Römische Funde an der Prinzenhofstraße

Bei den aktuellen archäologischen Ausgrabungen auf dem Brot-Schneider-Parkplatz an der Prinzenhofstraße konnten zwei bemerkenswerte Funde aus römischer Zeit gemacht werden. / 08.04.2011
 

Entdeckt wurden Reste eines römischen Militärgrabens, der offenbar ein Soldatenlager abgesichert hat. Dieser sogenannte Spitzgraben war ursprünglich etwa 2,20 Meter tief und 5,60 Meter breit und stammt aus der Zeit zwischen Ende des ersten bis Mitte des zweiten Jahrhunderts nach Christi. „Das war eigentlich eine ruhige Zeit ohne große militärische Auseinandersetzungen“, meint Stadtarchäologe Andreas Schaub. Er vermutet daher, dass die Soldaten für Baumaßnahmen nach Aachen verlegt und eingesetzt wurden – zum Beispiel bei der Errichtung der Thermen in Burtscheid oder am Büchel. „Das war damals eine übliche Form der staatlichen Subvention“, so Schaub.

 

Der Graben konnte auf einer Länge von zehn Metern freigelegt werden, er verläuft etwa von der Treppe zur Prinzenhofstraße in Richtung Unterführung zur Kleinmarschierstraße.

 

Darüber hinaus wurde auf der Ausgrabungsstätte ein kleines römisches Pferd aus weißem Pfeifenton entdeckt. Andreas Schaub vermutet, dass es möglicherweise als Kinderspielzeug verwendet wurde. „Da das relativ weiche Material jedoch kaum Abnutzungsspuren aufweist, halte ich es für wahrscheinlicher, dass es als kultisches Motiv gedient hat. Im Umfeld haben wir Reste von Räucherkelchen gefunden, in denen Weihrauch verbrannt wurde“, so Schaub.

 

Die Ausgrabungen werden Mitte April beendet sein, dann beginnt der Bau eines Erweiterungsgebäudes für das Gymnasium St. Leonhard.

 

Baumaßnahmen in Aachen werden insbesondere im historischen Kernbereich stets von archäologischen Untersuchungen begleitet. Die Ausgrabungen im Elisengarten im Herbst und Winter 2008/2009 haben zahlreiche wertvolle Erkenntnisse geliefert. Erstmals konnte die Siedlungstätigkeit der Kelten nachgewiesen werden, eine römische Herberge wurde entdeckt, die die Vermutung stützt, dass die Römer Aachen um Christi Geburt als planmäßige Siedlung angelegt haben. Vor einem Jahr wurden in Burtscheid erstmalig Reste der Thermen gefunden.

 

Im 2. Jahrhundert lebten etwa zwei- bis dreitausend Menschen in Aachen, es handelte sich für damalige Verhältnisse um eine relativ große römische Stadt linksseitig vom Rhein.