- Nach einem guten halben Jahr sind die aufsehenerregenden archäologischen Grabungen im Schatten des Doms abgeschlossen.
- Zuletzt wurde ein bis dato unbekannter Brunnen aus dem Mittelalter entdeckt. Dieser Brunnen gründet auf einer römischen Straße, die womöglich direkt in die römischen Heilthermen führte.
- In Kürze werden zwei neue Linden gepflanzt, die den Platz bereichern.
Mit einer großen Schippe fing Ende Februar 2026 am Münsterplatz alles an. Doch schnell kamen vor allem Pinsel und weiteres feines Werkzeug zum Einsatz. Die Schaufeln standen fortan eher am Rande der beiden Gruben mitten in der Aachener City. „In der rund sechsmonatigen Untersuchung ist es uns erstmals möglich gewesen, detaillierte Einblicke in den alten Münsterkirchhof zu bekommen“, zog Stadtarchäologe Andreas Schaub im Rahmen eines Pressetermins am Dienstag (22. September) eine rundum positive Bilanz nach der intensiven Grabungszeit.
Seltene Grabungsgelegenheit auf dem Münsterplatz
Ein gutes halbes Jahr lang haben sich Stadtarchäologe Andreas Schaub und ehrenamtliche Hilfskräfte des Archäologischen Arbeitskreises (AAA) in Handarbeit Schicht für Schicht durch zwei Baumscheiben gearbeitet. Die beiden zuvor dort gepflanzten Linden waren 2023 einem Sturm zum Opfer gefallen. Nun, nach dem Abschluss der archäologischen Arbeiten, werden erneut zwei Linden in die Baumscheiben gepflanzt. Da die Baumscheiben zunächst präpariert werden müssen, bot sich in den vergangenen Monaten eine seltene Gelegenheit für die Archäologinnen und Archäologen: Denn gebaut – vor allem in die Tiefe gegraben – wird am Münsterplatz nur selten. Jeder Bodeneingriff an diesem historischen Ort wird daher archäologisch betreut und ermöglicht interessante Funde.
Hauptzugang zu den römischen Heilthermen?
In der zweiten Grube, die in den vergangenen Wochen intensiv untersucht worden ist, wurde unter anderem die Grenzmauer der Immunität des Marienstifts zum städtischen Gebiet freigelegt. Überraschend war dabei der Fund eines gleichzeitig mit der Mauer errichteten und bis dato unbekannten großen Brunnens. „Damit konnten wir ein kleines Rätsel entschlüsseln“, erläuterte Andreas Schaub. „Auf grafischen Darstellungen des 16./17. Jahrhunderts war an dieser Stelle nämlich ein bisher nicht gedeutetes Bauwerk verzeichnet, das sich nunmehr identifizieren lässt. Der im 16. Jahrhundert bereits aufgegebene Brunnen gründet überraschenderweise auf einer römischen Straße. Nach Lage der Dinge kann dies der Hauptzugang zu den römischen Heilthermen, den so genannten „Münsterthermen“, gewesen sein“, so der Stadtarchäologe weiter.
Dank der tatkräftigen Unterstützung der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer konnte die Stadtarchäologie zudem rund 60 Gräber des 12. bis 18. Jahrhunderts dokumentieren. „Besonders berührend war eine aufwändig ausgestattete Doppelbestattung zweier Säuglinge, die mithilfe von Restauratorinnen und Anthropologinnen seitens des LVR-Landesmuseums und der Universität Bonn sachgerecht freigelegt und geborgen wurde“, erzählte Schaub. Durch zwischenzeitlich begonnene Recherchen in Tauf- und Sterberegistern der Pfarre von St. Foillan soll herausgefunden werden, um wen es sich bei dem mutmaßlichen Zwillingspärchen genau handelte.
Funde aus Römer, Merowinger- und Karolingerzeit
Die gesamten Skelettfunde werden weiter bearbeitet. Sie sollen im Rahmen einer Dissertation an der RWTH Aachen nähere Erkenntnisse zur Aachener Bevölkerung in Mittelalter und früher Neuzeit erbringen und auch klären, ob ein Teil der Toten tatsächlich einer Epidemie im 16. Jahrhundert zum Opfer fiel.
Unter den zahlreichen geborgenen Fundstücken ragen mit Goldfolie überzogene Glasmosaiksteine heraus, die aus den römischen Thermen stammen dürften. Keramikfunde aus Merowinger- und Karolingerzeit, mittelalterliche Pilgermuscheln und Teile zerbrochener Pilgerhörner, die vermutlich bei Heiligtumsfahrten im Einsatz waren und dabei zu Bruch gingen, runden das reiche Fundspektrum ab.
Die Ergebnisse aus der ersten Baumscheibe gewährten bereits einen Einblick in längst vergangene Zeiten: In erster Linie wurden umfangreiche Reste des mittelalterlichen Friedhofs entdeckt, dem Münsterkirchhof. Er ist seit dem 13. Jahrhundert überliefert. Die ältesten Gräber, die das archäologische Team gefunden hat, reichen jedoch mindestens bis ins 12. Jahrhundert zurück. Der Friedhof wurde bis in die napoleonische Zeit genutzt, ehe Friedhöfe aus hygienischen Gründen aus den Innenstädten verlagert wurden.
Die Grabungen am prominenten Platz zogen in den vergangenen Monaten die Aufmerksamkeit unzähliger Passantinnen und Passanten auf sich. Die Archäologinnen und Archäologen beantworteten so intensiv wie selten zuvor die Fragen von Klein und Groß mit viel Geduld. Damit die Arbeiten nicht allzu sehr beeinträchtigt wurden, gestaltete der städtische Fachbereich Kommunikation und Stadtmarketing im Sommer Plakate, die die Grabungen erläuterten.
Neue Linden nach Abschluss der Grabungen
Sarah Hartung vom Bereich Grünplanung und -bau des Fachbereichs Klima und Umwelt freut sich, dass nun in Kürze die beiden neuen Linden gepflanzt werden können. Damit endet zwar das von vielen tausend Menschen im Sommer beobachtete archäologische Abenteuer im Herzen der Stadt. Zugleich wachsen aber schon bald neue Schattenspender auf dem Münsterplatz, die die Menschen künftig ebenso erfreuen werden. „Damit stellen wir das Lindenensemble auf dem Münsterplatz wieder her“, so Hartung.

Quelle: aachen.de
Zwischenbilanz der archäologischen Grabungen am Münsterplatz: Außergewöhnliche Zeugnisse der Stadtgeschichte- Archäologische Grabungen auf dem Münsterplatz bringen bedeutsame Funde der Aachener Stadtgeschichte ans Licht.
- Ein Pilgergrab, eine mutmaßliche Zwillingsbestattung und zahlreiche weitere Gräber eröffnen neue Einblicke in die Vergangenheit rund um den Dom.
- Die Grabungen finden in zwei Baumscheiben statt, die danach wieder mit zwei Linden bepflanzt werden.
„Aachen ist eine Stadt, die stolz ist auf ihr historisches Erbe. Dieses zu bewahren, heißt, es zu erkunden. Archäologische Arbeiten wie hier prominent am Münsterplatz machen unsere Geschichte auch für die Bürgerinnen und Bürger greifbar“, hob Oberbürgermeister Dr. Michael Ziemons bei der Vorstellung der Zwischenergebnisse der archäologischen Grabungen nahe dem Dom hervor.
Seltene Grabungsgelegenheit auf dem Münsterplatz
Seit Ende Februar arbeiten sich Stadtarchäologe Andreas Schaub und ehrenamtliche Hilfskräfte des Archäologischen Arbeitskreises (AAA) in Handarbeit Schicht für Schicht durch zwei Baumscheiben. Die beiden zuvor dort gepflanzten Linden waren 2023 einem Sturm zum Opfer gefallen. Nach Abschluss der archäologischen Arbeiten werden erneut zwei Linden in die Baumscheiben gepflanzt. Da die Baumscheiben zunächst präpariert werden müssen, bot sich eine seltene Gelegenheit für die Archäologinnen und Archäologen: Gebaut wird am Münsterplatz nur selten. Jeder Bodeneingriff an diesem historischen Ort wird archäologisch betreut und ermöglicht interessante Funde.
Mittelalterlicher Friedhof mit außergewöhnlichen Bestattungen
Die Ergebnisse aus der ersten Baumscheibe gewähren einen Einblick in längst vergangene Zeiten: In erster Linie wurden umfangreiche Reste des mittelalterlichen Friedhofs entdeckt, dem Münsterkirchhof. Er ist seit dem 13. Jahrhundert überliefert. Die ältesten Gräber, die das archäologische Team nun gefunden hat, reichen jedoch mindestens bis ins 12. Jahrhundert zurück. Der Friedhof wurde bis in die napoleonische Zeit genutzt, ehe Friedhöfe aus hygienischen Gründen aus den Innenstädten verlagert wurden.
Insgesamt konnten die Archäologinnen und Archäologen etwa 45 Bestattungen auf vier Quadratmetern identifizieren – eine enorm dichte Belegung. Besonders hervorzuheben ist das Skelett eines Pilgers, dem drei Jakobsmuscheln aus Santiago in den Sarg gelegt wurden. Darüber hinaus enthielt eine Grabgrube mehrere Personen – ein Indiz dafür, dass dort im 16. Jahrhundert Opfer einer Epidemie begraben wurden. Auch ein Schädel mit einem absichtlich zugefügten Loch zählt zu den bemerkenswerten Funden.
Kollegiale Zusammenarbeit bei zwei besonders zerbrechlichen Funden
In der zweiten Baumscheibe haben Schaub und seine ehrenamtlichen Hilfskräfte ganz aktuell zwei Säuglingsskelette freigelegt. Die Bestattung im selben Grab sowie das offensichtlich gleiche Alter der Skelette deuten auf einen möglichen Zwillingsfund hin. Stadtarchäologe Schaub erklärte: „Das sind Funde, die auch uns Expertinnen und Experten bewegen und die Schicksale der damaligen Bevölkerung offenbaren. Da die Knochen so filigran waren, haben wir direkt unsere Kolleginnen und Kollegen vom LVR-Landesmuseum Bonn informiert.“ Unmittelbar reisten nicht nur Restauratorinnen vom Museum, sondern auch Anthropologinnen und Anthropologen von der Universität Bonn nach Aachen, untersuchten die Skelette und legten sie mit größter Vorsicht frei. Dabei staunten sie über die gut erhaltenen Aachener Funde. Es gelang sogar, die kleinsten menschlichen Knochen, die Steigbügelknochen im Ohr, zu bergen. „Diese Knochen sind kleiner als ein Reiskorn“, veranschaulichte Schaub.
Im Süden war der Friedhof durch eine Mauer begrenzt, die zugleich den Rechtsbezirk der Münsterimmunität markiert. Das Team um Andreas Schaub konnte diese Mauer wie erhofft nachweisen. Sie liegt vermutlich direkt über einer Mauer der römischen Thermen. Von diesen fanden sich verlagerte Teile der einst reichen Innenausstattung wie Mosaiksteine oder Marmorplättchen. Einige verlagerte Scherben des frühen Mittelalters belegen die durchgehende Besiedlung des Münsterplatzes seit römischer Zeit.
Wissenschaftliche Auswertung der Funde
Das archäologische Team birgt die Funde, dokumentiert und inventarisiert sie. Ein Mediziner, der derzeit an seiner Doktorarbeit zu den Funden auf dem Münsterplatz arbeitet, wird die Knochen anthropologisch untersuchen und wissenschaftlich auswerten. Nach Abschluss dieser Untersuchungen werden die Aachener Funde im Depot des LVR-Landesmuseums in Meckenheim aufbewahrt.
Die Grabungen an diesem stark frequentierten Platz zogen in den vergangenen Monaten die Aufmerksamkeit unzähliger Passantinnen und Passanten auf sich. Kein Wunder, waren doch die Skelette mit dem bloßen Auge in den Pflanzgruben zu entdecken. Die Archäologinnen und Archäologen beantworteten die Fragen von Klein und Groß mit viel Geduld. Damit die Arbeiten aber dadurch nicht beeinträchtigt wurden, gestaltete der städtische Fachbereich Kommunikation und Stadtmarketing kurzerhand Plakate, die die Grabungen erläuterten.
Neue Linden nach Abschluss der Grabungen
Sven Rachau vom Bereich Grünplanung und -bau des Fachbereichs Klima und Umwelt erläuterte das weitere Vorgehen mit den zwei Baumscheiben: „Sobald die archäologischen Arbeiten an der vorderen Pflanzgrube beendet sind, werden wir diese auffüllen und mit Unterstützung des Stadtbetriebs mit einem bunten Flor bepflanzen. So können wir die Baustellenfläche auf dem Münsterplatz schnellstmöglich verkleinern.“ Voraussichtlich ab der nächsten Pflanzperiode im September werden die Archäologinnen und Archäologen auch die zweite Grube freigegeben haben. Dann werden wieder zwei Linden in die Baumscheiben eingesetzt und damit das Lindenensemble auf dem Münsterplatz wiederhergestellt.

Quelle: aachen.de
Archäologinnen und Archäologen entdecken Skelette und Mauerfunde auf dem Münsterplatz
Die archäologischen Ausgrabungen in zwei Baumscheiben auf dem Münsterplatz am Aachener Dom haben die ersten großen Ergebnisse hervorgebracht: Insgesamt sieben Skelette und die Mauergrenze der ehemaligen Münsterimmunität konnten Stadtarchäologe Andreas Schaub und sein Team ehrenamtlicher Hilfskräfte des Archäologischen Arbeitskreises Aachen (AAA) freilegen.
Keine Überraschung, aber dennoch wichtige Erkenntnisse
Die Funde von menschlichen Überresten waren erwartbar, da bereits bekannt war, dass auf dem Münsterplatz bis ins 19. Jahrhundert hinein ein Friedhof existierte. Die Archäologinnen und Archäologen haben die jetzigen Skelettfunde bereits dokumentiert und entnehmen sie nun Grab für Grab. Zunächst werden sie in den Räumen der städtischen Archäologie gesäubert und inventarisiert, ehe sie ins Archiv des Landschaftsverbands Rheinland wandern. Auch wenn die Funde keine große Überraschung waren, können sie doch wichtige Erkenntnisse liefern: Bei anthropologischen Untersuchungen kann festgestellt werden, wie die Aachenerinnen und Aachener vor 300 bis 400 Jahren gelebt haben, wie gesund sie waren oder wie alt sie geworden sind.
Mauerreste der Münsterimmunität
Doch nicht nur das: In einer der ausgehobenen Baumscheiben entdeckten Schaub und sein Team die Mauerreste der ehemaligen Münsterimmunität, dem ehemaligen Rechtsbezirk rund um den Dom. Diese Mauer hätten die Forschenden eigentlich ein paar Meter weiter südlich vermutet. Die Mauer begrenzte zudem den ehemaligen Friedhof.
Die fleißigen Hände sind längst noch nicht fertig: Etwa 60 bis 70 Zentimeter gruben sie bisher; noch etwa einen Meter tiefer soll es gehen. „Ich gehe ganz stark davon aus, dass wir Reste der römischen Therme finden, wenn wir noch tiefer gehen“, erklärt Andreas Schaub. Der Münsterplatz befindet sich innerhalb der größten ehemaligen römischen Heilthermen Aachens, den Münsterthermen, und zwar in einem Abschnitt, der archäologisch weitgehend unerschlossen ist.
Wie lange die Grabung in den zwei Baumscheiben noch dauert, liegt zum einen an der Funddichte und zum anderen am Wetter. Derzeit geht der Stadtarchäologe davon aus, dass mit einer Grabungsdauer von drei Monaten zu rechnen ist. Im Anschluss werden die präparierten Baumscheiben mit zwei Linden bepflanzt, sodass dann das Baumensemble auf dem Münsterplatz wieder vollständig ist.

Quelle: aachen.de
Historische Schätze: Archäologische Ausgrabungen auf dem Münsterplatz„Das ist wie eine Operation am offenen Herzen“, fasste Stadtarchäologe Andreas Schaub die Arbeiten auf dem Münsterplatz direkt neben dem Aachener Dom bei einem Pressetermin am Mittwoch, 25. Februar, zusammen. In den kommenden Wochen werden er und ehrenamtliche Hilfskräfte des Archäologischen Arbeitskreises Aachen (AAA) in Handarbeit mit kleinen Schaufeln und Werkzeugen etwa 1,50 Meter tief graben und Schicht für Schicht Funde aus dem Barock, dem Mittelalter und der römischen Zeit dokumentieren. Die Arbeiten finden in zwei Baumscheiben statt, die im Nachgang mit zwei Linden wieder bepflanzt werden.
Ein seltener archäologischer Einblick
Nach einem Sturm mussten die beiden Linden 2023 entfernt werden. „In diesem Jahr soll das Baumensemble auf dem Münsterplatz mit zwei neuen Linden wieder so hergestellt werden, wie es vor dem Sturm war“, erklärt Sven Rachau vom Fachbereich Klima und Umwelt. Da die Baumscheiben zuerst präpariert werden müssen, bietet sich eine seltene Gelegenheit für die Archäologinnen und Archäologen: Der Münsterplatz befindet sich innerhalb der größten ehemaligen römischen Heilthermen Aachens, den Münsterthermen, und zwar in einem Abschnitt, der archäologisch weitgehend unerschlossen ist. Gebaut wird dort nur selten. Jeder Bodeneingriff an diesem historischen Ort wird archäologisch betreut und bietet interessante Funde.
Bereits nach zwei Tagen Grabungszeit gibt es erste Ergebnisse: Einen Zahn, bemalte Keramik und zwei barocke Tabakpfeifen aus Pfeifenton entdeckten die Fachleute bislang. Andreas Schaub und sein Team erhoffen sich tiefergehende Hinweise auf bis dato unbekannte Räume innerhalb der Thermen und auf die Nutzungsdauer der Gesamtanlage. In nachrömischer Zeit zählt das Areal zum engeren Pfalzbezirk. Ein unlängst in der Krämerstraße nachgewiesener Graben der Karolingerzeit könnte als östliche Begrenzung der Pfalz gedient haben. Sein Verlauf tangiert möglicherweise auch die Pflanzgruben. Außerdem war der Münsterkirchhof in früheren Jahrhunderten auch Friedhof, weshalb mit Gräbern gerechnet werden kann.
Aufwändige Handarbeit für vollständige Dokumentation
Aufgrund der außergewöhnlichen historischen Bedeutung des Platzes im Schatten des UNESCO-Weltkulturerbes Aachener Dom müssen die Pflanzgruben vollständig in Handarbeit abgetragen werden, um wirklich alle historischen Funde zu finden und dokumentieren zu können. „Archäologen agieren manchmal wie Forensiker im Tatort: Wir tragen Schicht für Schicht ab, bis wir auf einer Tiefe von 1,50 Meter sind. Dort können wir bereits den Übergang zur Römerzeit entdecken“, führt Andreas Schaub aus. Die aufwändige Dokumentation folgt festgelegten Vorgaben des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege.
Wie lange die Grabung nun dauert, liegt zum einen an der Funddichte und zum anderen am Wetter. „Bei intensiven Regentagen können wir Archäologen nicht arbeiten“, erläutert Schaub. Derzeit geht der Stadtarchäologe davon aus, dass mit einer Grabungsdauer von drei Monaten zu rechnen ist. Die neuen Linden werden dann entweder noch direkt im Anschluss im späten Frühjahr gepflanzt – spätestens jedoch in der nächsten Pflanzperiode ab September. Damit die Bäume möglichst lange den Münsterplatz verschönern können, werden die Baumscheiben vor der Pflanzung mit Baumsubstrat versetzt. Ziel ist, den Bäumen eine Standdauer von 60 bis 80 Jahren zu ermöglichen, was für Stadtbäume eine sehr lange Lebenszeit ist.

Quelle: aachen.de
Centre Charlemagne: Schüler rekonstruieren Inschrift aus der Römerzeit
Über einen Meter breit und fast 50 Zentimeter hoch muss er gewesen sein: Eine Schüler*innengruppe vom Heilig-Geist-Gymnasium Würselen aus der Archäologie- und der 3D-Druck-AG hat sich mit ihrem Lehrer Olaf Grodde an eine Rekonstruktion eines Inschriftensteins aus der Römerzeit gemacht. Drei Schüler übergaben nun das fertige Stück leihweise dem Centre Charlemagne. Das Stadtmuseum stellt die Replik der seltenen Inschrift aus der Römerzeit als Exponat im Rahmen der kommenden Ausstellung „Wer schreibt, der bleibt – Als die Römer uns die Schrift brachten“ vom 25. Mai bis 1. September 2024 aus.

Ein besonderes Zeitzeugnis
„Normalerweise sind alte Inschriften spröde und in Teile zersprungen. Deshalb ist es für uns besonders wertvoll, dass wir diese hier im Rahmen der Bildungspartnerschaft, die die Stadtarchäologie mit der Schule pflegt, in Originalgröße herstellen lassen konnten“, freut sich Dr. Frank Pohle, Leiter des Centre Charlemagne, über das Exponat für die kommende Wechselausstellung.
Das Original wurde zu Zeiten Kaiser Trajans (98-117 n. Chr.), unter dessen Herrschaft das Römische Reich seine größte Ausdehnung erreichte, in Aachen aufgestellt. Dort stand geschrieben, dass der Herrscher auf seine eigenen Kosten hier etwas bauen ließ. „Das ist nicht irgendeine Inschrift für Aachen. Dass Trajan hier selbst als Bauherr genannt wird, zeigt deutlich: Aachen stand schon vor Karl dem Großen in kaiserlicher Gunst. Das ist sehr selten“, weiß Stadtarchäologe Andreas Schaub. Die Inschrift entstand wahrscheinlich in der frühen Herrschaftszeit des Kaisers, als er noch als Statthalter Niedergermaniens im heutigen Köln weilte. Das lässt der Beiname Germanicus, der auf der Inschrift zu lesen ist, vermuten. Dieser Titel war einer der ersten des römischen Kaisers. Spätere Beinamen Trajans, die er während seiner Herrscherzeit ansammelte, sind in der Aachener Inschrift nämlich noch nicht aufgeführt.
Durch die Rekonstruktion eines Bruchstücks können sich Besucher*innen des Centres bald ein Bild davon machen, wie das römische Original einmal ausgesehen hat.

Aufwändige Rekonstruktion
Die Rekonstruktion erfolgte in Zeichnungen, Modellen, digital – und schließlich als 3D-Druck. Sie entstand im Rahmen der Teilnahme des Würselener Gymnasiums an dem Schulprogramm „denkmal aktiv“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.
„Die Rekonstruktion des Textes hatten zuvor bereits die Experten übernommen. Ich habe dann eine zweidimensionale Skizze angefertigt. Wir mussten die Rekonstruktion dünner machen, weil der Druck sonst noch mehr Zeit benötigt hätte“, erzählt Johannes aus der Archäologie-AG des Gymnasiums. Wie lange es gedauert hat die Teile herzustellen, berichtet Avaneesh aus der 3D-Druck-AG: „Wir haben immer schon vor dem Unterricht einmal den Drucker laufen lassen, damit wir nach Schulschluss über Nacht das nächste Teil drucken lassen konnten. Bei großen Teilen hat das manchmal bis zu 15 Stunden gedauert.“
Die Zusammenarbeit des Heilig-Geist-Gymnasiums und der Stadtarchäologie Aachen besteht im Rahmen des Programms der Geschäftsstelle „Bildungspartner NRW“ bereits seit 2020.
Katschhof-Grabung: So entwickelte sich Aachen über die Römerstadt hin zur Pfalz und Mittelalterstadt- Überreste der alten Befestigungsanlage stammen vermutlich aus dem
Jahrhundert nach Christus. - Fachfirma sk ArcheoConsult, die die Überreste entdeckt hat, Stadtarchäologe Andreas Schaub und Stadtbaurätin Frauke Burgdorff sprechen von bedeutsamem Fund für die Aachener Stadtgeschichte.
- Die Arbeiten der Regionetz schreiten in der Pontstraße unterdessen voran. Die Archäolog*innen sammeln parallel weitere wichtige Erkenntnisse.
Der Blick in die Baugrube führt direkt ins Römerreich. „Wo hat man schon einmal die Gelegenheit, derart ungefiltert fast 2000 Jahre zurück in die Geschichte unserer Stadt zu blicken?“, sagt Stadtbaurätin Frauke Burgdorff an diesem Dienstag (19. März) in der Pontstraße und schaut auf Überreste eines spätrömischen Kastells, die vor ihr aus der Erde ragen. Neben ihr stehen Dr. Donata Kyritz von sk ArcheaoConsult, Stadtarchäologe Andreas Schaub und Regionetz-Bauleiter Ralf Jansen. „Auf der Schippe liegt die Wahrheit“ ist liebgewonnener Spruch in Archäologen-Kreisen. In Aachen gilt diese Weisheit allemal. Sie ist regelrecht identitätsstiftend für die Stadt. Denn die neueste Entdeckung in der Pontstraße zementiert weiterhin Aachens geschichtsträchtige Bedeutung bis weit in die Römerzeit hinein.

Der Blick in die Baugrube führt direkt ins Römerreich: Bei Bauarbeiten in der Pontstraße sind Reste eines spätrömischen Kastells gefunden worden.
Foto: Stadt Aachen / Stefan Herrmann
Sieben Meter langes Mauerstück ausgegraben
Den spannenden Fund hat das Team von sk ArcheoConsult gemacht. Die archäologische Fachfirma begleitet die Baumaßnahme der Regionetz. Die Regionetz erneuert dort die Versorgungsleitungen für Wasser, Gas und Strom sowie deren Hausanschlüsse und baut das umweltfreundliche Fernwärmenetz aus. Nach wenigen Tagen stieß man auf die ersten Funde, die zu intensiveren Untersuchungen führen.
„Während der Reparatur eines Kanalhausanschlusses wurde das Fundament eines mächtigen Mauerwerks freigelegt, das aufgrund der Bautechnik römischer Zeitstellung sein muss“ erläutert Dr. Donata Kyritz. „In Längsrichtung konnte das Fundament noch einige Meter Richtung Markt verfolgt werden. Hier zeigte sich nun auch eine letzte Reihe Quadermauerwerk. Die genauen Maße konnten bislang allerdings weder in Längs – noch in Querrichtung erfasst werden.“ Bislang wurde die römische Mauer auf einer Länge von rund sieben Metern freigelegt. Sie ist mindestens 90 Zentimeter breit. Doch viele Antworten schlummern noch im Erdreich. Denn Anfang- und Endpunkte des Mauerwerks hat das Archäologen-Team bislang nicht entdeckt.
Stadtarchäologe Andreas Schaub ordnet ein: „Seit rund 140 Jahren vermutete man ein spätrömisches Kastell in Aachen, aber erst zwischen 2011 und 2014 gelang es, aus der Vermutung Gewissheit werden zu lassen und die Anlage zu lokalisieren.“ Damals wurde in enger Kooperation zwischen der Stadtarchäologie und der Firma ArcheoConsult Befunde des sogenannten Castrum rund um den Markthügel entschlüsselt.

Stellten den archäologischen Fund in der Pontstraße vor: (v.l.) Stadtarchäologe Andreas Schaub, Dr. Donata Kyritz (sk ArcheoConsult), Stadtbaurätin Frauke Burgdorff, Ann-Kristin Jäger (sk ArcheoConsult) und Regionetz-Projektleiter Ralf Jansen.
Foto: Stadt Aachen / Stefan Herrmann
Von der römischen Wehrmauer zur Königshalle Karls des Großen
Nach einer Zerstörung Aachens im Zuge fränkischer Plünderungszüge um 275/276 n. Chr. wurde der gesamte Markthügel durch eine im Fundament über fünf Meter breite Mauer mit Rundtürmen bewehrt. Ihr vorgelagert war ein rund sechs Meter breiter Graben. Letzterer wurde 2011 auf dem Katschhof entdeckt. Vergleichbare Kastelle kennt man aus Jülich, Bitburg und Jünkerath Die spätrömische Wehrmauer wurde durch Karl den Großen weitergenutzt. Seine Königshalle (das heutige Rathaus) wurde auf seiner Südflanke errichtet. Erst im 12. Jahrhundert wurden die Kastellmauern niedergelegt. Auch heute ist davon noch etwas zu sehen. Unter einer Glasplatte im Gebäude Markt 46 (Restaurant Five Guys) können Menschen ein erhaltenes Mauersegment mit Ansatz eines der runden Türme betrachten.
Der nun angetroffene Mauerrest verläuft in der Pontstraße parallel zu dieser. „Es könnte sich dabei um Reste eines Tores handeln“, vermuten Schaub und Kyritz. Weitere Tore vermuten die Expert*innen im Verlauf der Jakobsstraße an der Einmündung in den Markt und am Beginn der Großkölnstraße. Konkrete Befunde gibt es dafür allerdings nicht.
Ziel ist es, den beachtenswerten aktuellen archäologischen Fund so gut es geht zu erhalten. Hierzu laufen derzeit intensive Absprachen. Nach der Begutachtung und der Dokumentation der archäologischen Funde wird die Baumaßnahme an der Stelle wie geplant weitergeführt. Grundsätzlich gehen die Schachtungsarbeiten in der Pontstraße unter archäologischer Aufsicht bereits weiter.

Im Jahr 2011 wurden die ersten Nachweise gefunden: In Aachen gab es ein spätrömisches Kastell.
Zeichnung: Stadt Aachen / Andreas Schaub
Katschhof: Archäologen graben alte Karlsmünze aus- Stadtarchäologie und Centre Charlemagne begrüßen gemeinsam mit Kooperationspartnern zahlreiche Fachleute zu einer hochkarätigen Tagung in Aachen.
- Thema sind die spannenden Forschungen zu den „Frühmittelalterlichen Herrschersitzen“.
- Geschichtsinteressierte Bürger*innen sind zum Auftakt am Dienstag, 8. November, zum öffentlichen Vortrag des Archäologen Ferdinand Heimerl ab 19.30 Uhr ins Centre Charlemagne eingeladen. Weitere Veranstaltungen am Mittwoch und Donnerstag. Als alter Herrschersitz, als Stadt Karls des Großen, als eines der großen Machtzentren des frühen Mittelalters bietet das moderne Aachen in diesem Jahr die perfekte Bühne für eine hochkarätig besetzte internationale Historiker- und Archäologentagung. Unter dem Titel „Frühmittelalterliche Herrschersitze und der Norden – Machtzentren zwischen Diplomatie, Wissenstransfer und Wirtschaft“ findet sie vom 8. bis zum 10. November im Centre Charlemagne statt.

Freuen sich auf spannnende Vorträge im Centre Charlemagne: Stadtarchäologe Andreas Schaub (l.) und Prof. Frank Pohle. Foto: Stadt Aachen / Lena Hoof
Besucher*innen sind herzlich willkommen!
Zum Auftakt der viertägigen Veranstaltung lädt die Stadt Aachen gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern alle interessierten Bürger*innen zu einem öffentlichen Vortrag ein: Der renommierte Archäologe Ferdinand Heimerl spricht am Dienstag, 8. November, zum Thema „Ein Abglanz imperialer Macht – Zur Entwicklung der ehemaligen Kaiserresidenz Trier und des Trierer Landes im Frühmittelalter“. Die Begrüßung übernehmen Bürgermeisterin Hilde Scheidt und Aachens Stadtarchäologe Andreas Schaub. Beginn der Veranstaltung im Centre Charlemagne, Katschhof 1, ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Gemeinsam mit Prof. Frank Pohle, Leiter des Centre Charlemagne, freut sich Stadtarchäologe Andreas Schaub sehr auf die besonderen Tage. „Pfalzenforschung und Aachen hat eine lange Tradition. Seit rund 15 Jahren finden sich Spezialisten aus Geschichtsforschung und Archäologie in einem Arbeitskreis zum regelmäßigen fachlichen Austausch zusammen. Wir sind stolz, in diesem Jahr Gastgebende des internationalen Fachkreises sein zu dürfen, bei dem erstmals der Blick auch nach Nordeuropa gelenkt wird”, sagte Schaub bei der Vorstellung des Tagungsprogramms im Rahmen eines Pressegesprächs am Freitag (4. November). Frank Pohle ergänzte: „Nachdem im Umfeld des Karlsjubiläums 2014 wichtige Impulse zur frühmittelalterlichen Pfalzenforschung aus Aachen gekommen sind, freuen wir uns ganz besonders, jetzt wieder einmal eine bedeutende internationale Fachtagung im Centre Charlemagne beherbergen zu können.“
Historisches Aachen am 10. November im Fokus
Die diesjährige Tagung in Aachen, zu der Fachleute aus dem In- und Ausland anreisen, findet an einem zentralen Ort der Karolinger und des europäischen Frühmittelalters statt. Im Herzen des fränkischen Reiches gelegen, gehörte Aachen zu den wichtigsten Herrschaftssitzen jener Zeit. Zudem fand hier eine Vermittlung zwischen zwei Welten, dem „wilden“ Norden und dem „zivilisierten“ Süden statt. Das Aachener Programm vom 8. bis zum 10. November besticht im Centre durch gut 15 Fachvorträge, zu denen interessierte Zuhörer*innen ebenfalls herzlich eingeladen sind. Die aktive Teilnahme an den Diskussionen im Rahmen der Tagung ist den Fachleuten vorbehalten. Aachener Themen stehen am Donnerstag, 10. November, im Fokus des Interesses. Ab 14 Uhr spricht RWTH-Historiker Prof. Harald Müller über „Das Aachen der Karolinger. Konjunkturen eines Zentralorts“ (Moderation: Frank Pohle), anschließend stellt Andreas Schaub anhand seiner archäologischen Arbeit „Aachen im Frühmittelalter“ vor. Den Abschluss bildet der Vortrag „Zwischen Befund und Topos. Die mittelalterliche (Re-)Konstruktion der römischen Vergangenheit Aachens im Spiegel ausgewählter archäologischer Befunde“ von Patrick Kremser.
Die Diskussionen der im Jahr 2018 in Ingelheim und im Jahr 2019 in Mayen durchgeführten Tagungen zeigten ein großes Interesse und den Bedarf, die Themenschwerpunkte geographisch nach Norden zu erweitern. Bei der diesjährigen Fachtagung werden vor allem die gegenseitigen Einflüsse sowie die Genese vieler archäologischer und historischer Phänomene präsentiert, verglichen und (neu) interpretiert. Im Fokus des internationalen wissenschaftlichen Kreises liegen zum einen die Architektur- und Bauüberreste unter anderem von Haithabu, Schleswig und Starigard-Oldenburg. Zum anderen werden die gegenseitigen Kontakte und der Warenaustausch des Nordens mit den südlich gelegenen Macht- und Wirtschaftszentren, wie z.B. Aachen, Köln, Trier, Ingelheim oder Mayen, breit thematisiert.
Die Herrschersitze gehörten im Mittelalter zu den wichtigsten Stützen der Macht. Sie dienten der Kommunikation und der Kontaktpflege auf lokaler, regionaler und überregionaler Ebene. Sie bildeten einen Treffpunkt des Zusammenkommens und Zusammenwirkens ganz unterschiedlicher Interessensgruppen. Zudem bündelten Herrschersitze den diplomatischen Austausch, prägten den Wissenstransfer und wirkten als Schaltzentralen der Wirtschaft. Zwischen diesen Säulen der Macht zirkulierten die Menschen, die innovativen Ideen sowie Waren aller Art, was archäologisch und (bau-)historisch nachweisbar ist.
Veranstalter der Tagung ist die Stadt Aachen mit der Stadtarchäologie und dem Stadtmuseum Centre Charlemagne. Kooperationspartner sind das Historische Institut der RWTH Aachen, Lehrstuhl für Mittlere Geschichte; das Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie Kompetenzbereich Vulkanologie, Archäologie und Technikgeschichte Mayen; die Stadt Ingelheim am Rhein, Forschungsstelle Kaiserpfalz; das Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie, Schleswig; das Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie, Frankfurt am Main; der Arbeitskreis Pfalzenforschung.
Weitere Infos:
Kurzfassung des Vortrags von Ferdinand Heimerl zu „Ein Abglanz imperialer Macht – Zur Entwicklung der ehemaligen Kaiserresidenz Trier und des Trierer Landes im Frühmittelalter“:
In der Spätantike war Trier als Hauptstadt der nordgallischen Diözese und der Provinz Belgica prima, als Münzstätte, Bischofssitz, Sitz des Praetorianerpraefekten und insbesondere als Kaiserresidenz ein herausragendes Machtzentrum. Mit dem Abzug der Residenz und der Praetorianerpraefektur im späten 4. Jh. verlor die Stadt an Bedeutung. In der ersten Hälfte des 5. Jhs. soll Trier von zahlreichen Zerstörungen heimgesucht worden sein, die zu einer Verödung der ganzen Stadt geführt hätten. Die Zerstörungen lassen sich im archäologischen Befund jedoch nicht fassen und eine vermeintliche Lücke im Fundgut des „dunklen“ 5. Jhs. lässt sich durch neuere Studien zur Materialchronologie schließen. Der Vortrag soll anhand der archäologischen Evidenz zeigen, wie sich das spätantike Machtzentrum Trier mit seinem Umland im Frühmittelalter als bedeutende Siedlungslandschaft fortentwickelte. Behandelt werden die Siedlungstopografie (Weiter- bzw. Umnutzung spätantiker Bausubstanz sowie frühmittelalterliche Neubauten), die Sepulkraltopografie (Weiterbelegung bzw. Neugründung von Bestattungsplätzen) sowie die Sakraltopografie (Kirchen- und Klosterwesen) in Trier und im Trierer Land. Älteren Forschungsansätzen werden hier auch aktuelle Neufunde der GDKE/Landesarchäologie Trier gegenübergestellt. Schließlich werden ausgewählte Materialgattungen diskutiert, um den Wissenstransfer handwerklicher Produktionsabläufe, Wirtschaftskreisläufe und weitreichende Fernkontakte zu illustrieren. Ausgehend von der Spätantike soll der Vortrag eine Brücke zu den frühmittelalterlichen Herrschersitzen und deren Fernbeziehungen schlagen.
Das öffentliche Programm
Alle Tagungstermine finden im Centre Charlemagne, Katschhof 1, statt.
Dienstag,8. November 2022
- 19.30 Uhr: Öffentlicher Vortrag: Ein Abglanz imperialer Macht – Zur Entwicklung der ehemaligen Kaiserresidenz Trier und des Trierer Landes im Frühmittelalter (Ferdinand Heimerl); zuvor gibt es ein Grußwort von Hilde Scheidt, Bürgermeisterin der Stadt Aachen, Stadtarchäologe Andreas Schaub begrüßt zur Tagung
Mittwoch, 9. November 2022
- 9 Uhr: Einführung in das Tagungsthema (Matylda Gierszewska-Noszczyńska, Oliver Grimm, Lutz Grunwald Moderation: Oliver Grimm) 9.30 Uhr: Einflüsse der Pfalzenarchitektur auf Königshöfe im frühmittelalterlichen Skandinavien – Birka-Korshamn, karolingerzeitliche Tissø-Anlagen und die salierzeitliche Pfalz in Schleswig? (Sven Kalmring)
- 10 Uhr: Königslandschaft an der Schlei – Danewerk, Haithabu und Schleswig in diachroner Perspektive (Thorsten Lemm)
- 11 Uhr: Einfluss aus dem Süden auf repräsentative Architektur im Norden? Von Starigard-Oldenburg für das Westslawische hin zu Avaldsnes für Südwest- und Borg für Nordnorwegen (Oliver Grimm, Moderation: Sven Kalmring/Thorsten Lemm)
- 11.30 Uhr: The distribution of coarse ware and Mayen ware in the northern Netherlands (Angelique Kaspers)
- 13.30 Uhr: Wirtschaft, Handel und Politik – Zeugnisse der Fernkontakte in den Norden aus archäologischen und historischen Quellen zu Ingelheim (Matylda Gierszewska-Noszczyńska/Ramona Kaiser, Moderation: Holger Grewe) 14 Uhr: Die Region um Frankfurt als Kontaktzone zum Norden – eine Spurensuche (Caspar Ehlers)
- 15 Uhr: Handelsgüter oder Händlerhaushalt – Rheinische Keramik im Nord- Ostseeraum (Christoph Keller, Moderation: Lutz Grunwald)
- 15.30 Uhr: Trier und der Friesenhandel (Lukas Clemens)
- 16 Uhr: Schlussdiskussion
Donnerstag, 10. November 2022
- 9 Uhr: The short 5th century: up-to-date data and views of the transition from Roman Britain to Anglo-Saxon England (John Hines, Moderation: Caspar Ehlers)
- 10 Uhr: How did aristocrats live in Merovingian and early Carolingian times? An archaeological enigma (Frans Theuws)
- 11 Uhr: Die imperiale Stadt und ihr Hinterland – Transkulturelle Perspektiven auf Aachen und Karakorum (Susanne Reichert, Moderation: Matylda Gierszewska-Noszczyńska)
- 11.30 Uhr: Colnaburch / Köln, das mittelalterliche Macht- und Wirtschaftszentrum und seine Kontakte mit dem Norden (Thomas Höltken)
- 12 Uhr :Frühmittelalterliches Fundgut als Nachweis für individuelle Fernkontakte, kriegerische Handlungen und Wirtschaftsbeziehungen mit dem Norden: Der Raum Mittelrhein und Untermosel (Lutz Grunwald)
- Ab 14 Uhr: Das Aachen der Karolinger. Konjunkturen eines Zentralorts. (Harald Müller, Moderation: Frank Pohle) Aachen im Frühmittelalter – Archäologische Spuren (Andreas Schaub) Zwischen Befund und Topos. Die mittelalterliche (Re-)Konstruktion der römischen Vergangenheit Aachens im Spiegel ausgewählter archäologischer Befunde (Patrick Kremser)
- 17 Uhr: Schlussdiskussion

- Seit Jahrzehnten wurde die alte Römertrasse im Aachener Nordwesten vermutet. Beim Kanalbau für das Bürogebäude „Office West“ fand ein Expertenteam nun Belege
- Die Straße wurde noch bis weit ins späte Mittelalter hinein genutzt. Zudem entdeckten die Expert*innen Spuren einer bis dato völlig unbekannten mittelalterlichen Siedlung.
- Stadtbaurätin Frauke Burgdorff lobt die vorbildliche Zusammenarbeit von Projektentwickler und Archäologen.
Bei archäologischen Untersuchungen im Nordwesten der Aachener Innenstadt sind spannende Entdeckungen gemacht worden. Dort, im Süsterfeld, errichtet die Aachener Firma DERICHS u KONERTZ gemeinsam mit Famos Immobilien aus Korchenbroich derzeit das Bürogebäude „Office West“, welches die RWTH Aachen University langfristig angemietet hat. Schon bevor die ersten Bagger für die Kanalbaumaßnahme anrückten, vermuteten die Experten um Stadtarchäologe Andreas Schaub, dass in dem Bereich Interessantes über Aachens Geschichte im Erdreich schlummern könnte. „Grund dafür ist eine römische Siedlung, die beim Bau von Pariser bzw. Toledoring Anfang der 1980er Jahre entdeckt und deren Fortsetzung im Baufeld vermutet wurde“, erklärte Schaub bei einem Pressetermin am Freitag (13. Mai) vor Ort.

Gute Zusammenarbeit, spannende Entdeckungen: Stadtarchäologe Andreas Schaub (r.) erläuterte (v.l.) Patrick Düntzer (archeo consult), RWTH-Dezernentin Geva Aschhoff, Stadtbaurätin Frauke Burgdorff, Claus Steufmehl und Max Posé (Famos Immobilien) den Fund der Römerstraße.
Gute Abstimmung zwischen allen Beteiligten
Die römische Siedlung lag unmittelbar an der römischen Straße Aachen – Heerlen – Xanten. Um deren exakten Verlauf im Plangebiet zu ermitteln, wurden seitens der Stadtarchäologie zwei Sondierungsgräben angelegt. Dieses Vorgehen war schon in einem frühen Planungsstadium des Projektes mit den Verantwortlichen der beiden Investoren und gemeinsam mit dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland abgestimmt worden. „Die frühzeitige, transparente Einbindung aller Beteiligten sorgte dafür, dass wir einerseits einen hoch spannenden Einblick in die Historie unseres Grundstücks erlangen konnten und andererseits unplanmäßigen Verzögerungen im späteren Hochbau vorgebeugt werden kann“, so Dr. Achim Buschmeyer, Geschäftsführer bei DERICHS u KONERTZ. „Die Römerstraße wurde tatsächlich in der östlichen der beiden Sondierungsflächen in rund zwei Metern Tiefe angetroffen. Sie bestand aus einer kompakten Schicht aus Feuersteinkies“, erläuterte Schaub. Durch die intensive Nutzung der Straße hatten sich tiefe Karrenspuren in die Trasse eingegraben. Dort fand sich unter anderem ein zerbrochenes Hufeisen.

Andreas Schaub: „Dieser Fund stammt sicher aus nachrömischer Zeit und zeigt an, dass die Straße auch noch lange nach den Römern bestanden hatte. In Flurkarten des 18. und 19. Jahrhunderts lebte sie als ‚Süstergasse‘ fort. Diese führte weiter nach Nordwesten, an der Ölmühle vorbei über den Wildbach. Knapp neben dem Wildbachübergang lag auch das seit der Karolingerzeit bestehende Hofgut Schurzelt.“ Die erneut spannende Entdeckung des Aachener Archäologieteams freut auch Stadtbaurätin Frauke Burgdorff, die sich vor Ort gemeinsam mit Geva Aschhoff, Leiterin des RWTH-Dezernats Facility Management, ein Bild machte. Burgdorff sagte: „Neben dieser fachlichen Entdeckung ist wirklich zu betonen, dass hier die Zusammenarbeit zwischen Bauherren und Stadt vorbildlich, Hand in Hand und in wechselseitiger Unterstützung gelaufen ist. So gut abgestimmt muss man vor den Römern keine Angst haben.“
Sogar Hinweise auf vorrömische Siedlung gefunden
Die Grabungen zeigen, dass die Straßentrasse nach der Römerzeit mindestens zweimal grundlegend erneuert wurde. Mindestens in einem Fall geschah dies, nachdem sich anstelle der Straßentrasse eine Art Teich gebildet hatte. Es wird derzeit an der RWTH (Lehr- und Forschungsgebiet Neotektonik und Georisiken) untersucht, ob es sich dabei um die Folge einer seismisch beeinflussten Bodenverschiebung handelte, die einen natürlichen Abfluss anfallenden Hangwassers vom Hörnhügel verhinderte. Im zweiten Sondierungsschnitt fanden sich überraschenderweise Spuren einer bis dato völlig unbekannten mittelalterlichen Siedlung. Nach den Funden zu schließen, bestand sie etwa zwischen dem 12. und 15./16. Jahrhundert.

Einzelne Keramik- und Feuersteinfunde deuten zudem auf eine vorrömische Besiedlung im näheren Umfeld hin, von der sich in den Sondagen aber keine weiteren Spuren nachweisen ließen. War für die Sondagen die Stadtarchäologie verantwortlich, so erfolgt die weitere archäologische Begleitung des Bauvorhabens durch die archäologische Fachfirma sk ArcheoConsult aus Aachen. Diese konnte bereits bei ersten Kanalbauarbeiten ebenfalls die Römerstraße untersuchen. Völlig überraschend wurde dabei auch eine römische Holzwasserleitung gefunden, die möglicherweise eine unweit des Plangebiets liegende Badeanlage speiste.




