Skelett-Funde im Hof

Skelette sind im Hof gefunden worden, die zu mindestens drei – vermutlich erwachsenen – Menschen gehören und offenbar in karolingischer Zeit in Aachen gelebt haben. / 05.12.2014

 

Ein bisschen kriminologisches Gespür gehört wohl auch dazu, wenn man als Archäologe die jüngsten Entdeckungen in der Baumaßnahme im Hof einordnen muss: Skelette sind dort in dieser Woche gefunden worden, die zu mindestens drei – vermutlich erwachsenen – Menschen gehören und offenbar in karolingischer Zeit in Aachen gelebt haben. Ob männlich oder weiblich, ist noch unbekannt. Ebenso, ob sie aus Aachen kommen oder eingewandert sind. Stadtarchäologe Dr. Markus Pavlovic und Maya Stremke, Grabungsleiterin der Fa. Goldschmidt Archäologie und Denkmalpflege, können erst nach einer Strontiumisotopenanalyse feststellen, ob der Ur-Öcher möglicherweise einen Migrationshintergrund hatte. Relativ sicher sind sich die Archäologen jetzt schon, dass sie im 9. Jahrhundert gelebt haben, weil in der Schicht zwar einige römische, aber auch eine karolingische Scherbe gefunden wurde. „Der jüngste Fund bestimmt die Datierung der Schicht“, erläutert Pavlovic.

 

Bestimmung der Todesursache
Auch bei der Bestimmung der Todesursache bleibt es spannend: Einer der drei Leichname wurde offenbar bestattet. „Man hat extra ein Stück von einer Mauer, die römischen Ursprungs ist, abgetragen. Diese Mühe hätte man sich sonst nicht gemacht“, so Pavlovic. Dieses Skelett liegt aber nicht, wie in der christlichen Tradition üblich, mit dem Kopf im Westen mit Blick nach Osten, sondern etwas versetzt: Die Blickrichtung geht gegen Nordost. „Es war eine intentionale Bestattung, aber an einem ungewöhnlichen Ort“, so Pavlovic. Die beiden anderen Skelette wurden nach jetzigen Erkenntnissen offenbar nicht begraben, sondern könnten möglicherweise einem Überfall oder Unglück zum Opfer gefallen sein.

 

„Wir werden noch gut ein Jahr hier bauen“
Der Anlass der archäologischen Untersuchung ist eine Baumaßnahme der STAWAG, die derzeit die über 110 Jahre alten Versorgungskanäle am Hof in einem unterirdischen, bergmännischen Stollenbau-Verfahren erneuert. Die Bauarbeiten finden in einem Bereich statt, in dem mit rund sieben Metern die höchste Mächtigkeit an aufgeschüttetem Boden und somit eine Vielfalt von archäologischen Schichten vorhanden ist. „Wir arbeiten in einer Tiefe von etwa 3,40 bis 5 Metern“, erläutert Wolfgang Raabe, Leiter Netzplanung und Bauleitung der STAWAG. Durch das besondere bergmännische Verfahren werden die Beeinträchtigungen für Anwohner, Geschäftsleute und Gastronomen niedrig gehalten. „Die archäologische Begleituntersuchung gibt uns wertvolle Einblicke in unsere Geschichte“, so Raabe weiter. Die Kanäle sind aus dem Jahr 1895 und müssen dringend erneuert werden. „Im historischen Zentrum Aachens sind diese Einrichtungen häufig über 100 Jahre alt, der Erneuerungsbedarf ist also entsprechend hoch“, so Raabe. Dort sei aber auch die Wahrscheinlichkeit archäologischer Funde besonders hoch. Da die Innenstadt als Bodendenkmal eingetragen ist, müssen solche Maßnahmen grundsätzlich durch die Archäologie begleitet werden – und dauern häufig auch länger als vergleichbare Maßnahmen außerhalb der Innenstadt. „Wir werden noch gut ein Jahr hier bauen“, meint Raabe.

Der Anlass der archäologischen Untersuchung ist eine Baumaßnahme der STAWAG, die derzeit die über 110 Jahre alten Versorgungskanäle am Hof in einem unterirdischen, bergmännischen Stollenbau-Verfahren erneuert
Auch bei der Bestimmung der Todesursache bleibt es spannend: Einer der drei Leichname wurde offenbar bestattet