Stadtarchäologie beendet Grabung am Münsterplatz

 

Mit einer großen Schippe fing Ende Februar 2026 am Münsterplatz alles an. Doch schnell kamen vor allem Pinsel und weiteres feines Werkzeug zum Einsatz. Die Schaufeln standen fortan eher am Rande der beiden Gruben mitten in der Aachener City. „In der rund sechsmonatigen Untersuchung ist es uns erstmals möglich gewesen, detaillierte Einblicke in den alten Münsterkirchhof zu bekommen“, zog Stadtarchäologe Andreas Schaub im Rahmen eines Pressetermins am Dienstag (22. September) eine rundum positive Bilanz nach der intensiven Grabungszeit.

 

Seltene Grabungsgelegenheit auf dem Münsterplatz
Ein gutes halbes Jahr lang haben sich Stadtarchäologe Andreas Schaub und ehrenamtliche Hilfskräfte des Archäologischen Arbeitskreises (AAA) in Handarbeit Schicht für Schicht durch zwei Baumscheiben gearbeitet. Die beiden zuvor dort gepflanzten Linden waren 2023 einem Sturm zum Opfer gefallen. Nun, nach dem Abschluss der archäologischen Arbeiten, werden erneut zwei Linden in die Baumscheiben gepflanzt. Da die Baumscheiben zunächst präpariert werden müssen, bot sich in den vergangenen Monaten eine seltene Gelegenheit für die Archäologinnen und Archäologen: Denn gebaut – vor allem in die Tiefe gegraben – wird am Münsterplatz nur selten. Jeder Bodeneingriff an diesem historischen Ort wird daher archäologisch betreut und ermöglicht interessante Funde.

 

Hauptzugang zu den römischen Heilthermen?
In der zweiten Grube, die in den vergangenen Wochen intensiv untersucht worden ist, wurde unter anderem die Grenzmauer der Immunität des Marienstifts zum städtischen Gebiet freigelegt. Überraschend war dabei der Fund eines gleichzeitig mit der Mauer errichteten und bis dato unbekannten großen Brunnens. „Damit konnten wir ein kleines Rätsel entschlüsseln“, erläuterte Andreas Schaub. „Auf grafischen Darstellungen des 16./17. Jahrhunderts war an dieser Stelle nämlich ein bisher nicht gedeutetes Bauwerk verzeichnet, das sich nunmehr identifizieren lässt. Der im 16. Jahrhundert bereits aufgegebene Brunnen gründet überraschenderweise auf einer römischen Straße. Nach Lage der Dinge kann dies der Hauptzugang zu den römischen Heilthermen, den so genannten „Münsterthermen“, gewesen sein“, so der Stadtarchäologe weiter.

 

Dank der tatkräftigen Unterstützung der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer konnte die Stadtarchäologie zudem rund 60 Gräber des 12. bis 18. Jahrhunderts dokumentieren. „Besonders berührend war eine aufwändig ausgestattete Doppelbestattung zweier Säuglinge, die mithilfe von Restauratorinnen und Anthropologinnen seitens des LVR-Landesmuseums und der Universität Bonn sachgerecht freigelegt und geborgen wurde“, erzählte Schaub. Durch zwischenzeitlich begonnene Recherchen in Tauf- und Sterberegistern der Pfarre von St. Foillan soll herausgefunden werden, um wen es sich bei dem mutmaßlichen Zwillingspärchen genau handelte.

 

Funde aus Römer, Merowinger- und Karolingerzeit
Die gesamten Skelettfunde werden weiter bearbeitet. Sie sollen im Rahmen einer Dissertation an der RWTH Aachen nähere Erkenntnisse zur Aachener Bevölkerung in Mittelalter und früher Neuzeit erbringen und auch klären, ob ein Teil der Toten tatsächlich einer Epidemie im 16. Jahrhundert zum Opfer fiel.

 

Unter den zahlreichen geborgenen Fundstücken ragen mit Goldfolie überzogene Glasmosaiksteine heraus, die aus den römischen Thermen stammen dürften. Keramikfunde aus Merowinger- und Karolingerzeit, mittelalterliche Pilgermuscheln und Teile zerbrochener Pilgerhörner, die vermutlich bei Heiligtumsfahrten im Einsatz waren und dabei zu Bruch gingen, runden das reiche Fundspektrum ab.

 

Die Ergebnisse aus der ersten Baumscheibe gewährten bereits einen Einblick in längst vergangene Zeiten: In erster Linie wurden umfangreiche Reste des mittelalterlichen Friedhofs entdeckt, dem Münsterkirchhof. Er ist seit dem 13. Jahrhundert überliefert. Die ältesten Gräber, die das archäologische Team gefunden hat, reichen jedoch mindestens bis ins 12. Jahrhundert zurück. Der Friedhof wurde bis in die napoleonische Zeit genutzt, ehe Friedhöfe aus hygienischen Gründen aus den Innenstädten verlagert wurden.

 

Die Grabungen am prominenten Platz zogen in den vergangenen Monaten die Aufmerksamkeit unzähliger Passantinnen und Passanten auf sich. Die Archäologinnen und Archäologen beantworteten so intensiv wie selten zuvor die Fragen von Klein und Groß mit viel Geduld. Damit die Arbeiten nicht allzu sehr beeinträchtigt wurden, gestaltete der städtische Fachbereich Kommunikation und Stadtmarketing im Sommer Plakate, die die Grabungen erläuterten.   

 

Neue Linden nach Abschluss der Grabungen
Sarah Hartung vom Bereich Grünplanung und -bau des Fachbereichs Klima und Umwelt freut sich, dass nun in Kürze die beiden neuen Linden gepflanzt werden können. Damit endet zwar das von vielen tausend Menschen im Sommer beobachtete archäologische Abenteuer im Herzen der Stadt. Zugleich wachsen aber schon bald neue Schattenspender auf dem Münsterplatz, die die Menschen künftig ebenso erfreuen werden. „Damit stellen wir das Lindenensemble auf dem Münsterplatz wieder her“, so Hartung.

 

 

Quelle: aachen.de

Zwischenbilanz der archäologischen Grabungen am Münsterplatz: Außergewöhnliche Zeugnisse der Stadtgeschichte

„Aachen ist eine Stadt, die stolz ist auf ihr historisches Erbe. Dieses zu bewahren, heißt, es zu erkunden. Archäologische Arbeiten wie hier prominent am Münsterplatz machen unsere Geschichte auch für die Bürgerinnen und Bürger greifbar“, hob Oberbürgermeister Dr. Michael Ziemons bei der Vorstellung der Zwischenergebnisse der archäologischen Grabungen nahe dem Dom hervor.

 

Seltene Grabungsgelegenheit auf dem Münsterplatz
Seit Ende Februar arbeiten sich Stadtarchäologe Andreas Schaub und ehrenamtliche Hilfskräfte des Archäologischen Arbeitskreises (AAA) in Handarbeit Schicht für Schicht durch zwei Baumscheiben. Die beiden zuvor dort gepflanzten Linden waren 2023 einem Sturm zum Opfer gefallen. Nach Abschluss der archäologischen Arbeiten werden erneut zwei Linden in die Baumscheiben gepflanzt. Da die Baumscheiben zunächst präpariert werden müssen, bot sich eine seltene Gelegenheit für die Archäologinnen und Archäologen: Gebaut wird am Münsterplatz nur selten. Jeder Bodeneingriff an diesem historischen Ort wird archäologisch betreut und ermöglicht interessante Funde.

 

Mittelalterlicher Friedhof mit außergewöhnlichen Bestattungen
Die Ergebnisse aus der ersten Baumscheibe gewähren einen Einblick in längst vergangene Zeiten: In erster Linie wurden umfangreiche Reste des mittelalterlichen Friedhofs entdeckt, dem Münsterkirchhof. Er ist seit dem 13. Jahrhundert überliefert. Die ältesten Gräber, die das archäologische Team nun gefunden hat, reichen jedoch mindestens bis ins 12. Jahrhundert zurück. Der Friedhof wurde bis in die napoleonische Zeit genutzt, ehe Friedhöfe aus hygienischen Gründen aus den Innenstädten verlagert wurden.

 

Insgesamt konnten die Archäologinnen und Archäologen etwa 45 Bestattungen auf vier Quadratmetern identifizieren – eine enorm dichte Belegung. Besonders hervorzuheben ist das Skelett eines Pilgers, dem drei Jakobsmuscheln aus Santiago in den Sarg gelegt wurden. Darüber hinaus enthielt eine Grabgrube mehrere Personen – ein Indiz dafür, dass dort im 16. Jahrhundert Opfer einer Epidemie begraben wurden. Auch ein Schädel mit einem absichtlich zugefügten Loch zählt zu den bemerkenswerten Funden.

 

Kollegiale Zusammenarbeit bei zwei besonders zerbrechlichen Funden
In der zweiten Baumscheibe haben Schaub und seine ehrenamtlichen Hilfskräfte ganz aktuell zwei Säuglingsskelette freigelegt. Die Bestattung im selben Grab sowie das offensichtlich gleiche Alter der Skelette deuten auf einen möglichen Zwillingsfund hin. Stadtarchäologe Schaub erklärte: „Das sind Funde, die auch uns Expertinnen und Experten bewegen und die Schicksale der damaligen Bevölkerung offenbaren. Da die Knochen so filigran waren, haben wir direkt unsere Kolleginnen und Kollegen vom LVR-Landesmuseum Bonn informiert.“ Unmittelbar reisten nicht nur Restauratorinnen vom Museum, sondern auch Anthropologinnen und Anthropologen von der Universität Bonn nach Aachen, untersuchten die Skelette und legten sie mit größter Vorsicht frei. Dabei staunten sie über die gut erhaltenen Aachener Funde. Es gelang sogar, die kleinsten menschlichen Knochen, die Steigbügelknochen im Ohr, zu bergen. „Diese Knochen sind kleiner als ein Reiskorn“, veranschaulichte Schaub.

 

Im Süden war der Friedhof durch eine Mauer begrenzt, die zugleich den Rechtsbezirk der Münsterimmunität markiert. Das Team um Andreas Schaub konnte diese Mauer wie erhofft nachweisen. Sie liegt vermutlich direkt über einer Mauer der römischen Thermen. Von diesen fanden sich verlagerte Teile der einst reichen Innenausstattung wie Mosaiksteine oder Marmorplättchen. Einige verlagerte Scherben des frühen Mittelalters belegen die durchgehende Besiedlung des Münsterplatzes seit römischer Zeit.

 

Wissenschaftliche Auswertung der Funde
Das archäologische Team birgt die Funde, dokumentiert und inventarisiert sie. Ein Mediziner, der derzeit an seiner Doktorarbeit zu den Funden auf dem Münsterplatz arbeitet, wird die Knochen anthropologisch untersuchen und wissenschaftlich auswerten. Nach Abschluss dieser Untersuchungen werden die Aachener Funde im Depot des LVR-Landesmuseums in Meckenheim aufbewahrt.

 

Die Grabungen an diesem stark frequentierten Platz zogen in den vergangenen Monaten die Aufmerksamkeit unzähliger Passantinnen und Passanten auf sich. Kein Wunder, waren doch die Skelette mit dem bloßen Auge in den Pflanzgruben zu entdecken. Die Archäologinnen und Archäologen beantworteten die Fragen von Klein und Groß mit viel Geduld. Damit die Arbeiten aber dadurch nicht beeinträchtigt wurden, gestaltete der städtische Fachbereich Kommunikation und Stadtmarketing kurzerhand Plakate, die die Grabungen erläuterten.

 

Neue Linden nach Abschluss der Grabungen
Sven Rachau vom Bereich Grünplanung und -bau des Fachbereichs Klima und Umwelt erläuterte das weitere Vorgehen mit den zwei Baumscheiben: „Sobald die archäologischen Arbeiten an der vorderen Pflanzgrube beendet sind, werden wir diese auffüllen und mit Unterstützung des Stadtbetriebs mit einem bunten Flor bepflanzen. So können wir die Baustellenfläche auf dem Münsterplatz schnellstmöglich verkleinern.“ Voraussichtlich ab der nächsten Pflanzperiode im September werden die Archäologinnen und Archäologen auch die zweite Grube freigegeben haben. Dann werden wieder zwei Linden in die Baumscheiben eingesetzt und damit das Lindenensemble auf dem Münsterplatz wiederhergestellt.

 

 

Quelle: aachen.de

Archäologinnen und Archäologen entdecken Skelette und Mauerfunde auf dem Münsterplatz

Die archäologischen Ausgrabungen in zwei Baumscheiben auf dem Münsterplatz am Aachener Dom haben die ersten großen Ergebnisse hervorgebracht: Insgesamt sieben Skelette und die Mauergrenze der ehemaligen Münsterimmunität konnten Stadtarchäologe Andreas Schaub und sein Team ehrenamtlicher Hilfskräfte des Archäologischen Arbeitskreises Aachen (AAA) freilegen.

 

Keine Überraschung, aber dennoch wichtige Erkenntnisse
Die Funde von menschlichen Überresten waren erwartbar, da bereits bekannt war, dass auf dem Münsterplatz bis ins 19. Jahrhundert hinein ein Friedhof existierte. Die Archäologinnen und Archäologen haben die jetzigen Skelettfunde bereits dokumentiert und entnehmen sie nun Grab für Grab. Zunächst werden sie in den Räumen der städtischen Archäologie gesäubert und inventarisiert, ehe sie ins Archiv des Landschaftsverbands Rheinland wandern. Auch wenn die Funde keine große Überraschung waren, können sie doch wichtige Erkenntnisse liefern: Bei anthropologischen Untersuchungen kann festgestellt werden, wie die Aachenerinnen und Aachener vor 300 bis 400 Jahren gelebt haben, wie gesund sie waren oder wie alt sie geworden sind.

 

Mauerreste der Münsterimmunität
Doch nicht nur das: In einer der ausgehobenen Baumscheiben entdeckten Schaub und sein Team die Mauerreste der ehemaligen Münsterimmunität, dem ehemaligen Rechtsbezirk rund um den Dom. Diese Mauer hätten die Forschenden eigentlich ein paar Meter weiter südlich vermutet. Die Mauer begrenzte zudem den ehemaligen Friedhof.

 

Die fleißigen Hände sind längst noch nicht fertig: Etwa 60 bis 70 Zentimeter gruben sie bisher; noch etwa einen Meter tiefer soll es gehen. „Ich gehe ganz stark davon aus, dass wir Reste der römischen Therme finden, wenn wir noch tiefer gehen“, erklärt Andreas Schaub. Der Münsterplatz befindet sich innerhalb der größten ehemaligen römischen Heilthermen Aachens, den Münsterthermen, und zwar in einem Abschnitt, der archäologisch weitgehend unerschlossen ist.

 

Wie lange die Grabung in den zwei Baumscheiben noch dauert, liegt zum einen an der Funddichte und zum anderen am Wetter. Derzeit geht der Stadtarchäologe davon aus, dass mit einer Grabungsdauer von drei Monaten zu rechnen ist.  Im Anschluss werden die präparierten Baumscheiben mit zwei Linden bepflanzt, sodass dann das Baumensemble auf dem Münsterplatz wieder vollständig ist.

 

 

Quelle: aachen.de

Historische Schätze: Archäologische Ausgrabungen auf dem Münsterplatz

„Das ist wie eine Operation am offenen Herzen“, fasste Stadtarchäologe Andreas Schaub die Arbeiten auf dem Münsterplatz direkt neben dem Aachener Dom bei einem Pressetermin am Mittwoch, 25. Februar, zusammen. In den kommenden Wochen werden er und ehrenamtliche Hilfskräfte des Archäologischen Arbeitskreises Aachen (AAA) in Handarbeit mit kleinen Schaufeln und Werkzeugen etwa 1,50 Meter tief graben und Schicht für Schicht Funde aus dem Barock, dem Mittelalter und der römischen Zeit dokumentieren. Die Arbeiten finden in zwei Baumscheiben statt, die im Nachgang mit zwei Linden wieder bepflanzt werden.

 

Ein seltener archäologischer Einblick
Nach einem Sturm mussten die beiden Linden 2023 entfernt werden. „In diesem Jahr soll das Baumensemble auf dem Münsterplatz mit zwei neuen Linden wieder so hergestellt werden, wie es vor dem Sturm war“, erklärt Sven Rachau vom Fachbereich Klima und Umwelt. Da die Baumscheiben zuerst präpariert werden müssen, bietet sich eine seltene Gelegenheit für die Archäologinnen und Archäologen: Der Münsterplatz befindet sich innerhalb der größten ehemaligen römischen Heilthermen Aachens, den Münsterthermen, und zwar in einem Abschnitt, der archäologisch weitgehend unerschlossen ist. Gebaut wird dort nur selten. Jeder Bodeneingriff an diesem historischen Ort wird archäologisch betreut und bietet interessante Funde.

 

Bereits nach zwei Tagen Grabungszeit gibt es erste Ergebnisse: Einen Zahn, bemalte Keramik und zwei barocke Tabakpfeifen aus Pfeifenton entdeckten die Fachleute bislang. Andreas Schaub und sein Team erhoffen sich tiefergehende Hinweise auf bis dato unbekannte Räume innerhalb der Thermen und auf die Nutzungsdauer der Gesamtanlage. In nachrömischer Zeit zählt das Areal zum engeren Pfalzbezirk. Ein unlängst in der Krämerstraße nachgewiesener Graben der Karolingerzeit könnte als östliche Begrenzung der Pfalz gedient haben. Sein Verlauf tangiert möglicherweise auch die Pflanzgruben. Außerdem war der Münsterkirchhof in früheren Jahrhunderten auch Friedhof, weshalb mit Gräbern gerechnet werden kann.

 

Aufwändige Handarbeit für vollständige Dokumentation
Aufgrund der außergewöhnlichen historischen Bedeutung des Platzes im Schatten des UNESCO-Weltkulturerbes Aachener Dom müssen die Pflanzgruben vollständig in Handarbeit abgetragen werden, um wirklich alle historischen Funde zu finden und dokumentieren zu können. „Archäologen agieren manchmal wie Forensiker im Tatort: Wir tragen Schicht für Schicht ab, bis wir auf einer Tiefe von 1,50 Meter sind. Dort können wir bereits den Übergang zur Römerzeit entdecken“, führt Andreas Schaub aus. Die aufwändige Dokumentation folgt festgelegten Vorgaben des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege.

 

Wie lange die Grabung nun dauert, liegt zum einen an der Funddichte und zum anderen am Wetter. „Bei intensiven Regentagen können wir Archäologen nicht arbeiten“, erläutert Schaub. Derzeit geht der Stadtarchäologe davon aus, dass mit einer Grabungsdauer von drei Monaten zu rechnen ist. Die neuen Linden werden dann entweder noch direkt im Anschluss im späten Frühjahr gepflanzt – spätestens jedoch in der nächsten Pflanzperiode ab September. Damit die Bäume möglichst lange den Münsterplatz verschönern können, werden die Baumscheiben vor der Pflanzung mit Baumsubstrat versetzt. Ziel ist, den Bäumen eine Standdauer von 60 bis 80 Jahren zu ermöglichen, was für Stadtbäume eine sehr lange Lebenszeit ist.

 

Quelle: aachen.de

Centre Charlemagne: Schüler rekonstruieren Inschrift aus der Römerzeit

Über einen Meter breit und fast 50 Zentimeter hoch muss er gewesen sein: Eine Schüler*innengruppe vom Heilig-Geist-Gymnasium Würselen aus der Archäologie- und der 3D-Druck-AG hat sich mit ihrem Lehrer Olaf Grodde an eine Rekonstruktion eines Inschriftensteins aus der Römerzeit gemacht. Drei Schüler übergaben nun das fertige Stück leihweise dem Centre Charlemagne. Das Stadtmuseum stellt die Replik der seltenen Inschrift aus der Römerzeit als Exponat im Rahmen der kommenden Ausstellung „Wer schreibt, der bleibt – Als die Römer uns die Schrift brachten“ vom 25. Mai bis 1. September 2024 aus.

 

 

 

 

Ein besonderes Zeitzeugnis

„Normalerweise sind alte Inschriften spröde und in Teile zersprungen. Deshalb ist es für uns besonders wertvoll, dass wir diese hier im Rahmen der Bildungspartnerschaft, die die Stadtarchäologie mit der Schule pflegt, in Originalgröße herstellen lassen konnten“, freut sich Dr. Frank Pohle, Leiter des Centre Charlemagne, über das Exponat für die kommende Wechselausstellung.

Das Original wurde zu Zeiten Kaiser Trajans (98-117 n. Chr.), unter dessen Herrschaft das Römische Reich seine größte Ausdehnung erreichte, in Aachen aufgestellt. Dort stand geschrieben, dass der Herrscher auf seine eigenen Kosten hier etwas bauen ließ. „Das ist nicht irgendeine Inschrift für Aachen. Dass Trajan hier selbst als Bauherr genannt wird, zeigt deutlich: Aachen stand schon vor Karl dem Großen in kaiserlicher Gunst. Das ist sehr selten“, weiß Stadtarchäologe Andreas Schaub. Die Inschrift entstand wahrscheinlich in der frühen Herrschaftszeit des Kaisers, als er noch als Statthalter Niedergermaniens im heutigen Köln weilte. Das lässt der Beiname Germanicus, der auf der Inschrift zu lesen ist, vermuten. Dieser Titel war einer der ersten des römischen Kaisers. Spätere Beinamen Trajans, die er während seiner Herrscherzeit ansammelte, sind in der Aachener Inschrift nämlich noch nicht aufgeführt.

Durch die Rekonstruktion eines Bruchstücks können sich Besucher*innen des Centres bald ein Bild davon machen, wie das römische Original einmal ausgesehen hat.

 

 

 

Aufwändige Rekonstruktion

Die Rekonstruktion erfolgte in Zeichnungen, Modellen, digital – und schließlich als 3D-Druck. Sie entstand im Rahmen der Teilnahme des Würselener Gymnasiums an dem Schulprogramm „denkmal aktiv“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.
„Die Rekonstruktion des Textes hatten zuvor bereits die Experten übernommen. Ich habe dann eine zweidimensionale Skizze angefertigt. Wir mussten die Rekonstruktion dünner machen, weil der Druck sonst noch mehr Zeit benötigt hätte“, erzählt Johannes aus der Archäologie-AG des Gymnasiums. Wie lange es gedauert hat die Teile herzustellen, berichtet Avaneesh aus der 3D-Druck-AG: „Wir haben immer schon vor dem Unterricht einmal den Drucker laufen lassen, damit wir nach Schulschluss über Nacht das nächste Teil drucken lassen konnten. Bei großen Teilen hat das manchmal bis zu 15 Stunden gedauert.“

Die Zusammenarbeit des Heilig-Geist-Gymnasiums und der Stadtarchäologie Aachen besteht im Rahmen des Programms der Geschäftsstelle „Bildungspartner NRW“ bereits seit 2020.

Katschhof-Grabung: So entwickelte sich Aachen über die Römerstadt hin zur Pfalz und Mittelalterstadt
  • Schon im vergangenen Jahr gab es aufsehenerregende Funde auf dem Katschhof. Nun können Experten ein noch besseres Bild der Stadtgeschichte zeichnen.
  • Während einer zweiten Grabungsphase wurden weitere Gebäudereste aus der Merowinger- und aus der Römerzeit entdeckt.
  • Anhand der neuesten Funde rücken insbesondere die historischen Entwicklungen der Plätze am Katschhof und Markt in den Fokus.

Im Rahmen von archäologischen Untersuchungen auf dem Katschhof sind bereits Ende vergangenen Jahres spannende Funde gemacht und öffentlich präsentiert worden. Nach einer Unterbrechung aufgrund des Weihnachtsmarktes und der Karnevalszeit konnten die Grabungen in den vergangenen Wochen wieder aufgenommen werden. Kurz vor dem Abschluss stellte Stadtarchäologe Andreas Schaub im Rahmen eines Pressetermins am Mittwoch (10. April) weitere interessante Erkenntnisse vor.

 

 

Mauerfundament aus dem 3. Jahrhundert

 

„Für den zweiten Abschnitt der Grabung war die Spannung groß, ob und in welcher Form sich Siedlungsspuren der vorkarolingischen Merowingerzeit nachweisen lassen und wie es sich mit dem Übergang und Anschluss an die römische Epoche genau verhalten würde“, erläuterte Schaub die Erwartungshaltung. Tatsächlich fanden die Geschichtsexperten um Schaub und den ehrenamtlichen Arbeitskreis Archäologie Aachen (AAA) Reste eines vor- oder frühkarolingischen Gebäudes und eine Weg- oder Hofschotterung des 6. Jahrhunderts. Diese stammt also aus der Merowingerzeit. Das Gebäude, dessen Entstehungszeit im 8. Jahrhundert liegen dürfte, war noch exakt nach den römischen Baufluchten ausgerichtet. Auf der Sohle des Eingriffs fand sich schließlich sogar ein römerzeitliches Mauerfundament des 3. Jahrhunderts, welches mindestens bis zum 6. Jahrhundert bestand.

 

„Insgesamt erbrachte die Grabung überraschende Neuerkenntnisse für das frühe Mittelalter. Von besonderer Bedeutung ist vor allem die nun erstmals auf gesicherter archäologischer Grundlage mögliche Rekonstruktion der städtebaulichen Entwicklung von der Römerstadt über die Pfalz bis hin zur mittelalterlichen Stadt mit seinen Platzanlagen am Katschhof und Markt“, zog Andreas Schaub eine positive Bilanz.

 

Im ersten Abschnitt wurden vor allem die mittelalterlichen Platz-Schichten des Katschhofs sowie ein bis dato unbekanntes Gebäude der karolingischen Pfalz untersucht. Prunkstück der ersten Grabungsphase im Herbst 2023 war ein Silberdenar Karls des Großen. Dieser war überhaupt erst die siebte Münze der gesamten Karolingerzeit aus dem Aachener Stadtgebiet.

 

 

Die Grabung auf dem Katschhof hat somit zahlreiche neue Erkenntnisse gebracht, die für die städtebauliche Entwicklung Aachens bedeutsam sind:

 

 

  • Die römische Vermessung und Parzellierung wurde im frühen Mittelalter bis zum Ausbau der Pfalz beibehalten. Mindestens bis zum 6. Jahrhundert wurde die römische Bausubstanz genutzt, danach wurde in alter Ausrichtung neu gebaut. Daraus ergibt sich für die Archäologie die Frage: Ist das der Beginn der Pfalz von Pippin?
  • Im späten 8. oder frühen 9. Jahrhundert wurde im Kerngebiet der Pfalz die Ausrichtung auf Nord-Süd bzw. Ost-West geändert. In der Osthälfte der Kernpfalz entstehen dabei drei reich ausgestattete Großbauten in leichter Abweichung der Bauflucht auf Nordnordost-Südsüdwest.
  • In der Zeit um 1100 wurden diese drei Gebäude ganz oder teilweise niedergelegt und es entsteht erst jetzt der Platz, den wir heute Katschhof nennen.
  • Zur gleichen Zeit wird auch das römische Castrum abgebrochen, welches den Markthügel umschlossen hatte – dort entsteht dann als zweite große Platzfläche der Markt.

Es muss nun in Fachkreisen neu darüber nachgedacht werden, wer für diese massiven städtebaulichen Veränderungen verantwortlich war: Noch der Kaiser, der seine Pfalz neu ordnet, oder sind es bereits erste Hinweise auf eine Übernahme des Pfalzbereichs durch die sich entwickelnde Stadt? So oder so ist klar: Für Archäologen und Geschichtsexperten bleibt Aachen ein spannendes Forschungsfeld.

 

 



Blick in die Zeitkapsel: Die Grabung auf dem Katschhof hat für Stadtarchäologe Andreas Schaub und sein Team viele neue Erkenntnisse gebracht. Fotos: Stefan Herrmann / Stadt Aachen
 



 

Weitere Infos

 

Nachdem ein 120 Jahre alter und kranker Baum gefällt werden musste, da die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet war, rückten 2023 die Archäologen auf dem Katschof – nahe des Durchgangs zur Krämerstraße – an. Mit der zweiten Grabungsphase in diesem Frühjahr enden die archäologischen Untersuchungen auf dem Katschhof, sodass ein neuer Baum an der Stelle gepflanzt werden kann und das grüne Katschhof-Ensemble wieder vervollständigt.

Pontstraße: Archäolog*innen entdecken bei Bauarbeiten Überreste eines spätrömischen Kastells

 

Der Blick in die Baugrube führt direkt ins Römerreich. „Wo hat man schon einmal die Gelegenheit, derart ungefiltert fast 2000 Jahre zurück in die Geschichte unserer Stadt zu blicken?“, sagt Stadtbaurätin Frauke Burgdorff an diesem Dienstag (19. März) in der Pontstraße und schaut auf Überreste eines spätrömischen Kastells, die vor ihr aus der Erde ragen. Neben ihr stehen Dr. Donata Kyritz von sk ArcheaoConsult, Stadtarchäologe Andreas Schaub und Regionetz-Bauleiter Ralf Jansen. „Auf der Schippe liegt die Wahrheit“ ist liebgewonnener Spruch in Archäologen-Kreisen. In Aachen gilt diese Weisheit allemal. Sie ist regelrecht identitätsstiftend für die Stadt. Denn die neueste Entdeckung in der Pontstraße zementiert weiterhin Aachens geschichtsträchtige Bedeutung bis weit in die Römerzeit hinein.

 

Der Blick in die Baugrube führt direkt ins Römerreich: Bei Bauarbeiten in der Pontstraße sind Reste eines spätrömischen Kastells gefunden worden.

Foto: Stadt Aachen / Stefan Herrmann

 

 

 

Sieben Meter langes Mauerstück ausgegraben

Den spannenden Fund hat das Team von sk ArcheoConsult gemacht. Die archäologische Fachfirma begleitet die Baumaßnahme der Regionetz. Die Regionetz erneuert dort die Versorgungsleitungen für Wasser, Gas und Strom sowie deren Hausanschlüsse und baut das umweltfreundliche Fernwärmenetz aus. Nach wenigen Tagen stieß man auf die ersten Funde, die zu intensiveren Untersuchungen führen.

 

„Während der Reparatur eines Kanalhausanschlusses wurde das Fundament eines mächtigen Mauerwerks freigelegt, das aufgrund der Bautechnik römischer Zeitstellung sein muss“ erläutert Dr. Donata Kyritz. „In Längsrichtung konnte das Fundament noch einige Meter Richtung Markt verfolgt werden. Hier zeigte sich nun auch eine letzte Reihe Quadermauerwerk. Die genauen Maße konnten bislang allerdings weder in Längs – noch in Querrichtung erfasst werden.“ Bislang wurde die römische Mauer auf einer Länge von rund sieben Metern freigelegt. Sie ist mindestens 90 Zentimeter breit. Doch viele Antworten schlummern noch im Erdreich. Denn Anfang- und Endpunkte des Mauerwerks hat das Archäologen-Team bislang nicht entdeckt.

 

Stadtarchäologe Andreas Schaub ordnet ein: „Seit rund 140 Jahren vermutete man ein spätrömisches Kastell in Aachen, aber erst zwischen 2011 und 2014 gelang es, aus der Vermutung Gewissheit werden zu lassen und die Anlage zu lokalisieren.“ Damals wurde in enger Kooperation zwischen der Stadtarchäologie und der Firma ArcheoConsult Befunde des sogenannten Castrum rund um den Markthügel entschlüsselt.

 

Stellten den archäologischen Fund in der Pontstraße vor: (v.l.) Stadtarchäologe Andreas Schaub, Dr. Donata Kyritz (sk ArcheoConsult), Stadtbaurätin Frauke Burgdorff, Ann-Kristin Jäger (sk ArcheoConsult) und Regionetz-Projektleiter Ralf Jansen.

Foto: Stadt Aachen / Stefan Herrmann

 

 

 

Von der römischen Wehrmauer zur Königshalle Karls des Großen

Nach einer Zerstörung Aachens im Zuge fränkischer Plünderungszüge um 275/276 n. Chr. wurde der gesamte Markthügel durch eine im Fundament über fünf Meter breite Mauer mit Rundtürmen bewehrt. Ihr vorgelagert war ein rund sechs Meter breiter Graben. Letzterer wurde 2011 auf dem Katschhof entdeckt. Vergleichbare Kastelle kennt man aus Jülich, Bitburg und Jünkerath Die spätrömische Wehrmauer wurde durch Karl den Großen weitergenutzt. Seine Königshalle (das heutige Rathaus) wurde auf seiner Südflanke errichtet. Erst im 12. Jahrhundert wurden die Kastellmauern niedergelegt. Auch heute ist davon noch etwas zu sehen. Unter einer Glasplatte im Gebäude Markt 46 (Restaurant Five Guys) können Menschen ein erhaltenes Mauersegment mit Ansatz eines der runden Türme betrachten.

Der nun angetroffene Mauerrest verläuft in der Pontstraße parallel zu dieser. „Es könnte sich dabei um Reste eines Tores handeln“, vermuten Schaub und Kyritz. Weitere Tore vermuten die Expert*innen im Verlauf der Jakobsstraße an der Einmündung in den Markt und am Beginn der Großkölnstraße. Konkrete Befunde gibt es dafür allerdings nicht.

Ziel ist es, den beachtenswerten aktuellen archäologischen Fund so gut es geht zu erhalten. Hierzu laufen derzeit intensive Absprachen. Nach der Begutachtung und der Dokumentation der archäologischen Funde wird die Baumaßnahme an der Stelle wie geplant weitergeführt. Grundsätzlich gehen die Schachtungsarbeiten in der Pontstraße unter archäologischer Aufsicht bereits weiter.

 

Im Jahr 2011 wurden die ersten Nachweise gefunden: In Aachen gab es ein spätrömisches Kastell.

Zeichnung: Stadt Aachen / Andreas Schaub

Katschhof: Archäologen graben alte Karlsmünze aus
  • Silberdenar Karls des Großen ist das Prunkstück der jüngsten Grabung. Auch eine Bronzemünze aus der Merowingerzeit und Zeugnisse frühmittelalterlicher Handwerkskunst wurden gefunden.
  • Erstmals wurde belegt: Der Aachener Katschhof ist schon seit Anfang des 12. Jahrhunderts ein befestigter Platz.
  • Die wichtigsten aktuellen Fundstücke zur Aachener Stadtgeschichte sind ab sofort in einer Vitrine im Centre Charlemagne zu sehen.
 

Aachen atmet Geschichte: (v.l.) Stadtbaurätin Frauke Burgdorff, Stadtarchäologe Andreas Schaub und Dr. Frank Pohle (Leiter der Route Charlemagne) freuen sich über die jüngsten Funde auf dem Katschhof. Die aufwendige Grabung wird zudem von ehrenamtlichen Helfer*innen des Arbeitskreises Archäologie Aachen unterstützt. Foto: Stadt Aachen / Stefan Herrmann

 

In diesen Tagen wächst es wieder, das Budendorf auf dem Katschhof. Ende November steht die Eröffnung des Aachener Weihnachtsmarkts an. Während der Publikumsmagnet dieses Jahr voller Stolz sein 50-jähriges Bestehen feiert, können Stadtarchäologe Andreas Schaub und sein Team noch ein gutes Stück weiter zurück in die Geschichte blicken. Denn dort, wo bald Glühwein getrunken und Süßes genascht wird, waren in den vergangenen Wochen Schaub & Co. mit Schippe und reichlich Expertenwissen unterwegs. Bei Grabungen auf dem Katschhof haben sie mehrere besondere Fundstücke ans Tageslicht gebracht. Und sie geben den Menschen einige neue Öcher Anekdötchen an die Hand, die sie in Kürze beim Glühwein erzählen können: „Wisst ihr, seit wann der Katschhof ein richtiger Platz ist? Nein!? Seit Anfang des 12. Jahrhunderts.“  Das hat die aktuelle Grabung nämlich ergeben. „Zu dieser Zeit ist die erste befestigte Oberfläche des Katschhofs entstanden“, verrät Schaub eine Erkenntnis, die der jüngste Blick ins Aachener Erdreich zutage gefördert hat.

 

 

Stadtbaurätin Burgdorff: „Aachen atmet Geschichte“
„Prunkstück der bisherigen Grabung ist jedoch sicherlich ein Silberdenar Karls des Großen“, fügt Schaub an. Präsentiert wurden die Entdeckung und viele weitere im Rahmen eines Pressetermins am Mittwoch (15. November) gemeinsam mit Stadtbaurätin Frauke Burgdorff und Dr. Frank Pohle, Leiter der Route Charlemagne. „Aachen atmet an jeder Ecke Geschichte“, weiß Frauke Burgdorff nur zu gut. „Die aktuellen Entdeckungen unserer Stadtarchäologie und den großartigen ehrenamtlichen Helfern schenken uns erneut Puzzleteile, die Neues über die Struktur unserer Stadt und die Leben der Menschen von damals verraten. Wo wurden großen Plätze angelegt? Wo arbeiteten die mittelalterlichen Handwerker mit welchen Werkzeugen? Ich finde es persönlich spannend, immer wieder etwas aus diesen frühen Kapiteln Aachener Geschichte zu erfahren. Fachlich greifen wir dieses Wissen selbstverständlich auf und lassen es als Stadtplanerin und Stadtplaner in unsere Arbeit von heute einfließen.“

 

Der Silberdenar Karls des Großen ist überhaupt erst die siebte Münze der gesamten Karolingerzeit aus dem Aachener Stadtgebiet – also eine echte Seltenheit. Nicht zuletzt deswegen sind die wichtigsten Fundstücke der aktuellen Grabung nun in einer Sondervitrine im Stadtmuseum Centre Charlemagne, nur einen Steinwurf vom Grabungsort ebenfalls am Katschhof gelegen, ausgestellt.

 

Prunkstück der aktuellen Funde: ein Silberdinar Karls des Großen (datiert nach 793/794 n. Chr.). Foto: Stadt Aachen / Holger Hermannsen

 

Dr. Frank Pohle ist froh über die bewährte Zusammenarbeit zwischen Stadtarchäologie und Stadtmuseum: „Das Spannende an der Grabung sind einmal mehr die Funde und Befunde aus den karolingerzeitlichen Schichten. Eine in allen Punkten schlüssige Rekonstruktion der Ostseite des Katschhofes im 9. Jahrhundert liegt noch nicht vor. Insofern freuen wir uns über alles, was zur Klärung des Bildes beiträgt.”

 

 

Einblick in das mittelalterliche Aachen
Nachdem im vergangenen Jahr ein 120 Jahre alter und kranker Baum gefällt werden musste, da die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet war, rückten in den vergangenen Wochen die Archäologen auf dem Katschof – nahe des Durchgangs zur Krämerstraße – an. In einer Baugrube, die zentral zwischen historischem Dom und Rathaus liegt, wächst die Wahrscheinlichkeit, Neues aus der Vergangenheit ans Tageslicht zu bringen. Das Loch ist nun für die Dauer des Weihnachtsmarktes verfüllt worden. Im Anschluss stehen abschließende archäologische Untersuchungen an, bevor ein neuer Baum an der Stelle gepflanzt werden kann und das grüne Katschhof-Ensemble wieder vervollständigt.

 

Was fand das Expertenteam noch?

 

  • In der frühmittelalterlichen Handwerkerschicht fand sich ein Glasmosaikstein mit Goldfolienüberzug. Wurden die Mosaiksteine für die Marienkirche Karls des Großen womöglich hier produziert? Weitere Untersuchungen sollen Klarheit schaffen.
  • Eine kleine Bronzemünze stammt vermutlich aus der Merowingerzeit. „Es wäre erst die vierte Münze dieser Zeit aus Aachen“, betont der Stadtarchäologe.
  • Gußtiegelfragmente und Bergkristallfragmente illustrieren und belegen das Handwerk des Frühmittelalters.
  • Knochenperlen und Werkabfälle zeigen, dass auch noch im 16. Jahrhundert dort Handwerker arbeiteten. Sie produzierten Rosenkränze aus Knochen.

Diese kleine Bronzemünze stammt vermutlich aus der Merowingerzeit (6. Jahrhundert). Es wäre erst die vierte Münze dieser Zeit aus Aachen. Foto: Stadt Aachen / Holger Hermannsen

 

Neben der Datierung, seit wann der Katschhof ein befestigter Platz ist, konnten die Geschichtsexperten weitere wichtige Erkenntnisse gewinnen. Denn die Frage steht sogleich im Raum: Was war eigentlich an der Stelle zwischen Dom und Kaiserpfalz, bevor der Platz angelegt wurde? Schaub erklärt: „Im Frühmittelalter – also auch zur Karolingerzeit – befand sich dort ein stark handwerklich geprägter Bereich. Es gibt Spuren von Eisen und Bronzeproduktion beziehungsweise -verarbeitung. Vielleicht sind wir sogar auf Hinweise zu einer Bergkristallwerkstatt gestoßen.“ Ob es sogar Hinweise auf die Pfalzbauhütte sind, oder ob es sich einfach um normale Handwerker in der Pfalzsiedlung handelt, ist derzeit noch offen und bedarf weiterer Analysen.

 

 

Ein bisher unbekanntes Pfalzgebäude?
Zudem spekulieren die Archäologen seit der jüngsten Grabung darüber, ob es auf dem Katschhof ein weiteres, bislang unbekanntes Pfalzgebäude gegeben hat. „In der Grabungsfläche fanden sich überraschend Reste einer großen Bruchsteinmauer, die entweder noch während oder aber kurz nach der Handwerksnutzung dort errichtet wurde. An dieser Stelle waren zuvor keine festen Gebäude bekannt“, gibt Schaub Einblicke in die bisherige Forschungslage.

 

Aktuell im Centre Charlemagne ausgestellt: Im eintrittsfreien Foyer des Stadtmuseums sind Funde der Katschhof-Grabungen zu sehen. Foto: Stadt Aachen / Stefan Herrmann

 

Zu guter Letzt sind die Archäologen womöglich auf Spuren der Belagerung Aachens von 1248 gestoßen. Schriftliche Quellen berichten: Wilhelm von Holland hat im Jahr 1248 Aachen belagert und mithilfe eines aufgeschütteten Damms die Bäche (Paunelle, Johannisbach) aufgestaut, worauf die halbe Altstadt unter Wasser stand. Das führte die Stadt schließlich zur Aufgabe. Zwar wurden in den 1950er Jahren Reste des mutmaßlichen Damms lokalisiert, aber es wurden bisher noch keine archäologischen Spuren der tatsächlichen Flut nachgewiesen. Berechnungen von Wissenschaftler Bernhard Pröschel im Rahmen einer Dissertation an der RWTH Aachen haben ergeben, dass die Flut bis etwa zur Mitte des Katschhofs gereicht haben müsste. „Die jetzigen Grabungen haben nun eine mutmaßliche Schwemmschicht ans Licht gebracht, die archäologisch tatsächlich in das 13. Jahrhundert datiert werden kann“, berichtet der Stadtarchäologe. Prof. Frank Lehmkuhl forscht am Lehrstuhl für Physische Geographie und Geoökologie des Geographischen Instituts der RWTH. Er war der Doktorvater von Pröschel und hat nun eine Probe entnommen. So soll im Labor final geklärt werden, ob es sich tatsächlich um eine Schwemmschicht handelt. Sollte diese Gewissheit liefern, könnte schon bald das nächste Öcher Ameröllche wasserfest beim Glühwein erzählt werden: „Wisst ihr eigentlich, dass einmal die halbe Altstadt und mit ihr der Katschhof genau hier, wo wir gerade stehen, von einem mittelalterlichen Kriegsherren geflutet worden ist? Nein!? Dann hört mal zu…“

Pfalzenforschung: Spannende Vorträge vom 8. bis 10. November im Centre

Freuen sich auf spannnende Vorträge im Centre Charlemagne: Stadtarchäologe Andreas Schaub (l.) und Prof. Frank Pohle. Foto: Stadt Aachen / Lena Hoof

 

Besucher*innen sind herzlich willkommen!

 

Zum Auftakt der viertägigen Veranstaltung lädt die Stadt Aachen gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern alle interessierten Bürger*innen zu einem öffentlichen Vortrag ein: Der renommierte Archäologe Ferdinand Heimerl spricht am Dienstag, 8. November, zum Thema „Ein Abglanz imperialer Macht – Zur Entwicklung der ehemaligen Kaiserresidenz Trier und des Trierer Landes im Frühmittelalter“. Die Begrüßung übernehmen Bürgermeisterin Hilde Scheidt und Aachens Stadtarchäologe Andreas Schaub. Beginn der Veranstaltung im Centre Charlemagne, Katschhof 1, ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Gemeinsam mit Prof. Frank Pohle, Leiter des Centre Charlemagne, freut sich Stadtarchäologe Andreas Schaub sehr auf die besonderen Tage. „Pfalzenforschung und Aachen hat eine lange Tradition. Seit rund 15 Jahren finden sich Spezialisten aus Geschichtsforschung und Archäologie in einem Arbeitskreis zum regelmäßigen fachlichen Austausch zusammen. Wir sind stolz, in diesem Jahr Gastgebende des internationalen Fachkreises sein zu dürfen, bei dem erstmals der Blick auch nach Nordeuropa gelenkt wird”, sagte Schaub bei der Vorstellung des Tagungsprogramms im Rahmen eines Pressegesprächs am Freitag (4. November). Frank Pohle ergänzte: „Nachdem im Umfeld des Karlsjubiläums 2014 wichtige Impulse zur frühmittelalterlichen Pfalzenforschung aus Aachen gekommen sind, freuen wir uns ganz besonders, jetzt wieder einmal eine bedeutende internationale Fachtagung im Centre Charlemagne beherbergen zu können.“

 

 

Historisches Aachen am 10. November im Fokus

 

Die diesjährige Tagung in Aachen, zu der Fachleute aus dem In- und Ausland anreisen, findet an einem zentralen Ort der Karolinger und des europäischen Frühmittelalters statt. Im Herzen des fränkischen Reiches gelegen, gehörte Aachen zu den wichtigsten Herrschaftssitzen jener Zeit. Zudem fand hier eine Vermittlung zwischen zwei Welten, dem „wilden“ Norden und dem „zivilisierten“ Süden statt. Das Aachener Programm vom 8. bis zum 10. November besticht im Centre durch gut 15 Fachvorträge, zu denen interessierte Zuhörer*innen ebenfalls herzlich eingeladen sind. Die aktive Teilnahme an den Diskussionen im Rahmen der Tagung ist den Fachleuten vorbehalten. Aachener Themen stehen am Donnerstag, 10. November, im Fokus des Interesses. Ab 14 Uhr spricht RWTH-Historiker Prof. Harald Müller über „Das Aachen der Karolinger. Konjunkturen eines Zentralorts“ (Moderation: Frank Pohle), anschließend stellt Andreas Schaub anhand seiner archäologischen Arbeit „Aachen im Frühmittelalter“ vor. Den Abschluss bildet der Vortrag „Zwischen Befund und Topos. Die mittelalterliche (Re-)Konstruktion der römischen Vergangenheit Aachens im Spiegel ausgewählter archäologischer Befunde“ von Patrick Kremser.

Die Diskussionen der im Jahr 2018 in Ingelheim und im Jahr 2019 in Mayen durchgeführten Tagungen zeigten ein großes Interesse und den Bedarf, die Themenschwerpunkte geographisch nach Norden zu erweitern. Bei der diesjährigen Fachtagung werden vor allem die gegenseitigen Einflüsse sowie die Genese vieler archäologischer und historischer Phänomene präsentiert, verglichen und (neu) interpretiert. Im Fokus des internationalen wissenschaftlichen Kreises liegen zum einen die Architektur- und Bauüberreste unter anderem von Haithabu, Schleswig und Starigard-Oldenburg. Zum anderen werden die gegenseitigen Kontakte und der Warenaustausch des Nordens mit den südlich gelegenen Macht- und Wirtschaftszentren, wie z.B. Aachen, Köln, Trier, Ingelheim oder Mayen, breit thematisiert.

Die Herrschersitze gehörten im Mittelalter zu den wichtigsten Stützen der Macht. Sie dienten der Kommunikation und der Kontaktpflege auf lokaler, regionaler und überregionaler Ebene. Sie bildeten einen Treffpunkt des Zusammenkommens und Zusammenwirkens ganz unterschiedlicher Interessensgruppen. Zudem bündelten Herrschersitze den diplomatischen Austausch, prägten den Wissenstransfer und wirkten als Schaltzentralen der Wirtschaft. Zwischen diesen Säulen der Macht zirkulierten die Menschen, die innovativen Ideen sowie Waren aller Art, was archäologisch und (bau-)historisch nachweisbar ist.

Veranstalter der Tagung ist die Stadt Aachen mit der Stadtarchäologie und dem Stadtmuseum Centre Charlemagne. Kooperationspartner sind das Historische Institut der RWTH Aachen, Lehrstuhl für Mittlere Geschichte; das Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie Kompetenzbereich Vulkanologie, Archäologie und Technikgeschichte Mayen; die Stadt Ingelheim am Rhein, Forschungsstelle Kaiserpfalz; das Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie, Schleswig; das Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie, Frankfurt am Main; der Arbeitskreis Pfalzenforschung.

 

 

Weitere Infos:

 

Kurzfassung des Vortrags von Ferdinand Heimerl zu „Ein Abglanz imperialer Macht – Zur Entwicklung der ehemaligen Kaiserresidenz Trier und des Trierer Landes im Frühmittelalter“:

In der Spätantike war Trier als Hauptstadt der nordgallischen Diözese und der Provinz Belgica prima, als Münzstätte, Bischofssitz, Sitz des Praetorianerpraefekten und insbesondere als Kaiserresidenz ein herausragendes Machtzentrum. Mit dem Abzug der Residenz und der Praetorianerpraefektur im späten 4. Jh. verlor die Stadt an Bedeutung. In der ersten Hälfte des 5. Jhs. soll Trier von zahlreichen Zerstörungen heimgesucht worden sein, die zu einer Verödung der ganzen Stadt geführt hätten. Die Zerstörungen lassen sich im archäologischen Befund jedoch nicht fassen und eine vermeintliche Lücke im Fundgut des „dunklen“ 5. Jhs. lässt sich durch neuere Studien zur Materialchronologie schließen. Der Vortrag soll anhand der archäologischen Evidenz zeigen, wie sich das spätantike Machtzentrum Trier mit seinem Umland im Frühmittelalter als bedeutende Siedlungslandschaft fortentwickelte. Behandelt werden die Siedlungstopografie (Weiter- bzw. Umnutzung spätantiker Bausubstanz sowie frühmittelalterliche Neubauten), die Sepulkraltopografie (Weiterbelegung bzw. Neugründung von Bestattungsplätzen) sowie die Sakraltopografie (Kirchen- und Klosterwesen) in Trier und im Trierer Land. Älteren Forschungsansätzen werden hier auch aktuelle Neufunde der GDKE/Landesarchäologie Trier gegenübergestellt. Schließlich werden ausgewählte Materialgattungen diskutiert, um den Wissenstransfer handwerklicher Produktionsabläufe, Wirtschaftskreisläufe und weitreichende Fernkontakte zu illustrieren. Ausgehend von der Spätantike soll der Vortrag eine Brücke zu den frühmittelalterlichen Herrschersitzen und deren Fernbeziehungen schlagen.

 

 

Das öffentliche Programm

 

Alle Tagungstermine finden im Centre Charlemagne, Katschhof 1, statt.

 

Dienstag,8. November 2022

 

 

Mittwoch, 9. November 2022

 

 

Donnerstag, 10. November 2022

 

Bei Bauarbeiten im Süsterfeld: Stadtarchäologie entdeckt Reste der alten Römerstraße Aachen – Heerlen – Xanten

 

Bei archäologischen Untersuchungen im Nordwesten der Aachener Innenstadt sind spannende Entdeckungen gemacht worden. Dort, im Süsterfeld, errichtet die Aachener Firma DERICHS u KONERTZ gemeinsam mit Famos Immobilien aus Korchenbroich derzeit das Bürogebäude „Office West“, welches die RWTH Aachen University langfristig angemietet hat. Schon bevor die ersten Bagger für die Kanalbaumaßnahme anrückten, vermuteten die Experten um Stadtarchäologe Andreas Schaub, dass in dem Bereich Interessantes über Aachens Geschichte im Erdreich schlummern könnte. „Grund dafür ist eine römische Siedlung, die beim Bau von Pariser bzw. Toledoring Anfang der 1980er Jahre entdeckt und deren Fortsetzung im Baufeld vermutet wurde“, erklärte Schaub bei einem Pressetermin am Freitag (13. Mai) vor Ort.

 

Gute Zusammenarbeit, spannende Entdeckungen: Stadtarchäologe Andreas Schaub (r.) erläuterte (v.l.) Patrick Düntzer (archeo consult), RWTH-Dezernentin Geva Aschhoff, Stadtbaurätin Frauke Burgdorff, Claus Steufmehl und Max Posé (Famos Immobilien) den Fund der Römerstraße.

 

 

Gute Abstimmung zwischen allen Beteiligten

Die römische Siedlung lag unmittelbar an der römischen Straße Aachen – Heerlen – Xanten. Um deren exakten Verlauf im Plangebiet zu ermitteln, wurden seitens der Stadtarchäologie zwei Sondierungsgräben angelegt. Dieses Vorgehen war schon in einem frühen Planungsstadium des Projektes mit den Verantwortlichen der beiden Investoren und gemeinsam mit dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland abgestimmt worden. „Die frühzeitige, transparente Einbindung aller Beteiligten sorgte dafür, dass wir einerseits einen hoch spannenden Einblick in die Historie unseres Grundstücks erlangen konnten und andererseits unplanmäßigen Verzögerungen im späteren Hochbau vorgebeugt werden kann“, so Dr. Achim Buschmeyer, Geschäftsführer bei DERICHS u KONERTZ. „Die Römerstraße wurde tatsächlich in der östlichen der beiden Sondierungsflächen in rund zwei Metern Tiefe angetroffen. Sie bestand aus einer kompakten Schicht aus Feuersteinkies“, erläuterte Schaub. Durch die intensive Nutzung der Straße hatten sich tiefe Karrenspuren in die Trasse eingegraben. Dort fand sich unter anderem ein zerbrochenes Hufeisen.

 

 

 

Andreas Schaub: „Dieser Fund stammt sicher aus nachrömischer Zeit und zeigt an, dass die Straße auch noch lange nach den Römern bestanden hatte. In Flurkarten des 18. und 19. Jahrhunderts lebte sie als ‚Süstergasse‘ fort. Diese führte weiter nach Nordwesten, an der Ölmühle vorbei über den Wildbach. Knapp neben dem Wildbachübergang lag auch das seit der Karolingerzeit bestehende Hofgut Schurzelt.“ Die erneut spannende Entdeckung des Aachener Archäologieteams freut auch Stadtbaurätin Frauke Burgdorff, die sich vor Ort gemeinsam mit Geva Aschhoff, Leiterin des RWTH-Dezernats Facility Management, ein Bild machte. Burgdorff sagte: „Neben dieser fachlichen Entdeckung ist wirklich zu betonen, dass hier die Zusammenarbeit zwischen Bauherren und Stadt vorbildlich, Hand in Hand und in wechselseitiger Unterstützung gelaufen ist. So gut abgestimmt muss man vor den Römern keine Angst haben.“

 

Sogar Hinweise auf vorrömische Siedlung gefunden

 

Die Grabungen zeigen, dass die Straßentrasse nach der Römerzeit mindestens zweimal grundlegend erneuert wurde. Mindestens in einem Fall geschah dies, nachdem sich anstelle der Straßentrasse eine Art Teich gebildet hatte. Es wird derzeit an der RWTH (Lehr- und Forschungsgebiet Neotektonik und Georisiken) untersucht, ob es sich dabei um die Folge einer seismisch beeinflussten Bodenverschiebung handelte, die einen natürlichen Abfluss anfallenden Hangwassers vom Hörnhügel verhinderte. Im zweiten Sondierungsschnitt fanden sich überraschenderweise Spuren einer bis dato völlig unbekannten mittelalterlichen Siedlung. Nach den Funden zu schließen, bestand sie etwa zwischen dem 12. und 15./16. Jahrhundert.

 

 

 

Einzelne Keramik- und Feuersteinfunde deuten zudem auf eine vorrömische Besiedlung im näheren Umfeld hin, von der sich in den Sondagen aber keine weiteren Spuren nachweisen ließen. War für die Sondagen die Stadtarchäologie verantwortlich, so erfolgt die weitere archäologische Begleitung des Bauvorhabens durch die archäologische Fachfirma sk ArcheoConsult aus Aachen. Diese konnte bereits bei ersten Kanalbauarbeiten ebenfalls die Römerstraße untersuchen. Völlig überraschend wurde dabei auch eine römische Holzwasserleitung gefunden, die möglicherweise eine unweit des Plangebiets liegende Badeanlage speiste.