schulschluss über Nacht das nächste Teil drucken lassen konnten. Bei großen Teilen hat das manchmal bis zu 15 Stunden gedauert.“

Die Zusammenarbeit des Heilig-Geist-Gymnasiums und der Stadtarchäologie Aachen besteht im Rahmen des Programms der Geschäftsstelle „Bildungspartner NRW“ bereits seit 2020.

Katschhof-Grabung: So entwickelte sich Aachen über die Römerstadt hin zur Pfalz und Mittelalterstadt
  • Schon im vergangenen Jahr gab es aufsehenerregende Funde auf dem Katschhof. Nun können Experten ein noch besseres Bild der Stadtgeschichte zeichnen.
  • Während einer zweiten Grabungsphase wurden weitere Gebäudereste aus der Merowinger- und aus der Römerzeit entdeckt.
  • Anhand der neuesten Funde rücken insbesondere die historischen Entwicklungen der Plätze am Katschhof und Markt in den Fokus.

Im Rahmen von archäologischen Untersuchungen auf dem Katschhof sind bereits Ende vergangenen Jahres spannende Funde gemacht und öffentlich präsentiert worden. Nach einer Unterbrechung aufgrund des Weihnachtsmarktes und der Karnevalszeit konnten die Grabungen in den vergangenen Wochen wieder aufgenommen werden. Kurz vor dem Abschluss stellte Stadtarchäologe Andreas Schaub im Rahmen eines Pressetermins am Mittwoch (10. April) weitere interessante Erkenntnisse vor.

 

 

Mauerfundament aus dem 3. Jahrhundert

 

„Für den zweiten Abschnitt der Grabung war die Spannung groß, ob und in welcher Form sich Siedlungsspuren der vorkarolingischen Merowingerzeit nachweisen lassen und wie es sich mit dem Übergang und Anschluss an die römische Epoche genau verhalten würde“, erläuterte Schaub die Erwartungshaltung. Tatsächlich fanden die Geschichtsexperten um Schaub und den ehrenamtlichen Arbeitskreis Archäologie Aachen (AAA) Reste eines vor- oder frühkarolingischen Gebäudes und eine Weg- oder Hofschotterung des 6. Jahrhunderts. Diese stammt also aus der Merowingerzeit. Das Gebäude, dessen Entstehungszeit im 8. Jahrhundert liegen dürfte, war noch exakt nach den römischen Baufluchten ausgerichtet. Auf der Sohle des Eingriffs fand sich schließlich sogar ein römerzeitliches Mauerfundament des 3. Jahrhunderts, welches mindestens bis zum 6. Jahrhundert bestand.

 

„Insgesamt erbrachte die Grabung überraschende Neuerkenntnisse für das frühe Mittelalter. Von besonderer Bedeutung ist vor allem die nun erstmals auf gesicherter archäologischer Grundlage mögliche Rekonstruktion der städtebaulichen Entwicklung von der Römerstadt über die Pfalz bis hin zur mittelalterlichen Stadt mit seinen Platzanlagen am Katschhof und Markt“, zog Andreas Schaub eine positive Bilanz.

 

Im ersten Abschnitt wurden vor allem die mittelalterlichen Platz-Schichten des Katschhofs sowie ein bis dato unbekanntes Gebäude der karolingischen Pfalz untersucht. Prunkstück der ersten Grabungsphase im Herbst 2023 war ein Silberdenar Karls des Großen. Dieser war überhaupt erst die siebte Münze der gesamten Karolingerzeit aus dem Aachener Stadtgebiet.

 

 

Die Grabung auf dem Katschhof hat somit zahlreiche neue Erkenntnisse gebracht, die für die städtebauliche Entwicklung Aachens bedeutsam sind:

 

 

  • Die römische Vermessung und Parzellierung wurde im frühen Mittelalter bis zum Ausbau der Pfalz beibehalten. Mindestens bis zum 6. Jahrhundert wurde die römische Bausubstanz genutzt, danach wurde in alter Ausrichtung neu gebaut. Daraus ergibt sich für die Archäologie die Frage: Ist das der Beginn der Pfalz von Pippin?
  • Im späten 8. oder frühen 9. Jahrhundert wurde im Kerngebiet der Pfalz die Ausrichtung auf Nord-Süd bzw. Ost-West geändert. In der Osthälfte der Kernpfalz entstehen dabei drei reich ausgestattete Großbauten in leichter Abweichung der Bauflucht auf Nordnordost-Südsüdwest.
  • In der Zeit um 1100 wurden diese drei Gebäude ganz oder teilweise niedergelegt und es entsteht erst jetzt der Platz, den wir heute Katschhof nennen.
  • Zur gleichen Zeit wird auch das römische Castrum abgebrochen, welches den Markthügel umschlossen hatte – dort entsteht dann als zweite große Platzfläche der Markt.

Es muss nun in Fachkreisen neu darüber nachgedacht werden, wer für diese massiven städtebaulichen Veränderungen verantwortlich war: Noch der Kaiser, der seine Pfalz neu ordnet, oder sind es bereits erste Hinweise auf eine Übernahme des Pfalzbereichs durch die sich entwickelnde Stadt? So oder so ist klar: Für Archäologen und Geschichtsexperten bleibt Aachen ein spannendes Forschungsfeld.

 

 



Blick in die Zeitkapsel: Die Grabung auf dem Katschhof hat für Stadtarchäologe Andreas Schaub und sein Team viele neue Erkenntnisse gebracht. Fotos: Stefan Herrmann / Stadt Aachen
 



 

Weitere Infos

 

Nachdem ein 120 Jahre alter und kranker Baum gefällt werden musste, da die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet war, rückten 2023 die Archäologen auf dem Katschof – nahe des Durchgangs zur Krämerstraße – an. Mit der zweiten Grabungsphase in diesem Frühjahr enden die archäologischen Untersuchungen auf dem Katschhof, sodass ein neuer Baum an der Stelle gepflanzt werden kann und das grüne Katschhof-Ensemble wieder vervollständigt.

Pontstraße: Archäolog*innen entdecken bei Bauarbeiten Überreste eines spätrömischen Kastells

 

Der Blick in die Baugrube führt direkt ins Römerreich. „Wo hat man schon einmal die Gelegenheit, derart ungefiltert fast 2000 Jahre zurück in die Geschichte unserer Stadt zu blicken?“, sagt Stadtbaurätin Frauke Burgdorff an diesem Dienstag (19. März) in der Pontstraße und schaut auf Überreste eines spätrömischen Kastells, die vor ihr aus der Erde ragen. Neben ihr stehen Dr. Donata Kyritz von sk ArcheaoConsult, Stadtarchäologe Andreas Schaub und Regionetz-Bauleiter Ralf Jansen. „Auf der Schippe liegt die Wahrheit“ ist liebgewonnener Spruch in Archäologen-Kreisen. In Aachen gilt diese Weisheit allemal. Sie ist regelrecht identitätsstiftend für die Stadt. Denn die neueste Entdeckung in der Pontstraße zementiert weiterhin Aachens geschichtsträchtige Bedeutung bis weit in die Römerzeit hinein.

 

Der Blick in die Baugrube führt direkt ins Römerreich: Bei Bauarbeiten in der Pontstraße sind Reste eines spätrömischen Kastells gefunden worden.

Foto: Stadt Aachen / Stefan Herrmann

 

 

 

Sieben Meter langes Mauerstück ausgegraben

Den spannenden Fund hat das Team von sk ArcheoConsult gemacht. Die archäologische Fachfirma begleitet die Baumaßnahme der Regionetz. Die Regionetz erneuert dort die Versorgungsleitungen für Wasser, Gas und Strom sowie deren Hausanschlüsse und baut das umweltfreundliche Fernwärmenetz aus. Nach wenigen Tagen stieß man auf die ersten Funde, die zu intensiveren Untersuchungen führen.

 

„Während der Reparatur eines Kanalhausanschlusses wurde das Fundament eines mächtigen Mauerwerks freigelegt, das aufgrund der Bautechnik römischer Zeitstellung sein muss“ erläutert Dr. Donata Kyritz. „In Längsrichtung konnte das Fundament noch einige Meter Richtung Markt verfolgt werden. Hier zeigte sich nun auch eine letzte Reihe Quadermauerwerk. Die genauen Maße konnten bislang allerdings weder in Längs – noch in Querrichtung erfasst werden.“ Bislang wurde die römische Mauer auf einer Länge von rund sieben Metern freigelegt. Sie ist mindestens 90 Zentimeter breit. Doch viele Antworten schlummern noch im Erdreich. Denn Anfang- und Endpunkte des Mauerwerks hat das Archäologen-Team bislang nicht entdeckt.

 

Stadtarchäologe Andreas Schaub ordnet ein: „Seit rund 140 Jahren vermutete man ein spätrömisches Kastell in Aachen, aber erst zwischen 2011 und 2014 gelang es, aus der Vermutung Gewissheit werden zu lassen und die Anlage zu lokalisieren.“ Damals wurde in enger Kooperation zwischen der Stadtarchäologie und der Firma ArcheoConsult Befunde des sogenannten Castrum rund um den Markthügel entschlüsselt.

 

Stellten den archäologischen Fund in der Pontstraße vor: (v.l.) Stadtarchäologe Andreas Schaub, Dr. Donata Kyritz (sk ArcheoConsult), Stadtbaurätin Frauke Burgdorff, Ann-Kristin Jäger (sk ArcheoConsult) und Regionetz-Projektleiter Ralf Jansen.

Foto: Stadt Aachen / Stefan Herrmann

 

 

 

Von der römischen Wehrmauer zur Königshalle Karls des Großen

Nach einer Zerstörung Aachens im Zuge fränkischer Plünderungszüge um 275/276 n. Chr. wurde der gesamte Markthügel durch eine im Fundament über fünf Meter breite Mauer mit Rundtürmen bewehrt. Ihr vorgelagert war ein rund sechs Meter breiter Graben. Letzterer wurde 2011 auf dem Katschhof entdeckt. Vergleichbare Kastelle kennt man aus Jülich, Bitburg und Jünkerath Die spätrömische Wehrmauer wurde durch Karl den Großen weitergenutzt. Seine Königshalle (das heutige Rathaus) wurde auf seiner Südflanke errichtet. Erst im 12. Jahrhundert wurden die Kastellmauern niedergelegt. Auch heute ist davon noch etwas zu sehen. Unter einer Glasplatte im Gebäude Markt 46 (Restaurant Five Guys) können Menschen ein erhaltenes Mauersegment mit Ansatz eines der runden Türme betrachten.

Der nun angetroffene Mauerrest verläuft in der Pontstraße parallel zu dieser. „Es könnte sich dabei um Reste eines Tores handeln“, vermuten Schaub und Kyritz. Weitere Tore vermuten die Expert*innen im Verlauf der Jakobsstraße an der Einmündung in den Markt und am Beginn der Großkölnstraße. Konkrete Befunde gibt es dafür allerdings nicht.

Ziel ist es, den beachtenswerten aktuellen archäologischen Fund so gut es geht zu erhalten. Hierzu laufen derzeit intensive Absprachen. Nach der Begutachtung und der Dokumentation der archäologischen Funde wird die Baumaßnahme an der Stelle wie geplant weitergeführt. Grundsätzlich gehen die Schachtungsarbeiten in der Pontstraße unter archäologischer Aufsicht bereits weiter.

 

Im Jahr 2011 wurden die ersten Nachweise gefunden: In Aachen gab es ein spätrömisches Kastell.

Zeichnung: Stadt Aachen / Andreas Schaub

Katschhof: Archäologen graben alte Karlsmünze aus
  • Silberdenar Karls des Großen ist das Prunkstück der jüngsten Grabung. Auch eine Bronzemünze aus der Merowingerzeit und Zeugnisse frühmittelalterlicher Handwerkskunst wurden gefunden.
  • Erstmals wurde belegt: Der Aachener Katschhof ist schon seit Anfang des 12. Jahrhunderts ein befestigter Platz.
  • Die wichtigsten aktuellen Fundstücke zur Aachener Stadtgeschichte sind ab sofort in einer Vitrine im Centre Charlemagne zu sehen.
 

Aachen atmet Geschichte: (v.l.) Stadtbaurätin Frauke Burgdorff, Stadtarchäologe Andreas Schaub und Dr. Frank Pohle (Leiter der Route Charlemagne) freuen sich über die jüngsten Funde auf dem Katschhof. Die aufwendige Grabung wird zudem von ehrenamtlichen Helfer*innen des Arbeitskreises Archäologie Aachen unterstützt. Foto: Stadt Aachen / Stefan Herrmann

 

In diesen Tagen wächst es wieder, das Budendorf auf dem Katschhof. Ende November steht die Eröffnung des Aachener Weihnachtsmarkts an. Während der Publikumsmagnet dieses Jahr voller Stolz sein 50-jähriges Bestehen feiert, können Stadtarchäologe Andreas Schaub und sein Team noch ein gutes Stück weiter zurück in die Geschichte blicken. Denn dort, wo bald Glühwein getrunken und Süßes genascht wird, waren in den vergangenen Wochen Schaub & Co. mit Schippe und reichlich Expertenwissen unterwegs. Bei Grabungen auf dem Katschhof haben sie mehrere besondere Fundstücke ans Tageslicht gebracht. Und sie geben den Menschen einige neue Öcher Anekdötchen an die Hand, die sie in Kürze beim Glühwein erzählen können: „Wisst ihr, seit wann der Katschhof ein richtiger Platz ist? Nein!? Seit Anfang des 12. Jahrhunderts.“  Das hat die aktuelle Grabung nämlich ergeben. „Zu dieser Zeit ist die erste befestigte Oberfläche des Katschhofs entstanden“, verrät Schaub eine Erkenntnis, die der jüngste Blick ins Aachener Erdreich zutage gefördert hat.

 

 

Stadtbaurätin Burgdorff: „Aachen atmet Geschichte“
„Prunkstück der bisherigen Grabung ist jedoch sicherlich ein Silberdenar Karls des Großen“, fügt Schaub an. Präsentiert wurden die Entdeckung und viele weitere im Rahmen eines Pressetermins am Mittwoch (15. November) gemeinsam mit Stadtbaurätin Frauke Burgdorff und Dr. Frank Pohle, Leiter der Route Charlemagne. „Aachen atmet an jeder Ecke Geschichte“, weiß Frauke Burgdorff nur zu gut. „Die aktuellen Entdeckungen unserer Stadtarchäologie und den großartigen ehrenamtlichen Helfern schenken uns erneut Puzzleteile, die Neues über die Struktur unserer Stadt und die Leben der Menschen von damals verraten. Wo wurden großen Plätze angelegt? Wo arbeiteten die mittelalterlichen Handwerker mit welchen Werkzeugen? Ich finde es persönlich spannend, immer wieder etwas aus diesen frühen Kapiteln Aachener Geschichte zu erfahren. Fachlich greifen wir dieses Wissen selbstverständlich auf und lassen es als Stadtplanerin und Stadtplaner in unsere Arbeit von heute einfließen.“

 

Der Silberdenar Karls des Großen ist überhaupt erst die siebte Münze der gesamten Karolingerzeit aus dem Aachener Stadtgebiet – also eine echte Seltenheit. Nicht zuletzt deswegen sind die wichtigsten Fundstücke der aktuellen Grabung nun in einer Sondervitrine im Stadtmuseum Centre Charlemagne, nur einen Steinwurf vom Grabungsort ebenfalls am Katschhof gelegen, ausgestellt.

 

Prunkstück der aktuellen Funde: ein Silberdinar Karls des Großen (datiert nach 793/794 n. Chr.). Foto: Stadt Aachen / Holger Hermannsen

 

Dr. Frank Pohle ist froh über die bewährte Zusammenarbeit zwischen Stadtarchäologie und Stadtmuseum: „Das Spannende an der Grabung sind einmal mehr die Funde und Befunde aus den karolingerzeitlichen Schichten. Eine in allen Punkten schlüssige Rekonstruktion der Ostseite des Katschhofes im 9. Jahrhundert liegt noch nicht vor. Insofern freuen wir uns über alles, was zur Klärung des Bildes beiträgt.”

 

 

Einblick in das mittelalterliche Aachen
Nachdem im vergangenen Jahr ein 120 Jahre alter und kranker Baum gefällt werden musste, da die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet war, rückten in den vergangenen Wochen die Archäologen auf dem Katschof – nahe des Durchgangs zur Krämerstraße – an. In einer Baugrube, die zentral zwischen historischem Dom und Rathaus liegt, wächst die Wahrscheinlichkeit, Neues aus der Vergangenheit ans Tageslicht zu bringen. Das Loch ist nun für die Dauer des Weihnachtsmarktes verfüllt worden. Im Anschluss stehen abschließende archäologische Untersuchungen an, bevor ein neuer Baum an der Stelle gepflanzt werden kann und das grüne Katschhof-Ensemble wieder vervollständigt.

 

Was fand das Expertenteam noch?

 

  • In der frühmittelalterlichen Handwerkerschicht fand sich ein Glasmosaikstein mit Goldfolienüberzug. Wurden die Mosaiksteine für die Marienkirche Karls des Großen womöglich hier produziert? Weitere Untersuchungen sollen Klarheit schaffen.
  • Eine kleine Bronzemünze stammt vermutlich aus der Merowingerzeit. „Es wäre erst die vierte Münze dieser Zeit aus Aachen“, betont der Stadtarchäologe.
  • Gußtiegelfragmente und Bergkristallfragmente illustrieren und belegen das Handwerk des Frühmittelalters.
  • Knochenperlen und Werkabfälle zeigen, dass auch noch im 16. Jahrhundert dort Handwerker arbeiteten. Sie produzierten Rosenkränze aus Knochen.

Diese kleine Bronzemünze stammt vermutlich aus der Merowingerzeit (6. Jahrhundert). Es wäre erst die vierte Münze dieser Zeit aus Aachen. Foto: Stadt Aachen / Holger Hermannsen

 

Neben der Datierung, seit wann der Katschhof ein befestigter Platz ist, konnten die Geschichtsexperten weitere wichtige Erkenntnisse gewinnen. Denn die Frage steht sogleich im Raum: Was war eigentlich an der Stelle zwischen Dom und Kaiserpfalz, bevor der Platz angelegt wurde? Schaub erklärt: „Im Frühmittelalter – also auch zur Karolingerzeit – befand sich dort ein stark handwerklich geprägter Bereich. Es gibt Spuren von Eisen und Bronzeproduktion beziehungsweise -verarbeitung. Vielleicht sind wir sogar auf Hinweise zu einer Bergkristallwerkstatt gestoßen.“ Ob es sogar Hinweise auf die Pfalzbauhütte sind, oder ob es sich einfach um normale Handwerker in der Pfalzsiedlung handelt, ist derzeit noch offen und bedarf weiterer Analysen.

 

 

Ein bisher unbekanntes Pfalzgebäude?
Zudem spekulieren die Archäologen seit der jüngsten Grabung darüber, ob es auf dem Katschhof ein weiteres, bislang unbekanntes Pfalzgebäude gegeben hat. „In der Grabungsfläche fanden sich überraschend Reste einer großen Bruchsteinmauer, die entweder noch während oder aber kurz nach der Handwerksnutzung dort errichtet wurde. An dieser Stelle waren zuvor keine festen Gebäude bekannt“, gibt Schaub Einblicke in die bisherige Forschungslage.

 

Aktuell im Centre Charlemagne ausgestellt: Im eintrittsfreien Foyer des Stadtmuseums sind Funde der Katschhof-Grabungen zu sehen. Foto: Stadt Aachen / Stefan Herrmann

 

Zu guter Letzt sind die Archäologen womöglich auf Spuren der Belagerung Aachens von 1248 gestoßen. Schriftliche Quellen berichten: Wilhelm von Holland hat im Jahr 1248 Aachen belagert und mithilfe eines aufgeschütteten Damms die Bäche (Paunelle, Johannisbach) aufgestaut, worauf die halbe Altstadt unter Wasser stand. Das führte die Stadt schließlich zur Aufgabe. Zwar wurden in den 1950er Jahren Reste des mutmaßlichen Damms lokalisiert, aber es wurden bisher noch keine archäologischen Spuren der tatsächlichen Flut nachgewiesen. Berechnungen von Wissenschaftler Bernhard Pröschel im Rahmen einer Dissertation an der RWTH Aachen haben ergeben, dass die Flut bis etwa zur Mitte des Katschhofs gereicht haben müsste. „Die jetzigen Grabungen haben nun eine mutmaßliche Schwemmschicht ans Licht gebracht, die archäologisch tatsächlich in das 13. Jahrhundert datiert werden kann“, berichtet der Stadtarchäologe. Prof. Frank Lehmkuhl forscht am Lehrstuhl für Physische Geographie und Geoökologie des Geographischen Instituts der RWTH. Er war der Doktorvater von Pröschel und hat nun eine Probe entnommen. So soll im Labor final geklärt werden, ob es sich tatsächlich um eine Schwemmschicht handelt. Sollte diese Gewissheit liefern, könnte schon bald das nächste Öcher Ameröllche wasserfest beim Glühwein erzählt werden: „Wisst ihr eigentlich, dass einmal die halbe Altstadt und mit ihr der Katschhof genau hier, wo wir gerade stehen, von einem mittelalterlichen Kriegsherren geflutet worden ist? Nein!? Dann hört mal zu…“

Pfalzenforschung: Spannende Vorträge vom 8. bis 10. November im Centre

Freuen sich auf spannnende Vorträge im Centre Charlemagne: Stadtarchäologe Andreas Schaub (l.) und Prof. Frank Pohle. Foto: Stadt Aachen / Lena Hoof

 

Besucher*innen sind herzlich willkommen!

 

Zum Auftakt der viertägigen Veranstaltung lädt die Stadt Aachen gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern alle interessierten Bürger*innen zu einem öffentlichen Vortrag ein: Der renommierte Archäologe Ferdinand Heimerl spricht am Dienstag, 8. November, zum Thema „Ein Abglanz imperialer Macht – Zur Entwicklung der ehemaligen Kaiserresidenz Trier und des Trierer Landes im Frühmittelalter“. Die Begrüßung übernehmen Bürgermeisterin Hilde Scheidt und Aachens Stadtarchäologe Andreas Schaub. Beginn der Veranstaltung im Centre Charlemagne, Katschhof 1, ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Gemeinsam mit Prof. Frank Pohle, Leiter des Centre Charlemagne, freut sich Stadtarchäologe Andreas Schaub sehr auf die besonderen Tage. „Pfalzenforschung und Aachen hat eine lange Tradition. Seit rund 15 Jahren finden sich Spezialisten aus Geschichtsforschung und Archäologie in einem Arbeitskreis zum regelmäßigen fachlichen Austausch zusammen. Wir sind stolz, in diesem Jahr Gastgebende des internationalen Fachkreises sein zu dürfen, bei dem erstmals der Blick auch nach Nordeuropa gelenkt wird”, sagte Schaub bei der Vorstellung des Tagungsprogramms im Rahmen eines Pressegesprächs am Freitag (4. November). Frank Pohle ergänzte: „Nachdem im Umfeld des Karlsjubiläums 2014 wichtige Impulse zur frühmittelalterlichen Pfalzenforschung aus Aachen gekommen sind, freuen wir uns ganz besonders, jetzt wieder einmal eine bedeutende internationale Fachtagung im Centre Charlemagne beherbergen zu können.“

 

 

Historisches Aachen am 10. November im Fokus

 

Die diesjährige Tagung in Aachen, zu der Fachleute aus dem In- und Ausland anreisen, findet an einem zentralen Ort der Karolinger und des europäischen Frühmittelalters statt. Im Herzen des fränkischen Reiches gelegen, gehörte Aachen zu den wichtigsten Herrschaftssitzen jener Zeit. Zudem fand hier eine Vermittlung zwischen zwei Welten, dem „wilden“ Norden und dem „zivilisierten“ Süden statt. Das Aachener Programm vom 8. bis zum 10. November besticht im Centre durch gut 15 Fachvorträge, zu denen interessierte Zuhörer*innen ebenfalls herzlich eingeladen sind. Die aktive Teilnahme an den Diskussionen im Rahmen der Tagung ist den Fachleuten vorbehalten. Aachener Themen stehen am Donnerstag, 10. November, im Fokus des Interesses. Ab 14 Uhr spricht RWTH-Historiker Prof. Harald Müller über „Das Aachen der Karolinger. Konjunkturen eines Zentralorts“ (Moderation: Frank Pohle), anschließend stellt Andreas Schaub anhand seiner archäologischen Arbeit „Aachen im Frühmittelalter“ vor. Den Abschluss bildet der Vortrag „Zwischen Befund und Topos. Die mittelalterliche (Re-)Konstruktion der römischen Vergangenheit Aachens im Spiegel ausgewählter archäologischer Befunde“ von Patrick Kremser.

Die Diskussionen der im Jahr 2018 in Ingelheim und im Jahr 2019 in Mayen durchgeführten Tagungen zeigten ein großes Interesse und den Bedarf, die Themenschwerpunkte geographisch nach Norden zu erweitern. Bei der diesjährigen Fachtagung werden vor allem die gegenseitigen Einflüsse sowie die Genese vieler archäologischer und historischer Phänomene präsentiert, verglichen und (neu) interpretiert. Im Fokus des internationalen wissenschaftlichen Kreises liegen zum einen die Architektur- und Bauüberreste unter anderem von Haithabu, Schleswig und Starigard-Oldenburg. Zum anderen werden die gegenseitigen Kontakte und der Warenaustausch des Nordens mit den südlich gelegenen Macht- und Wirtschaftszentren, wie z.B. Aachen, Köln, Trier, Ingelheim oder Mayen, breit thematisiert.

Die Herrschersitze gehörten im Mittelalter zu den wichtigsten Stützen der Macht. Sie dienten der Kommunikation und der Kontaktpflege auf lokaler, regionaler und überregionaler Ebene. Sie bildeten einen Treffpunkt des Zusammenkommens und Zusammenwirkens ganz unterschiedlicher Interessensgruppen. Zudem bündelten Herrschersitze den diplomatischen Austausch, prägten den Wissenstransfer und wirkten als Schaltzentralen der Wirtschaft. Zwischen diesen Säulen der Macht zirkulierten die Menschen, die innovativen Ideen sowie Waren aller Art, was archäologisch und (bau-)historisch nachweisbar ist.

Veranstalter der Tagung ist die Stadt Aachen mit der Stadtarchäologie und dem Stadtmuseum Centre Charlemagne. Kooperationspartner sind das Historische Institut der RWTH Aachen, Lehrstuhl für Mittlere Geschichte; das Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie Kompetenzbereich Vulkanologie, Archäologie und Technikgeschichte Mayen; die Stadt Ingelheim am Rhein, Forschungsstelle Kaiserpfalz; das Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie, Schleswig; das Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie, Frankfurt am Main; der Arbeitskreis Pfalzenforschung.

 

 

Weitere Infos:

 

Kurzfassung des Vortrags von Ferdinand Heimerl zu „Ein Abglanz imperialer Macht – Zur Entwicklung der ehemaligen Kaiserresidenz Trier und des Trierer Landes im Frühmittelalter“:

In der Spätantike war Trier als Hauptstadt der nordgallischen Diözese und der Provinz Belgica prima, als Münzstätte, Bischofssitz, Sitz des Praetorianerpraefekten und insbesondere als Kaiserresidenz ein herausragendes Machtzentrum. Mit dem Abzug der Residenz und der Praetorianerpraefektur im späten 4. Jh. verlor die Stadt an Bedeutung. In der ersten Hälfte des 5. Jhs. soll Trier von zahlreichen Zerstörungen heimgesucht worden sein, die zu einer Verödung der ganzen Stadt geführt hätten. Die Zerstörungen lassen sich im archäologischen Befund jedoch nicht fassen und eine vermeintliche Lücke im Fundgut des „dunklen“ 5. Jhs. lässt sich durch neuere Studien zur Materialchronologie schließen. Der Vortrag soll anhand der archäologischen Evidenz zeigen, wie sich das spätantike Machtzentrum Trier mit seinem Umland im Frühmittelalter als bedeutende Siedlungslandschaft fortentwickelte. Behandelt werden die Siedlungstopografie (Weiter- bzw. Umnutzung spätantiker Bausubstanz sowie frühmittelalterliche Neubauten), die Sepulkraltopografie (Weiterbelegung bzw. Neugründung von Bestattungsplätzen) sowie die Sakraltopografie (Kirchen- und Klosterwesen) in Trier und im Trierer Land. Älteren Forschungsansätzen werden hier auch aktuelle Neufunde der GDKE/Landesarchäologie Trier gegenübergestellt. Schließlich werden ausgewählte Materialgattungen diskutiert, um den Wissenstransfer handwerklicher Produktionsabläufe, Wirtschaftskreisläufe und weitreichende Fernkontakte zu illustrieren. Ausgehend von der Spätantike soll der Vortrag eine Brücke zu den frühmittelalterlichen Herrschersitzen und deren Fernbeziehungen schlagen.

 

 

Das öffentliche Programm

 

Alle Tagungstermine finden im Centre Charlemagne, Katschhof 1, statt.

 

Dienstag,8. November 2022

 

 

Mittwoch, 9. November 2022

 

 

Donnerstag, 10. November 2022

 

Bei Bauarbeiten im Süsterfeld: Stadtarchäologie entdeckt Reste der alten Römerstraße Aachen – Heerlen – Xanten

 

Bei archäologischen Untersuchungen im Nordwesten der Aachener Innenstadt sind spannende Entdeckungen gemacht worden. Dort, im Süsterfeld, errichtet die Aachener Firma DERICHS u KONERTZ gemeinsam mit Famos Immobilien aus Korchenbroich derzeit das Bürogebäude „Office West“, welches die RWTH Aachen University langfristig angemietet hat. Schon bevor die ersten Bagger für die Kanalbaumaßnahme anrückten, vermuteten die Experten um Stadtarchäologe Andreas Schaub, dass in dem Bereich Interessantes über Aachens Geschichte im Erdreich schlummern könnte. „Grund dafür ist eine römische Siedlung, die beim Bau von Pariser bzw. Toledoring Anfang der 1980er Jahre entdeckt und deren Fortsetzung im Baufeld vermutet wurde“, erklärte Schaub bei einem Pressetermin am Freitag (13. Mai) vor Ort.

 

Gute Zusammenarbeit, spannende Entdeckungen: Stadtarchäologe Andreas Schaub (r.) erläuterte (v.l.) Patrick Düntzer (archeo consult), RWTH-Dezernentin Geva Aschhoff, Stadtbaurätin Frauke Burgdorff, Claus Steufmehl und Max Posé (Famos Immobilien) den Fund der Römerstraße.

 

 

Gute Abstimmung zwischen allen Beteiligten

Die römische Siedlung lag unmittelbar an der römischen Straße Aachen – Heerlen – Xanten. Um deren exakten Verlauf im Plangebiet zu ermitteln, wurden seitens der Stadtarchäologie zwei Sondierungsgräben angelegt. Dieses Vorgehen war schon in einem frühen Planungsstadium des Projektes mit den Verantwortlichen der beiden Investoren und gemeinsam mit dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland abgestimmt worden. „Die frühzeitige, transparente Einbindung aller Beteiligten sorgte dafür, dass wir einerseits einen hoch spannenden Einblick in die Historie unseres Grundstücks erlangen konnten und andererseits unplanmäßigen Verzögerungen im späteren Hochbau vorgebeugt werden kann“, so Dr. Achim Buschmeyer, Geschäftsführer bei DERICHS u KONERTZ. „Die Römerstraße wurde tatsächlich in der östlichen der beiden Sondierungsflächen in rund zwei Metern Tiefe angetroffen. Sie bestand aus einer kompakten Schicht aus Feuersteinkies“, erläuterte Schaub. Durch die intensive Nutzung der Straße hatten sich tiefe Karrenspuren in die Trasse eingegraben. Dort fand sich unter anderem ein zerbrochenes Hufeisen.

 

 

 

Andreas Schaub: „Dieser Fund stammt sicher aus nachrömischer Zeit und zeigt an, dass die Straße auch noch lange nach den Römern bestanden hatte. In Flurkarten des 18. und 19. Jahrhunderts lebte sie als ‚Süstergasse‘ fort. Diese führte weiter nach Nordwesten, an der Ölmühle vorbei über den Wildbach. Knapp neben dem Wildbachübergang lag auch das seit der Karolingerzeit bestehende Hofgut Schurzelt.“ Die erneut spannende Entdeckung des Aachener Archäologieteams freut auch Stadtbaurätin Frauke Burgdorff, die sich vor Ort gemeinsam mit Geva Aschhoff, Leiterin des RWTH-Dezernats Facility Management, ein Bild machte. Burgdorff sagte: „Neben dieser fachlichen Entdeckung ist wirklich zu betonen, dass hier die Zusammenarbeit zwischen Bauherren und Stadt vorbildlich, Hand in Hand und in wechselseitiger Unterstützung gelaufen ist. So gut abgestimmt muss man vor den Römern keine Angst haben.“

 

Sogar Hinweise auf vorrömische Siedlung gefunden

 

Die Grabungen zeigen, dass die Straßentrasse nach der Römerzeit mindestens zweimal grundlegend erneuert wurde. Mindestens in einem Fall geschah dies, nachdem sich anstelle der Straßentrasse eine Art Teich gebildet hatte. Es wird derzeit an der RWTH (Lehr- und Forschungsgebiet Neotektonik und Georisiken) untersucht, ob es sich dabei um die Folge einer seismisch beeinflussten Bodenverschiebung handelte, die einen natürlichen Abfluss anfallenden Hangwassers vom Hörnhügel verhinderte. Im zweiten Sondierungsschnitt fanden sich überraschenderweise Spuren einer bis dato völlig unbekannten mittelalterlichen Siedlung. Nach den Funden zu schließen, bestand sie etwa zwischen dem 12. und 15./16. Jahrhundert.

 

 

 

Einzelne Keramik- und Feuersteinfunde deuten zudem auf eine vorrömische Besiedlung im näheren Umfeld hin, von der sich in den Sondagen aber keine weiteren Spuren nachweisen ließen. War für die Sondagen die Stadtarchäologie verantwortlich, so erfolgt die weitere archäologische Begleitung des Bauvorhabens durch die archäologische Fachfirma sk ArcheoConsult aus Aachen. Diese konnte bereits bei ersten Kanalbauarbeiten ebenfalls die Römerstraße untersuchen. Völlig überraschend wurde dabei auch eine römische Holzwasserleitung gefunden, die möglicherweise eine unweit des Plangebiets liegende Badeanlage speiste.

 

Archäologie: Centre zeigt in Aachen gefundene keltische Münzen

 

Die Geschichten hinter der Geschichte: Die sind es, die Stadtarchäologe Andreas Schaub und seine Mitstreiter*innen immer wieder faszinieren. Oft genug werden die spannenden Geschichten aus der Vergangenheit Aachens sprichwörtlich ausgegraben. Manchmal kommen sie aber auch auf ganz anderen ungewöhnlichen Wegen ans Tageslicht. So geschehen vor kurzem mit zwei keltischen Goldmünzen, die einst auf Aachener Gebiet von einem Privatmann gefunden worden sind und nun den Weg ins Stadtmuseum Centre Charlemagne gefunden haben.

 

Stadt Aachen ist über einen privaten Nachlass in den Besitz von seltenen keltischen Goldmünzen gekommen. Präsentation im Centre Charlemagne

 

Münzen im Stadtmuseum besichtigen

 

Gemeinsam mit Bürgermeisterin Hilde Scheidt, Stadtbaurätin Frauke Burgdorff, dem Leiter des Centre Charlemagne, Prof. Dr. Frank Pohle, und den RWTH-Professoren Dr. Klaus Reicherter (Lehr- und Forschungsgebiet Neotektonik und Georisiken) und Dr. Klaus Scherberich (Institut für Alte Geschichte) präsentierte Stadtarchäologe Schaub am Freitag (21. Januar) im Rahmen eines Pressetermins die spannenden historischen Funde. Besucherinnen und Besucher des Centre Charlemagne können die Münzen ab sofort im Stadtmuseum bestaunen.

 

„Die keltischen Münzen sind Zeugen eines bislang wenig erforschten Kapitels Aachener Geschichte“, berichtete Andreas Schaub. Sie stammen aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. – etwa aus der Zeit kurz bevor Julius Caesar Gallien eroberte. Doch nicht nur die Geschichte zu den Münzen ist spannend, sondern auch die Geschichte, wie sie in den Besitz der Stadt Aachen und nun ins Museum gelangen konnten. Über einen privaten Nachlass erhielt die Verwaltung nämlich die Chance, die seltenen Funde zu sichern.

 

Stadtbaurätin Frauke Burgdorff sagte: „Aachen schaut auf eine lange Siedlungsgeschichte zurück, die weit in die Römerzeit und darüber hinaus reicht. Nun hat unser Team der Stadtarchäologie wieder ein neues Teil in unser großes Stadtgeschichte-Puzzle eingefügt, das uns die Stadt noch besser verstehen lässt. Schade, dass wir nicht heute schon sehen können, welche Spuren von uns dereinst gefunden werden!“

 

Stadt Aachen ist über einen privaten Nachlass in den Besitz von seltenen keltischen Goldmünzen gekommen. Präsentation im Centre Charlemagne
v.l.: Andreas Schaub, Prof. Dr. Frank Pohle,Prof. Dr. Klaus Reicherter–RWTH, Frauke Burgdorff–Stadtbaurätin,Prof. Dr. Klaus Scherberich–RWTH, Hilde Scheidt

 

Auch Bürgermeisterin Hilde Scheidt zeigte sich erfreut: „Es handelt sich um eine wahrhaft spannende Geschichte, wie die Münzen in unseren Besitz gekommen sind.  Es ist ein gutes Beispiel dafür, dass Bürger*innen die Stadtgeschichte reicher machen können.“

 

Es handelt sich um zwei jeweils rund sechs Gramm schwere Goldmünzen, deren Prägung sie als so genannte „Ambianerstatere“ ausweisen. Die Ambiani waren ein keltischer Volksstamm in der Gegend des heutigen Amiens (Frankreich). Münzen dieses Typs wurden in verschiedenen Varianten ausgeprägt und sind in unseren Breiten äußerst selten. Vor allem eine Variante wurde in der münzkundlichen Forschung bisher mit dem Stamm der Eburonen in Verbindung gebracht, die in unserer Region verortet werden. Für eine genaue Zuweisung sind exakte Angaben zu Größe, Gewicht, Legierung und Details der Prägung ausschlaggebend.

 

Doch wie finden Fachleute eigentlich heraus, wie alt so eine Münze tatsächlich ist? Bei dieser Frage kamen die beiden Experten und RWTH-Professoren Dr. Klaus Reicherter und Dr. Klaus Scherberich ins Spiel. Scherberich lehrt und forscht am RWTH-Institut für Alte Geschichte. Er hat, nach ersten Hinweisen des hinzugezogenen LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland, die weitere numismatische Bestimmung durchgeführt. Die Numismatik, auch Münzkunde genannt, ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit Geld und seiner Geschichte. Da der vorherige Besitzer kein Sammler und auch kein Geschichtsliebhaber war, war die Herkunft zum Beispiel aus einer Auktion eigentlich auszuschließen. Außerdem haftete den Münzen noch Sediment-Stücke – also kleine Erdreste – an. Auch das sprach dagegen, dass die Münzen bereits über den kommerziellen Kunsthandel unterwegs waren.

 

Der „Öcher Dreck“ schafft Klarheit

 

Nach dieser ersten Analyse überlegte Stadtarchäologe Schaub gemeinsam mit  Geologie-Professor Klaus Reicherter, welche Möglichkeiten es gebe, die winzigen Sedimentreste auf den Münzen zu analysieren. „So wollten wir herauszufinden, ob es sich dabei tatsächlich um ‚Öcher Dreck‘ handeln kann“, so Schaub. Diese Untersuchungen – es wurde dafür eigens eine Studienarbeit erstellt – waren so erfolgreich, dass die Herkunft aus Aachens Erde mit großer Wahrscheinlichkeit bestimmt werden konnte. Schaub. „Daraus war dann zu schließen, dass der verstorbene Besitzer die Münzen möglicherweise beim Spazierengehen irgendwo gefunden haben könnte. Seine Nachkommen haben für mich in eine Karte eingetragen, wo er sich vorzugsweise zu Fuß bewegt hat.“ Es handelte sich um das Gebiet zwischen Haaren und Verlautenheide. Genau dort befindet sich die einzige Region auf Aachener Stadtgebiet – von ein paar kleinen Scherben in der Innenstadt abgesehen – von der keltische Siedlungsreste sowie eine weitere Goldmünze bekannt sind.

 

Daraufhin wurde Schaub gemeinsam mit Centre-Charlemagne-Leiter Prof. Dr. Frank Pohle aktiv, um die Stücke für Aachen sichern. „Die Besitzer waren dankenswerter Weise bereit, uns die beiden Münzen für einen sehr fairen Preis zu überlassen“, freuen sich die beiden städtischen Geschichtsexperten. Für Pohle ist es schön zu sehen, wie die Sammlung des Stadtmuseums durch solche Stücke immer wieder bereichert wird: „Geschichte stellt keine Erkenntnis für die Ewigkeit bereit. Immer wieder bringen neue Sichtweisen auch neue Wertungen der Vergangenheit hervor, immer wieder sind wir gezwungen, Geschichte neu zu schreiben – hier einmal mehr durch den Beitrag der Archäologie und ihre Funde. Über die Geschichte Aachens vor der Römerzeit wissen wir nicht viel – nun aber durch das Zeugnis dieser beiden Münzen wieder ein bisschen mehr.“

 

Weitere Infos über Stadtarchäologie Aachen: www.zeitreise.ac

 

Das Stadtmuseum im Internet: www.centre-charlemagne.eu.

Unterirdische Schatzsuche: Denkmalpflege und Feuerwehr erforschen gemeinsam einen alten, 42 Meter tiefen Brunnen

 

 

„Glück auf!“, rufen die Kolleginnen und Kollegen in ihren roten Einsatzanzügen Markus Hirtz zu. Dieser blickt ein letztes Mal auf, reckt den Daumen hoch, bevor er gut gesichert mit Helm, Gurten, Karabinern und Seilen sowie ausgestattet mit einem Sauerstoffgerät im tiefen dunklen Loch verschwindet. Hirtz ist an diesem regnerisch-windigen Morgen der Mann, auf den alle Blicke gerichtet sind. Denn das speziell ausgebildete Mitglied der Spezialrettungsgruppe (SRG) der Feuerwehr Aachen tritt um Punkt 11.15 Uhr eine ungewöhnliche Mission an. Eine Mission, die ihn 42 Meter tief in die Erde führt. Eine Mission, die nicht nur eine besondere Übung für ihn und sein Team darstellt, sondern die auch im Dienst der Wissenschaft steht.

 

Gutshof im Aachener Westen

 

Denn gleich neben der 15-köpfigen SRG-Truppe, die auch als Höhenretter der Feuerwehr bekannt sind, stehen am Mittwoch (1. Dezember) Stadtarchäologe Andreas Schaub und Andreas Priesters von der städtischen Denkmalpflege. Sie waren – gemeinsam mit den Eigentümern Marc und Philipp Eller – Auslöser für die ungewöhnliche Schatzsuche in der denkmalgeschützten Hofanlage „Gut Muffet“ im Aachener Westen. Vor einem guten Jahr ist im Rahmen von Sanierungsarbeiten auf dem Grundstück nahe des Westfriedhofs ein historischer Brunnenschacht entdeckt worden. „Er weist mit 42 Metern eine für unsere Region außergewöhnliche Tiefe auf“, sagt Andreas Priesters und berichtet weiter: „Das Gut Muffet ist ein erstmalig im 16. Jahrhundert erwähnter ehemaliger landwirtschaftlicher Hof und Sommersitz vor den Toren Aachens. Der Name ‚Muffet‘ rührt übrigens in der Aachener Mundart vermutlich von der Lage des Hofes nahe der ehemaligen Richtstätte der Stadt mit Galgen und dem wohl wahrnehmbaren Verwesungsgeruch.” Noch Mitte des 20. Jahrhunderts gab es in der Aachener Mundart daher den mahnenden Hinweis mit erhobenem Zeigefinger “Deä jehüet op Muffet” (Der gehört nach Muffet).

 

Der Sauerstoffgehalt in der Luft sinkt

 

Als die Höhenretter – die selbstverständlich auch Menschen aus tiefgelegenen Notlagen befreien können – von dem außergewöhnlichen Übungsterrain erfuhren, waren sie direkt Feuer und Flamme. So beobachtet SRG-Leiter André Duisberg an diesem Tag persönlich den Einsatzablauf im Dauerregen. Über Funk ist er stets mit dem Kollegen in der Tiefe in Kontakt. „Sieht die Wand tragfähig aus?“, fragt er durchs Mikro. Sicherheit geht bei der Übung selbstverständlich vor. Die Signale von Markus Hirtz sind positiv. Also lassen die absichernden Kameradinnen und Kameraden weiter Seil ab. Noch 20, dann nur noch zehn Meter. Der bisherige Sauerstoffverbrauch, um auch wieder ungefährdet hochkommen zu können, stimmt, heißt es aus dem Hintergrund. Der Sauerstoffgehalt im tiefen Brunnenschacht allerdings nicht mehr. Er liegt laut Messgeräten bei nur noch 16 statt der an der Oberfläche üblichen 21 Prozent. Ohne entsprechendes Schutzgerät wäre es also für Menschen auf Dauer gefährlich geworden. Ein Punkt, der die spannende Frage aufwirft, unter welch widrigen Umständen der Brunnenbau vor Jahrhunderten stattgefunden haben muss.

 

 

Nach 15 Minuten hat der Feuerwehrmann den Brunnenboden erreicht. Es sei schlammig, berichtet er, aber es stehe aktuell kein Wasser am Grund. Dafür entdeckt er einige alte Hölzer, dazu Kettenglieder. Auch nicht allzu alte Ziegelstücke und eine Glasflasche – vermutlich aus dem 20. Jahrhundert – sammelt Hirtz auf. Ebenso entnimmt er eine Bodenprobe, die Stadtarchäologe Schaub später weitere Details über Alter und Geschichte der Anlage verraten kann. Die Schatzsuche im viele hundert Jahre alten Brunnen endet letztlich ohne die Entdeckung spektakulärer Reichtümer – aber dennoch mit vielen hilfreichen Erkenntnissen.

 

Weitere Untersuchungen sollen folgen

 

„Offenbar kein Goldbarren in Sicht“, sagen oben Archäologe Schaub und Denkmalpfleger Priesters denn auch mit einem Schmunzeln. Das mindert die Neugier der Geschichtsexperten kein bisschen. Es dauert weitere 30 Minuten, bis Höhenretter Hirtz samt dem Sack voller Fundstücke wieder das gar nicht so helle Tageslicht an diesem schmuddeligen Dezembervormittag erblickt.

 

 

Stadtarchäologe Schaub erklärt: „Die Hölzer, die hochgeholt werden konnten, sehen alt aus. Mit naturwissenschaftlichen Messverfahren wollen wir in einem nächsten Schritt eine Zeiterfassung vornehmen, um das Alter der Hölzer – und somit die Entstehungszeit des Brunnens – möglichst genau datieren zu können.“ So könne man womöglich weitere Informationen über die Geschichte des Gut Muffets und über die Konstruktion des Brunnens erfahren. Auch ohne großen Goldfund am Brunnenboden, betonen die beiden Experten, habe sich die ungewöhnliche gemeinsame Schatzsuche mit der Feuerwehr in jedem Fall gelohnt.

 

Ein ebenso positives Fazit zieht SRG-Leiter Duisberg: „Solche authentischen Übungsszenarien sind für uns immens wichtig, um für den Notfall bestens gewappnet zu sein“, sagt er. Wenn zugleich auch noch unkompliziert Amtshilfe wie nun für Denkmalpflege und Stadtarchäologie geleistet werden kann, freut das die Feuerwehreinheit umso mehr.

 

Weitere Informationen zum Gut Muffet:

 

Die heute noch erhaltenen Gebäudeteile des Gutshofes entstammen aus der Zeit zwischen 1700 und 1800 und wurden ab 1966 durch den Architekten Prof. Fritz Eller (1927-2018) zu einem bemerkenswerten Ensemble umgestaltet und ergänzt. Eller und sein Büro EMW Eller-Moser-Walter schufen unter anderem bekannte Bauten wie den NRW-Landtag am Rheinufer in Düsseldorf, die Ruhruniversität Bochum oder das Dreischeibenhaus Düsseldorf.

 

Ein Film über die Gutsanlage ist im Rahmen des Denkmaltages 2020 entstanden: https://bit.ly/3G3Os7d.

 

Einen Film über eine weitere Übung der Spezialrettungsgruppe im Aachener Wald finden Sie hier: https://bit.ly/3rnUX0K.

Skelettfund an der Jakobskirche: Stadtarchäologe Andreas Schaub vermutet Gräberfund

Am vergangenen Donnerstag, 22. September, entdeckten Regionetz-Mitarbeitende bei Bodenarbeiten vor dem Kreuzigungsdenkmal zwischen Jakobsstraße und Vaalser Straße Skelettreste. Die hinzugezogene Kriminalpolizei schloss aufgrund der offensichtlich jahrhundertealten Knochen ein Gewaltverbrechen aus und informierte den Stadtarchäologen Andreas Schaub.

 

Nach einer ersten archäologischen Begutachtung kommt Andreas Schaub zu dem Schluss, dass es sich um ein Individuum in ordentlicher Bestattungslage, Teile von insgesamt drei nebeneinanderliegenden Gräbern und einen eisernen Nagel eines nicht mehr erhaltenen hölzernen Sargs handelt. Nach Abgleich des Fundortes mit dem Lageplan der alten St. Jakobskirche, steht jetzt fest, dass die Bestattungen innerhalb der mittelalterlichen Kirche stattgefunden haben müssen, unmittelbar vor dem Chor, am Übergang vom südlichen Seitenschiff zum Mittelschiff.
Historiker Frank Pohle, Leiter der Route Charlemagne, kommt zum gleichen Schluss. Er beruft sich auf den früheren Aachener Bau- und Geschichtsforscher Carl Rhoen, der im 19. Jahrhundert über Bestattungen in St. Jakob, sowohl im Inneren der Kirche als auch im umgebenden Kirchhof berichtete.

 

 

Stadtarchäologe Andreas Schaub freut sich über den Fund: „Dem umsichtigen Vorgehen der vor Ort tätigen Baufirma, der Regionetz sowie der Kriminalpolizei ist es zu verdanken, dass diese historisch bedeutenden Spuren für die Nachwelt gesichert werden konnten.“

 

Naturwissenschaftliche Datierungsmethoden sollen nun Auskunft darüber geben, aus welcher Zeit die entdeckten Bestattungen stammen.

Archäologie am Büchel: Experten lernen mit jedem Blick ins Erdreich dazu

Während in vielen Büros derzeit die Köpfe qualmen, um Büchel-Planungswerkstatt, Abrissvorbereitungen für das Parkhaus und vieles mehr voranzutreiben, nehmen Archäologie-Experten vor Ort erneut die Schaufel in die Hand. Der Blick richtet sich seit Mitte Dezember auch wieder in Richtung Erdreich: Was schlummert in der Tiefe?

 

 

Nach den ersten archäologischen Sondierungen am Büchel vor einem guten Jahr laufen aktuell zwei weitere Grabungen, die von der Firma Archaeonet im Auftrag der SEGA und unter Aufsicht des Aachener Stadtarchäologen Andreas Schaub ausgeführt werden. Diese beiden aktuellen Sondagen, die im Bereich hinter dem Parkhaus stattfinden, sind Teil einer größeren Vorerkundung des gesamten Büchelareals. Mindestens zwei weitere Sondagen sind mittelfristig noch geplant, so dass insgesamt fünf solcher Suchschnitte zur Beurteilung angelegt werden. Den aktuellen Stand stellten am Freitag (15. Januar) Grabungsleiter Felix Kunze und SEGA-Geschäftsführer Christoph Vogt als Auftraggeber der archäologischen Sondierungen vor.

 

 

Bei den bisherigen Arbeiten sowohl Ende 2019 als auch in diesen Tagen sind zwar keine erhaltenen römischen Siedlungsreste gefunden worden, doch einige kleine römerzeitliche Einzelfunde wie Keramikscherben konnten die Experten in jüngeren Schichten machen. Daneben haben Kunze und sein Team ganz aktuell unter anderem mittelalterliche Gruben und auch Mauerreste im Erdreich entdeckt, die auf die damalige Nutzung des Gebietes rund um den Büchel für handwerkliche Arbeiten schließen lassen. Der Hingucker der aktuellen Grabung ist ein rund 30 Zentimeter großer, sehr gut erhaltener Krug. Den mittelalterlichen Fund datiert Grabungsleiter Kunze auf das 13. Jahrhundert. „Vielleicht ist das ein Hinweis darauf, dass es hier in der Gegend auch einmal eine mittelalterliche Schankwirtschaft gegeben hat. Für fundierte Aussagen müssen nun aber zunächst weitere Untersuchungen vorgenommen werden“, erläuterte Kunze.

 

Auch gut erhaltene Reste eines frühneuzeitlich-neuzeitlichen Kellergewölbes sind bei den Grabungen zutage getreten.

 

Alle Erkenntnisse fließen in die Gesamtbetrachtung mit ein, wenn es um die Frage geht, in welchen Tiefenlagen mit historischen Funden gerechnet werden kann. Dies ist – vor allem mit Blick auf die künftige Entwicklung und potenzielle Bauvorhaben am Büchel – ein entscheidender Faktor, weiß SEGA-Geschäftsführer Vogt. „Der Blick, den wir heute in die Erde und somit in die Vergangenheit des Büchels und die lange Geschichte der Stadt Aachen werfen, erinnert uns an unsere Verantwortung bei der Gestaltung des neuen Stadtquartiers am Büchel“, so Vogt.

 

Das gesamte Sondierungsvorhaben ist über die Aachener Stadtarchäologie eng mit dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland abgestimmt.

 

Weitere Infos zu den Entwicklungen am Büchel: www.buechel-aachen.de.