Aachener Stadtgeschichte – Band 1
Das Subskriptionsangebot zum günstigen Preis von 29,90 Euro gilt noch bis zum 31. Oktober. Danach werden die Bände im Buchhandel zum Preis von 39,90 Euro verkauft.
Dr. Thomas, R. Kraus, Archivdirektor der Stadt Aachen, gibt im Auftrag der Stadt Aachen und des Aachener Geschichtsvereins in den nächsten Jahren nach und nach die Stadtgeschichte Aachens in sieben Bänden heraus. Der erste Band stellt zunächst die natürlichen Grundlagen des Aachener Raumes vor, die sich der Mensch im Laufe der Jahrhunderte zunutze machen konnte. Er enthält darüber hinaus Darstellungen zur Ur- und Frühgeschichte sowie zur spätkeltischen und römischen Zeit Aachens bis hin zu den Karolingern.
Spätrömischer Wehrgraben am Katschhof gefunden
Im 5. Jahrhundert wurde dieser etwa sechs Meter breite und zwei Meter tiefe Graben wieder verfüllt. Dies ist eine Erkenntnis aus den archäologischen Ausgrabungen, die den Bau der Fernwärmeleitungen am Markt und Katschhof begleiten. „Der Markt war umfriedet, die Bürger der Stadt haben sich in den Wirren der Völkerwanderung dahin zurückziehen können“, glaubt Stadtarchäologe Andreas Schaub. An der Baustelle wurde dieser Graben auf einer Länge von etwa zwanzig Metern verifiziert. Was genau in vorkarolingischer Zeit auf dem Markt gestanden hat, darüber gibt es nur Mutmaßungen. „Wir haben keine brauchbaren Erkenntnisse“, so Schaub, „es ist zu vermuten, dass der Vorläufer des heutigen Rathauses nicht nur zufällig an dieser Stelle gebaut wurde.“
Bei den Ausgrabungen wurde darüber hinaus das bislang älteste Fragment mit christlicher Symbolik Aachens entdeckt: Auf einer Scherbe einer Keramikschüssel sind ein Kelch und Weintrauben abgebildet. Sie stammt wahrscheinlich aus dem ersten Drittel des 5. Jahrhunderts und wurde im Nordosten des heutigen Frankreichs hergestellt. Funde von Hirschgeweihen deuten auf die Produktion von Messergriffen hin.
Auch am ehemaligen Brot-Schneider-Parkplatz an der Prinzenhofstraße haben Andreas Schaub und seine Mitarbeiter interessante Entdeckungen gemacht. Dort kamen Reste einer frühmittelalterlichen Grabstätte zum Vorschein, die offenbar beraubt worden ist. „Das Skelett war in großen Teilen intakt, nur der Kopf- und Brustbereich war durcheinander“, so Schaub. Das deute darauf hin, dass die Beigaben von Brustschmuck später entfernt worden sind. „Die Beigabensitte endet um das Jahr 700“, erläutert der Stadtarchäologe.
Darüber hinaus wurden dort spätgotische Tonreliefs mit Heiligendarstellungen gefunden. Sie wurden als „Model“ bei der Produktion von Pilgerzeichen verwendet, die man zum Beispiel am Hut oder an der Kleidung trug zum Zeichen, bei der Heiligtumsfahrt dabei gewesen zu sein. Sie werden in nächster Zeit im Haus Löwenstein ausgestellt.
Bedeutende Funde an der Dominformation
Seit einigen Wochen finden am Klosterplatz Arbeiten für die neue Dominformation statt. Die dabei erforderlichen Erdarbeiten im Bereich des künftigen Eingangs werden durch die Stadtarchäologie begleitet. Trotz geringer Bodeneingriffe konnten schon jetzt bedeutende Funde gemacht werden. So wurde ein mittelalterlicher Kellerraum angetroffen, dessen ursprünglicher Fußboden aus Blausteinplatten in Teilen noch erhalten war. Unter diesem Plattenbelag wurde ein kompliziertes Kanalsystem vorgefunden, dessen Zweck noch unklar ist. Darüber hinaus fanden sich auch Reste römischer Gebäude.
Aus dem frühen ersten Jahrhundert nach Christus haben sich Spuren von Holzbauten in Form von Erdverfärbungen erhalten. Aus späterer Zeit stammt das Fundament eines Steingebäudes. Es verläuft in südwest-nordöstlicher Ausrichtung und bildete vermutlich den nordwestlichen Abschluss des Hauses. Aufgrund dieses Befundes kann man wohl den Verlauf einer seit langem bekannten römischen Straße, die im Quadrum des Domklosters nachgewiesen ist, weiter nach Südwesten ergänzen.
Aus vermutlich spätkarolingischer Zeit (ca. 9./10. Jahrhundert) wurde eine große Grube angeschnitten. Aufgrund der Dimension könnte es sich um einen Erdkeller handeln. Sollte sich die Datierung im Zuge der abschließenden Bearbeitung bestätigen, hätten wir damit erstmals gesicherte Hinweise auf eine karolingerzeitliche Bebauung westlich der Pfalz.
Römische Funde an der Prinzenhofstraße
Entdeckt wurden Reste eines römischen Militärgrabens, der offenbar ein Soldatenlager abgesichert hat. Dieser sogenannte Spitzgraben war ursprünglich etwa 2,20 Meter tief und 5,60 Meter breit und stammt aus der Zeit zwischen Ende des ersten bis Mitte des zweiten Jahrhunderts nach Christi. „Das war eigentlich eine ruhige Zeit ohne große militärische Auseinandersetzungen“, meint Stadtarchäologe Andreas Schaub. Er vermutet daher, dass die Soldaten für Baumaßnahmen nach Aachen verlegt und eingesetzt wurden – zum Beispiel bei der Errichtung der Thermen in Burtscheid oder am Büchel. „Das war damals eine übliche Form der staatlichen Subvention“, so Schaub.
Der Graben konnte auf einer Länge von zehn Metern freigelegt werden, er verläuft etwa von der Treppe zur Prinzenhofstraße in Richtung Unterführung zur Kleinmarschierstraße.
Darüber hinaus wurde auf der Ausgrabungsstätte ein kleines römisches Pferd aus weißem Pfeifenton entdeckt. Andreas Schaub vermutet, dass es möglicherweise als Kinderspielzeug verwendet wurde. „Da das relativ weiche Material jedoch kaum Abnutzungsspuren aufweist, halte ich es für wahrscheinlicher, dass es als kultisches Motiv gedient hat. Im Umfeld haben wir Reste von Räucherkelchen gefunden, in denen Weihrauch verbrannt wurde“, so Schaub.
Die Ausgrabungen werden Mitte April beendet sein, dann beginnt der Bau eines Erweiterungsgebäudes für das Gymnasium St. Leonhard.
Baumaßnahmen in Aachen werden insbesondere im historischen Kernbereich stets von archäologischen Untersuchungen begleitet. Die Ausgrabungen im Elisengarten im Herbst und Winter 2008/2009 haben zahlreiche wertvolle Erkenntnisse geliefert. Erstmals konnte die Siedlungstätigkeit der Kelten nachgewiesen werden, eine römische Herberge wurde entdeckt, die die Vermutung stützt, dass die Römer Aachen um Christi Geburt als planmäßige Siedlung angelegt haben. Vor einem Jahr wurden in Burtscheid erstmalig Reste der Thermen gefunden.
Im 2. Jahrhundert lebten etwa zwei- bis dreitausend Menschen in Aachen, es handelte sich für damalige Verhältnisse um eine relativ große römische Stadt linksseitig vom Rhein.
Reste der historischen Barbarossamauer gefunden
Sie ist ein Teil des inneren Mauerrings, der in den Jahren nach 1172 auf Veranlassung von Kaiser Friedrich I. Barbarossa errichtet wurde, nachdem Aachen 1166 die Münz-, Markt- und Stadtrechte erhalten hatte. „Wir haben erwartet, sie an dieser Stelle zu finden, aber wir waren überrascht wie gut sie zum Teil erhalten ist“, erklärte Dr. Markus Pavlovic, Archäologe der Stadt Aachen. In der Straßenmitte jedoch fehlt ein gutes Stück, dort sind nur noch zwei Steinlagen vorhanden, der obere Teil wurde in früheren Zeiten einmal abgetragen. Auch der Kanalbau im Jahr 1896 hat ihr zugesetzt – von unten, denn die Abwasserkanäle wurden damals unterhalb der Barbarossamauer verlegt. Was mit den Mauerresten geschehen soll ist, noch unklar, denn der Kanalneubau an demselben Ort stößt auf technische Schwierigkeiten, wenn die Mauer erhalten bleiben soll. Möglicherweise wird sie daher abgetragen und an anderer Stelle wieder aufgebaut. Die Kanalbauarbeiten werden dadurch nur um etwa ein bis zwei Tage unterbrochen.
Die etwa 2,50 Meter breite Mauer besteht an der äußeren Schale unter anderem aus Mergelsteinen und Grauwacke, die aus dem weiteren Umfeld (zum Beispiel aus der Eifel) nach Aachen gebracht wurden. Das Innere wurde – aus Kostengründen – mit Gussmauerwerk verfüllt, einem Gemisch aus Mörtel und kleineren Steinen.
Neues aus dem „Stauferkeller“
Unter den Häusern Markt 48-52 befinden sich gut erhaltene mittelalterliche Gewölbekeller. Sie waren über Jahrzehnte immer wieder Ziel archäologischer Unternehmungen. Die letzten Grabungen fanden in den achtziger Jahren statt. Der damals angefallene Erdaushub lagert bis heute in den ungenutzten Kellerräumen. Bei einem Ortstermin wurde bemerkt, dass sich in dieser aufgehäuften Erde noch zahlreiche archäologische Objekte befanden.
Darauf hin wurde mit Helfern des Archäologischen Arbeitskreises Aachen (AAA)in einer einwöchigen Aktion der gesamte Erdaushub gesiebt und nach Funden durchsucht. Die „Beute“ war beachtlich. Hunderte Scherben, Knochen, Steine sowie eine römische Münze wurden geborgen. Von besonderer Bedeutung sind Keramikfunde der Merowingerzeit (5.-8. Jahrhundert). Darüber hinaus fanden sich auch karolingische Scherben. Es sind die ersten Funde des frühen Mittelalters vom Aachener Markt.
Angeregt durch die neuen Untersuchungen hat sich inzwischen der ehemalige Hausbesitzer, Herr Geller (Aachen) bereit erklärt, große Mengen archäologischer Funde aus dem Keller der Stadtarchäologie zur Verfügung zu stellen. Sie stammen aus Maßnahmen der fünfziger Jahre und waren seither in seinem Besitz. Künftige Auswertungen des umfangreichen Materials versprechen umfassende Neuerkenntnisse zur römischen und mittelalterlichen Besiedlung des Aachener Marktes.
Abschluss der Domgrabungen
Die seit rund drei Jahren laufenden archäologischen Untersuchungen im Aachener Dom haben einen vorläufigen Abschluss gefunden. Zwar sind die Dokumentationsarbeiten noch nicht vollständig erfolgt, doch wird es keine nennenswerten Erdarbeiten mehr geben.
Der letzte Bauabschnitt umfasste das Eingangsjoch im Westen sowie die Vorhalle. Im Eingangsjoch wurden unter anderem Reste eines großen römischen Wasserkanals entdeckt, der offenbar im Zusammenhang mit den so genannten Münsterthermen steht. In der Vorhalle wurden wie erwartet zahlreiche spätmittelalterliche Grabanlagen gefunden. Sie wurden bereits bei den Grabungen 1910/11 aufgedeckt und konnten nun mit modernsten Methoden neu dokumentiert und vermessen werden.
Die seit den 1980er Jahren bestehende Theorie des damaligen Dombaumeisters Leo Hugot, das ursprüngliche Grab Karls des Großen hätte sich in der Vorhalle befunden, konnte nicht bestätigt werden. Die große, auf der Längsmittelachse der Vorhalle gelegene Gruft bestand aus frühneuzeitlichen Feldbrandziegeln. Darüber hinaus wurde bei Erbauung dieses Grabes eine ältere Bestattung gestört. Diese wiederum wurde ausweislich der darin geborgenen Funde frühestens im 12./13. Jahrhundert eingebracht.
Unter und zwischen den Gräbern hatten sich überraschenderweise noch umfangreiche römische Siedlungsschichten erhalten. Bedeutsam sind Reste aus der Gründungsphase des römischen Aachen. Neben Spuren von Holzbauten fand sich eine Grube, die mit zahlreichem verbranntem organischem Material verfüllt war. Es handelt sich vorwiegend um Tierknochen und Holzkohle, aber auch um Getreide und Nüsse. Es könnte sich dabei um die Hinterlassenschaften eines Brandopfers handeln. Die Materialien wurden von Gary White M.A. (Tierknochen) und dem Institut für Archäobotanik der Universität zu Köln näher untersucht.
Unter den zahlreichen Funden des letzten Bauabschnitts verdienen einige Stücke besondere Beachtung: Unter den mehr als 100 Münzen konnte eine spätkeltisch-frührömische Prägung identifiziert werden (so genannte Atuatukermünze). Aus staufischer Zeit stammt ein Warengewicht aus Blei mit Darstellung eines Bischofs. Überraschenderweise konnten annähernd 20 spätmittelalterliche Pilgerzeichen entdeckt werden. Zum Teil vollständig, zum Teil fragmentiert gelangten diese Objekte aus uns noch nicht ersichtlichen Gründen in den Schutt der Vorhalle. Die Auswertung muss zeigen, ob es sich ausschließlich um Aachener Pilgerzeichen handelt, oder ob auch solche anderer Pilgerstätten dorthin gelangten.
Insgesamt können die abgeschlossenen Arbeiten als großer Erfolg gewertet werden. Die Phase der Aufarbeitung verspricht weitere Erkenntnisse zu fast allen bedeutenden Epochen der Aachener Geschichte.
Einblick in die archäologischen Schichten der Ostseite des Katschhofs
Im Zuge von Kanalbaumaßnahmen der STAWAG konnte die Stadtarchäologie einen Einblick in die archäologischen Schichten der Ostseite des Katschhofs gewinnen.
Die 4,50 m lange und ca. 1 m breite Kanaltrasse war zwar durch zahlreiche Leitungen und Kabeltrassen in jüngerer Zeit bereits gestört, dennoch konnten wertvolle archäologische Beobachtungen gemacht werden. Im Osten der Trasse wurde der Ausschnitt einer von Südwest nach Nordost verlaufenden römischen Straße entdeckt, die bereits seit langem im Bereich des Domklosters nachgewiesen ist.
Von besonderer Bedeutung ist, dass die jüngste Straßenoberfläche noch im späten Mittelalter (ca. 13./14. Jahrhundert) benutzt wurde. Aus dieser Zeit stammen nämlich zahlreiche kleine Keramikscherben, die in die Kiesoberfläche eingetreten wurden. Durch diesen Befund müssen neue Überlegungen zur Rekonstruktion der karolingischen Pfalz erfolgen. Sollte tatsächlich eine schräg zur karolingischen Bauausrichtung verlaufende Straße zwischen Aula Regia (Rathaus)und Marienkirche (Dom) bestanden haben, muss das bisherige Bild im östlichen Kernbereich der Pfalz revidiert werden.
Die Arbeiten wurden durch freiwillige Helfer des Aachener archäologischen Arbeitskreises (AAA) unterstützt.
Die römische Therme aus der Buchkremerstraße kehrt an ihren Fundort zurück
Seit 9 Jahren liegen sie unter eine Plane auf dem Baubetriebshof, die Reste einer römischen Therme, die beim Bau der Mayerschen Buchhandlung in der Buchkremerstraße freigelegt wurden. Jetzt soll ein Teil der Therme wieder an die Fundstelle zurück. Helmut Falter, Seniorchef des Hauses, verkündete diese seine Absicht bei einem Pressegespräch in der Buchhandlung, an dem auch Aachens Baudezernentin Gisela Nacken und Stadtarchäologe Andreas Schaub teilnahmen.

Stadtarchäologe Andreas Schaub, Helmut Falter (Mayersche Buchhandlung) und Baudezernentin Gisela Nacken beim Pressegespräch am 30. März 2010.
Ein 18 Tonnen schweres, zwei Meter hohes und 2,60 Meter breites Teil der Therme soll neben dem Eingang der Buchhandlung im Schaufenster untergebracht werden. An dieser Stelle wird das Schaufenster Richtung Bürgersteig um 1,40 Meter erweitert. Die nicht unerheblichen Kosten des Umbaus übernimmt die Mayersche Buchhandlung. Die Arbeiten sollen in einigen Wochen beginnen und werden voraussichtlich im Sommer abgeschlossen sein.

Blick auf das Fundstück vom Bürgersteig aus
Gisela Nacken und Andreas Schaub begrüßten die Pläne der Buchhandlung und freuen sich über die Rückkehr des Fundstückes an die Nähe des Fundortes. Einen besseren Standort könne es nicht geben. Gisela Nacken erinnerte an die zwischenzeitlich ins Auge gefassten Standorte, die allerdings alle nicht zum Tragen gekommen waren. Der Elisengarten wurde aus gestalterischen Gründen und wegen des fehlenden Platzes verworfen, der Büchel wurde vom Planungsausschuss abgelehnt, der „Bücherplatz“ gegenüber der Mayerschen Buchhandlung fand nicht die Zustimmung des privaten Eigentümers.
Andreas Schaub wird sich in den kommenden Monaten um eine angemessene Dokumentation der Funde und um die Darstellung der Zusammenhänge bemühen.

Entwurf für die Integration der Therme in die Mayersche Buchhandlung. Die detaillierten Pläne finden Sie hier.
Die übrigen Fundstücke aus der Buchkremerstraße sollen zunächst noch auf dem Baubetriebshof verbleiben, aber auch für sie sucht die Stadt noch neue und sinnvolle Standorte.